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Speicher statt Einspeisung: Wirtschaftsministerium plant PV-Förderreform ab 2027

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
20. August 2026
in Elektrotechnik
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PV-Förderreform 2027: Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Katharina Liebert - GF Liebert Elektrotechnik, Lehrling Vanessa, Stefan und Isabella Schmiedel

V.l.n.re.: Wolfgang Hattmannsdorfer, Katharina Liebert - GF Liebert Elektrotechnik, Lehrling Vanessa, Stefan und Isabella Schmiedel. © BMWET/Holey

Die Ära der reinen Photovoltaik-Massenförderung geht hierzulande wohl zu Ende. Statt immer mehr Paneele auf die Dächer zu bringen, soll das Geld künftig in eine massive Speicheroffensive und intelligente Steuerungssysteme fließen. Damit reagiert die Politik auf die zunehmend überlasteten Stromnetze.

Der PV-Boom der vergangenen Jahre stößt an eine harte physikalische Grenze: die Kapazität der Stromnetze. Wenn im Sommer die Sonne am höchsten steht, produzieren tausende private PV-Anlagen gleichzeitig Strom, den die regionalen Netze oft nicht mehr aufnehmen können. Das Resultat sind Netzüberlastungen und abgeregelte Wechselrichter. Nun will das Wirtschaftsministerium die Reißleine ziehen und kündigt eine fundamentale Neuausrichtung der Förderlandschaft ab dem Jahr 2027 an.

Der Sommer 2026 war bisher jedenfalls ein Stresstest für das österreichische Stromsystem: außergewöhnlich hohe Temperaturen, wenig Niederschlag und sehr viel Sonnenstrom. Während die Wasserkrafterzeugung gedämpft war, erreichte die Photovoltaik zu Mittag regelmäßig ihre Spitze – mit viel günstigem heimischem Strom und zeitweisen Überschüssen. Am Abend fällt die PV-Produktion rasch ab, während Verbrauch und Preise steigen. Genau diese Lücke sollen künftig mehr Batterien schließen.

Allein der vergangene Samstag zeigt exemplarisch: Bei einem Tagesverbrauch von 120,1 GWh wurden in Österreich 117,8 GWh Strom erzeugt, davon rund 30 Prozent aus Photovoltaik. Zu Mittag entstand eine PV-Stromspitze von 4,3 GW, während die Tageslastspitze von 6,1 GW am Abend auf praktisch keine PV-Erzeugung mehr traf. Das Ergebnis spiegelt sich auch in der Preisbildung wider: Der durchschnittliche Großhandelspreis von 10-16 Uhr betrug 14 Euro/MWh und in den Abendstunden rund 180 Euro/MWh. 

„Energie muss sicher, sauber und leistbar sein. Der Hitzesommer zeigt sehr deutlich, was wir dafür brauchen: mehr Speicher. Wenn wir mittags günstigen heimischen Strom im Überschuss haben, müssen wir ihn für den Abend speichern können – statt dann teuer Strom aus dem Ausland zukaufen zu müssen. Unser Ziel ist klar: günstige Eigenproduktion besser nutzen. Dafür brauchen wir mehr richtig eingesetzte Speicher – vom Haushalt über große Batteriespeicher bis zu unseren Pumpspeichern. Genau darauf richten wir unsere Energiepolitik jetzt noch stärker aus“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.

Dafür setzt das Energieministerium unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Neue Photovoltaik Förderung mit Fokus auf Speicher
  • Berücksichtigung von Speicherinfrastruktur im neuen Netzinfrastrukturplan
  • Beschleunigung von Genehmigungsverfahren von Batteriespeichern (EABG)
  • Eigenes Förderprogramm für intelligente Energiemanagementsysteme für Haushalte und Betriebe

„Die Herausforderung ist nicht, dass wir im Sommer zu wenig günstigen heimischen Strom erzeugen. Wir müssen ihn dann verfügbar machen, wenn wir ihn brauchen. Speicher bringen richtig eingesetzt den günstigen Sonnenstrom vom Mittag in die teureren Abendstunden. Genau das macht unser Energiesystem effizienter und entlastet gleichzeitig die Netze.“

Wolfgang Hattmannsdofer

Gleichzeitig hat das österreichische Stromsystem auch unter diesen anspruchsvollen Bedingungen seine hohe Versorgungssicherheit bewiesen. Die aktuellen Zahlen der E-Control zeigen, dass Österreich über eine der verlässlichsten Strom- und Gasversorgungen Europas verfügt. Diese Stärke gilt es abzusichern – mit leistungsfähigen Netzen, mehr Resilienz und ausreichend Speicherkapazität, um günstige heimische Erzeugung auch dann verfügbar zu machen, wenn sie tatsächlich gebraucht wird.

Das Ende von „First Come, First Serve“

Mit dem starken Ausbau der Photovoltaik hat sich quasi die Herausforderung im Stromsystem verändert: Entscheidend ist nicht mehr nur, wie viel Strom produziert wird, sondern wann er verfügbar ist, gespeichert werden kann und die Netze entlastet. Batteriespeicher können intelligent eingesetzt Stromüberschüsse zu Mittag aufnehmen und bereitstellen, wenn Verbrauch und Preise am Abend steigen. Daher soll die EAG-Investitionsförderung ab 2027 grundlegend neu ausgerichtet werden.

Wer also ab 2027 förderfähigen Solarstrom produzieren möchte, muss demnach umdenken. Der Fokus verschiebt sich weg von der reinen Stromerzeugung hin zur intelligenten Speicherung. Unterstützt werden künftig vor allem Batteriespeicher und smarte Energiemanagementsysteme (EMS), die den Stromfluss im Haushalt dynamisch regeln.

Gleichzeitig verabschiedet sich das Ministerium von einem System, das in der Vergangenheit oft für Kritik sorgte: Dem „First Come, First Serve“-Prinzip. Wer in den vergangenen Jahren bei den Fördercalls nicht innerhalb von Sekunden (beim letzten Fördercall waren es gerade mal 33 Sekunden, Anm.) den Antrag abschickte, ging leer aus. Dieses digitale Wettrennen soll ab 2027 endgültig Geschichte sein und durch ein qualitatives Vergabesystem ersetzt werden.

Kernpunkte der Reform

  • Ende von First-Come-First-Serve: Förderanträge sollen künftig nach Installation und Rechnungslegung gestellt werden können – nach dem Prinzip des Handwerkerbonus.
  • Fokus auf intelligente Energiemanagementsysteme in Kombination mit Speichern: Die breite Förderung klassischer kleiner PV-Anlagen soll auslaufen. Im Fokus stehen künftig Energiemanagementsysteme und intelligente Speicher, die Eigenverbrauch erhöhen und Netze entlasten.
  • Bestehende PV-Anlagen nachrüsten: Speicher sollen in Kombination mit der Installation eines EMS auch unabhängig von der Neuerrichtung einer PV-Anlage gefördert werden können. Damit wird die Nachrüstung bestehender Anlagen attraktiver.
  • Innovative PV bleibt förderfähig: Gebäudeintegrierte PV, Agri-PV, Parkplatzüberdachungen, schwimmende PV sowie Anlagen an Lärmschutzwänden sollen weiterhin unterstützt werden.
  • Made in Europe stärken: Europäische Wertschöpfung soll in der neuen Förderlogik weiterhin berücksichtigt werden. Wer bei zentralen Komponenten auf europäische Produktion setzt, soll einen Bonus erhalten.

Hohes Speicherpotenzial in Österreich

  • Laut ersten Zahlen einer vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Speicherstudie sind aus volkwirtschaftlicher Sicht bis zu 8 GW marktorientierte Batteriekapazität bis 2030 nützlich.
  • Laut dieser Studie können je nach Szenario zusätzliche Batteriespeicher den Großhandelspreis 2030 um bis zu 2 Euro je MWh reduzieren.
  • Rein rechnerisch entspräche das bei einem Halbjahresverbrauch von rund 34 TWh einem Einsparungspotenzial von bis zu 68 Millionen Euro für das erste Halbjahr 2026.
  • Aktuell sind in Österreich laut Branchenprognosen mehr als 3,2 GWh Batteriespeicher installiert, ein Großteil der Speicher mit einer Speicherkapazität unter 50 kWh. Zusätzlich sind in Österreich 6,2 GW Pumpspeicher installiert.

Entscheidend für den notwendigen Speicherhochlauf sind neben der Förderung auch die Netzentgelte. Daher braucht es die richtigen Rahmenbedingungen für Speicher, damit sich Projekte wirtschaftlich rechnen können. Zugleich müssen die Anzahl und die Ausgestaltung der im aktuellen Entwurf der E-Control vorgesehenen Kriterien für systemdienliche Speicher nochmals überprüft werden. Die Rahmenbedingungen müssen praxistauglich und ausreichend breit gefasst sein, damit der Speicherhochlauf nicht durch zu enge zu erfüllende Voraussetzungen ausgebremst wird.

PV&B Austria: „Auf Worte müssen endlich Taten folgen!“

Der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria begrüßt grundsätzlich die von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer angekündigte Neuausrichtung des Fördersystems. Auch aus Sicht des Verbandes sollten künftige Förderungen insbesondere auf Stromspeicher und Energiemanagementsysteme ausgerichtet werden. „Wir begrüßen, dass die Bundesregierung die Bedeutung von Speichern für das Energiesystem nun ausdrücklich anerkennt. Entscheidend ist aber, dass aus der angekündigten Speicheroffensive jetzt auch konkrete Maßnahmen werden“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV&B Austria.

Auch der Bundesverband habe sich für eine Neuausrichtung des Fördersystems ausgesprochen und stehe dazu bereits im engen Austausch mit dem Energieministerium. Aus Sicht des Verbandes braucht es nun allerdings möglichst rasch Klarheit darüber, wie die Förderung ab dem kommenden Jahr ausgestaltet wird. Sie muss jedenfalls unkompliziert und bereits früh im kommenden Jahr verfügbar sein.

Speicher sind essenzieller Bestandteil des weiteren PV-Ausbaus

PV&B Austria hat bereits im vergangenen Jahr Zahlen zum erforderlichen Speicher- und Flexibilitätsbedarf in Österreich vorgelegt. Eine aktuelle Folgeanalyse des Verbandes zeigt zudem, dass Batteriespeicher bereits heute dazu beitragen können, günstigen PV-Strom aus den Mittagsstunden in die teuersten Abendstunden zu verschieben.

Seit Amtsantritt hat Minister Hattmannsdorfer wiederholt eine Speicheroffensive angekündigt. Man begrüße daher die neuerliche Ankündigung, wird die Bundesregierung bei der Umsetzung aber an den konkreten Ergebnissen messen. „Wir stehen dem Ministerium weiterhin gerne als Sparring-Partner zur Verfügung. Jetzt geht es aber darum, dass auf die Worte auch Taten folgen. Die Branche steht bereit – entscheidend ist, dass die angekündigte Speicheroffensive nun auch tatsächlich umgesetzt wird“, sagt Immitzer.

„Aus Sicht des Verbandes ist es mit einer reinen Umstellung der Förderung nicht getan. Auch weiterhin muss es möglich sein über steuerliche Erleichterungen zu diskutieren. Ebenso ist die E-Control gefordert, entsprechende praxistaugliche Rahmenbedingungen für Stromspeicher zu schaffen. Und auch die Netzbetreiber müssen Stromspeicher künftig stärker in ihre Netzentwicklungspläne integrieren.“

Vera Immitzer

Tags: FörderungPhotovoltaikPV-Anlagen
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