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Handel warnt vor Verwerfungen durch Iran-Krieg

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
2. März 2026
in Branche
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Handel warnt vor neuen Verwerfungen durch Iran-Krieg

© AdobeStock

Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren hellt sich die Lage in Österreich langsam auf, auch die Konsumentennachfrage zieht vorsichtig an. Doch nun sorgt der Iran-Krieg im Nahen Osten für neue Unsicherheit an den Energie- und Transportmärkten – mit potenziell spürbaren Folgen für Preise, Lieferketten und die Kaufkraft auch in Österreich.

Seit Freitag (27.02.2026) sind die internationalen Rohölpreise bereits um rund zehn Prozent gestiegen. Hintergrund sind Eskalationen in einer der sensibelsten Energie-Regionen der Welt: Über die Straße von Hormus wird rund ein Fünftel des globalen Ölhandels abgewickelt. Jede ernsthafte Störung dieser Route treibt die Rohölpreise nach oben. Für Österreich kommt erschwerend hinzu, dass durch eine Blockade der Meerenge auch kein Flüssiggas aus Katar mehr geliefert werden kann – ein relevanter Versorgungskanal, der nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen schwer kurzfristig ersetzbar ist.

Wir sehen derzeit eine beachtenswerte Kombination aus steigenden Energiepreisen, höheren Risikoaufschlägen im Transport und wachsender geopolitischer Unsicherheit. Abhängig von der Dauer des kriegerischen Konflikts kann dies die fragile wirtschaftliche Erholung rasch wieder abbremsen.

Rainer Will, Geschäftsführer, Handelsverband

Vier Wirkungsstränge des Iran-Konflikts treffen Handel

Die aktuellen Entwicklungen wirken über verschiedene Ebenen auf die Realwirtschaft:

  1. Energiepreise: Steigende Rohölpreise verteuern Treibstoffe und erhöhen mittelfristig den Druck auf Gas- und Strommärkte. Energie ist nicht nur ein direkter Kostenfaktor für Handelsbetriebe – sie steckt auch in nahezu allen Produkten, von landwirtschaftlichen Vorleistungen wie Düngemitteln bis hin zu Verpackungen und industriellen Komponenten.
  2. Transport- und Logistikkosten: Störungen im See- und Luftverkehr, höhere Versicherungsprämien für Schiffe in Risikoregionen sowie Umwege im internationalen Frachtverkehr führen zu steigenden Kosten pro Container und pro Luftfracht-Kilogramm. Österreich ist als Binnenland besonders abhängig von funktionierenden internationalen Transitkorridoren. Werden diese unsicherer oder teurer, schlägt sich das unmittelbar in Einkaufspreisen und Lieferzeiten nieder. Durch den derzeitigen Ausfall von Luftfahrts-Knotenpunkten wie Dubai oder Abu Dhabi sind zeitkritische Branchen wie Elektronik, Pharmazeutika und Ersatzteilversorgung betroffen.
  3. Inflation: Ein anhaltender Ölpreisschock würde Österreich und Europa abermals unter Inflationsdruck setzen. Analysten schätzen, dass ein länger andauernder Konflikt mit gestörtem Ölangebot die globale Inflation um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte erhöhen könnte. Die gestiegenen Treibstoffpreise werden sich zeitnah in der heimischen Inflationsrate niederschlagen. Das ist keine Spekulation, das ist eine direkte Marktreaktion, die bereits zu beobachten ist.
  4. Investitionszurückhaltung: Geopolitische Unsicherheit wirkt bereits für sich genommen als Wachstumshemmnis. Unternehmen verschieben Investitionen, Haushalte werden vorsichtiger bei größeren Anschaffungen. In einer Phase, in der sich die Konsumstimmung gerade erst stabilisiert, kann das rasch wieder zu einer Abschwächung führen.

Der Handel ist in einer Schlüsselposition zwischen Produzenten und Konsumenten. Wir sehen sehr genau, wie Energie- und Transportkosten entlang der Wertschöpfungskette wirken. Wenn hier erneut Verwerfungen auftreten, droht eine neue Welle an Preisdruck – nicht aus spekulativen Gründen, sondern aufgrund real steigender Inputkosten.

Rainer Will

Erholung steht unter Vorbehalt

Nach zwei herausfordernden Jahren mit hoher Inflation, Kaufkraftverlusten und Rezession ist die derzeitige Stabilisierung der heimischen Wirtschaft noch keineswegs abgesichert. Steigende Energie- und Logistikkosten könnten:

  • die Inflation erneut anheizen,
  • die Kaufkraft der Haushalte schwächen,
  • Investitionen im Handel bremsen und
  • die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts beeinträchtigen.

HV fordert Diversifikation der Energiequellen, Abschaffung des Merit-Order-Prinzips und Lieferketten-Resilienz

Aus Sicht des Handelsverbands braucht es nun vor allem vorausschauende Planung und klare Signale der Stabilität. Die Bundesregierung sollte deshalb insbesondere den Fokus auf leistbare Energie beibehalten und die Diversifikation der Energiequellen konsequent vorantreiben sowie Lieferketten-Resilienz strategisch priorisieren.

Die Bundesregierung, allen voran Bundeskanzler Stocker, hat sich heuer die Abschaffung des Merit-Order-Prinzips zum Ziel gesetzt. Dies hat der Kanzler zuletzt in der ORF-Pressestunde bestätigt. Die aktuellen Verwerfungen im Nahen Osten verleihen diesem Projekt jetzt enorme Dringlichkeit.

„Wir brauchen jetzt Szenarien für Energiealternativen, für robuste Lieferketten und für die Absicherung der Kaufkraft. Unternehmen und Haushalte müssen wissen: Österreich ist vorbereitet. Vorsorge schafft Vertrauen – und Vertrauen ist die wichtigste Währung in unsicheren Zeiten“, so Will abschließend. „Der Handel selbst optimiert seine Lieferketten laufend. Er reagiert rasch, um potenzielle negative Wirkungen der aktuellen Situation für die Bevölkerung abzumildern.“

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Tags: EnergiekostenFrachtkostenHandelsverbandInflation
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