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E-Wirtschaft 2040: Effizient ausbauen und Systemkosten dämpfen

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
5. März 2026
in Elektrotechnik
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E-Wirtschaft 2040: Effizient ausbauen und Systemkosten dämpfen

© AdobeStock

Energiekrise, PV-Boom und steigende Systemkosten haben die Rahmenbedingungen für die Stromversorgung in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Dennoch gilt es weiterhin die politischen Energie- und Klimaziele 2030 und 2040 zu erreichen. Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung der E-Wirtschaft, hat nun den aktuellen Stand des Erneuerbaren-Ausbaus erhoben und in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Compass Lexecon analysiert, wie die weitere Transformation des Energiesystems möglichst effizient gestaltet werden kann.

„Die vergangenen Jahre haben uns etwas sehr klar vor Augen geführt: Ein Erneuerbaren-Anteil von 90 % auf das Jahr betrachtet, ist erfreulich – er sorgt aber nicht automatisch für niedrige Strompreise“, sagt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. „Entscheidend ist, wann und wo Strom erzeugt wird – und wie gut er ins System integriert werden kann.“ Betrachtet man die Stromversorgung in den einzelnen Stunden eines Jahres, zeigt sich ein grundlegend anderes Bild: Nur etwa jede fünfte Stunde kommt der österreichische Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen – in der übrigen Zeit braucht es darüber hinaus Importe oder Strom aus Gaskraftwerken, um den Bedarf zu decken.

Irankonflikt – keine unmittelbaren Auswirkungen

Im Hinblick auf die militärische Eskalation im Nahen Osten appelliert Schmidt für ein besonnenes Vorgehen, insbesondere im Hinblick auf Markteingriffe: „Die überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher befindet sich bei Strom zumindest in Jahresverträgen – diese Kund:innen sind während der Laufzeit vor ungeplanten Preisanstiegen geschützt.“

„Gerade jetzt sehen wir, warum es so wichtig ist, die eigene Erzeugung auszubauen: Wir haben nach wie vor eine enorme Abhängigkeit und sind damit auch gegenüber geoökonomischen Risiken exponiert. Wenn es exogene Schocks gibt, hat das spürbare Auswirkungen – auf Unternehmen und Konsument:innen. Deshalb ist der Ausbau der heimischen Erzeugung ein No-Brainer“, sagt Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie.

E-Wirtschaft fordert schnelleren Erneuerbaren-Ausbau

Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, das einen Ausbau der Stromerzeugung in Österreich um 27 TWh vorsieht, ist nun seit etwa fünf Jahren in Kraft, weitere fünf Jahre verbleiben bis zum Jahr 2030. Im Hinblick auf die Erreichung dieses gesetzlich verankerten Ausbauziels zeigt eine Analyse der bis 2025 hinzugekommenen Erzeugungsmengen in den Technologien PV, Wind und Wasserkraft ein gemischtes Bild.

Photovoltaik: Ausbau geordnet vorantreiben

Sonnenstrom hat sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Mittlerweile sind insgesamt Photovoltaikanlagen (PV) im Umfang von rund 10 Gigawatt (GW) am Netz – das übersteigt die Leistung der österreichischen Laufwasserkraftwerke (rund 6 GW) deutlich. Auch wenn dieser Boom grundsätzlich positiv ist – er schlägt sich auch in deutlich steigenden Netztarifen nieder. Um diese Kosten zu dämpfen, sollte PV künftig geordneter ausgebaut und besser ins System integriert werden. Die Zeit dafür gäbe es – insgesamt liegt der Zubau bei dieser Technologie derzeit deutlich über dem Zielpfad.

Wasserkraft: Auf Kurs, aber zu langsam

Betrachtet man die Entwicklung im Bereich der Wasserkraft, ist Österreich grundsätzlich auf einem guten Weg. Eine Erreichung der Ausbauziele in diesem Bereich ist möglich, vorausgesetzt alle Projekte können erfolgreich realisiert werden. Probleme bereitet aber der Zeithorizont: Aufgrund langer Projektlaufzeiten wird ein Teil dieser Kraftwerke erst nach 2030 ans Netz gehen. Vor allem zügigere Genehmigungen wären ein zentraler Hebel für einen rascheren Ausbau der Wasserkraft, die aufgrund ihrer stabilisierenden Charakteristik besondere Bedeutung für das Stromsystem hat.

Windkraft: Deutlich mehr Tempo erforderlich

Bei der Windkraft besteht derzeit nach Einschätzung der E-Wirtschaft der größte Handlungsbedarf. Aktuell liegt der Zubau deutlich unter dem Niveau, das es für eine Erreichung der Ziele bräuchte. Setzt sich der aktuelle Trend auch in den kommenden Jahren fort, könnte bis 2030 nur etwas mehr als die Hälfte des erforderlichen Zubaus erreicht werden. Deutliche Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und höhere Strompreise als nötig wären die Folge. Als einzige Technologie, die den Höhepunkt ihrer Erzeugung in der kalten Jahreshälfte hat, könnte die Windkraft künftig eine wichtigere Rolle bei der Sicherung der Stromversorgung im Winter spielen.

2040: Das Zielbild der E-Wirtschaft

Basierend auf diesen Entwicklungen und den Erfahrungen der vergangenen Jahre hat Oesterreichs Energie in Zusammenarbeit mit Compass Lexecon ein Zielbild für eine möglichst effiziente Erreichung der Energie- und Klimaziele 2040 entwickelt. Gegenüber bestehenden Plänen legt dieses Zielbild einen klaren Fokus auf den Ausbau der Wind- und Wasserkraft und stärkere Anreize für systemdienliches Verhalten. Insgesamt geht die Branche davon aus, dass der Strombedarf bis 2040 von aktuell rund 80 Terawattstunden (TWh) auf insgesamt 120 TWh steigen wird.

„Es gibt keine guten und schlechten Erzeugungstechnologien – die Profile der unterschiedlichen Kraftwerke ergänzen einander. Entscheidend ist ein effizienter und robuster Mix“, so Anton Burger, Vice President Compass Lexecon.

Auf Basis der durchgeführten Analyse hat Oesterreichs Energie sechs konkrete Maßnahmen identifiziert, mit denen die Transformation kosteneffizienter gestaltet werden kann:

  • Spitzenkappung konsequent umsetzen
    Einspeisespitzen reduzieren, Netzausbau dämpfen und Infrastruktur besser auslasten.
  • Leistungsorientierte Netztarife weiterentwickeln
    Netzkosten stärker nach beanspruchter Kapazität statt nur nach Arbeitspreis berechnen, Anreize für netzdienliches Verhalten schaffen und für eine stabilere Netzfinanzierung sorgen.
  • Marktpreise für Einspeiser stärken
    Vergütung stärker am tatsächlichen Vermarktungserfolg der Anlage ausrichten und somit die Marktintegration zu erhöhen.
  • Ausbaupfade optimieren
    Investitionen in Erneuerbare unter Beibehaltung der Energie- und Klimaziele zeitlich besser verteilen und bedarfsgerechter planen.
  • Realitäts-Check Grüner Wasserstoff
    Ausbau von Elektrolysekapazitäten an realistische Nachfrageentwicklung koppeln sowie Angebot und Nachfrage strategisch gemeinsam planen.
  • Elektrifizierung des Energiesystems
    Strombasierte Anwendungen in Industrie, Wärme und Mobilität gezielt ausbauen, um fossile Energieträger zu ersetzen, Nachfragepotenziale für erneuerbaren Strom zu erschließen und die Systemeffizienz zu erhöhen.

Für die Transformation des Energiesystems brauchen wir einen pragmatischen Ansatz und eine integrierte Planung. Es geht nicht um Ideologie, sondern um Planbarkeit, Sicherheit und Bezahlbarkeit. Die Ausgewogenheit der Ziel-Dimensionen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit bzw. Leistbarkeit ist entscheidend.

Michael Strugl

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Tags: Oesterreichs EnergiePhotovoltaikWasserkraftWindkraft
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