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93 % des europäischen Internetverkehrs läuft über Router – und niemand schaut hin

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93 % des europäischen Internetverkehrs läuft über Router – und niemand schaut hin

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
30. Juni 2026
in Multimedia
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Die erst kürzlich gegründete Sovereignty Alliance for European Network Technology (SAFENet) fordert auch im Internet ein rasches Umdenken bei europäischer Souveränität

© SAFENet

Die erst kürzlich gegründete Sovereignty Alliance for European Network Technology (SAFENet) fordert auch im Internet ein rasches Umdenken bei europäischer Souveränität. Gemeinsam mit der Forschungsinitiative Innovate Europe Foundation (IE.F) und der Berliner Beratung iconomy hat man nun eine neue Grundlagenstudie zum europäischen Internetverkehr veröffentlicht.

Ein Ergebnis der Untersuchung zeigt: 93 % dieses europäischen Internetverkehrs fließen über Router. Und: Die EU hat für diese Schlüsselkomponente des digitalen Ökosystems kein Souveränitätskonzept. Dabei kontrollieren chinesische Hersteller bereits 37 % des Marktes.

Während also Europa über Souveränität im Bereich von KI, Cloud oder Chips debattiert, bleibt ein zentrales Element der digitalen Infrastruktur weitgehend unbeachtet: der Router, ob im heimischen Wohnzimmer oder im Netzwerk kleiner und mittlerer Unternehmen, über ihn fließen in Europa 93 % des Internetverkehrs. Zum Vergleich: Auf den Mobilfunk entfallen nur rund 7 %. Dennoch genießen Router keine vergleichbare politische Aufmerksamkeit.

Die Studie zeigt: Bei Routern liegt einer der größten ungenutzten Hebel für Europas digitale Souveränität und seine Aktivierung gehört zu den wirkungsvollsten und am einfachsten umzusetzenden Maßnahmen der laufenden Legislaturperiode.

Internetverkehr mit Sicherheitsrisiken

Laut der Studie der Denkfabrik IE.F. (hier zum Download) kontrollieren chinesische Hersteller wie ZTE, Huawei, TP-Link, Xiaomi und Tenda bereits rund 37 % der Heimnetzwerk-Geräte in der EU und haben damit theoretisch Zugang zu geschätzt 95 Millionen europäischen Haushalten. Insgesamt entfällt mehr als die Hälfte aller Router- und Repeater-Installationen in Europa auf Anbieter von außerhalb der EU.

Diese Abhängigkeit ist nicht nur eine Frage der Marktstruktur, sondern der Sicherheit. Da der Router jedem Gerät im Netzwerk vorgeschaltet ist, eröffnet ein einziger kompromittierter Router Einblick in die gesamte digitale Aktivität eines Haushalts oder Unternehmens. Die Studie identifiziert drei zentrale Risiken:

  • Datenabgriff über die Firmware-Ebene – betrifft auch verschlüsselte Kommunikation,
  • Instrumentalisierung für Cyberangriffe – kompromittierte Router sind die Grundbausteine von Botnetzen, wobei Marktkonzentration die Verwundbarkeit verschärft,
  • Rechtliche Exponiertheit – insbesondere durch die Verpflichtungen, die Chinas Nationales Geheimdienstgesetz Herstellern auferlegt.

„Europa hat die Instrumente, den Präzedenzfall und den politischen Moment. Die Frage ist, ob es handelt, bevor die Abhängigkeit unumkehrbar wird.“

Clark Parsons, Geschäftsführer IE.F

Inkonsequenz in der Souveränitätsdebatte

Besonders auffällig: Europa handelt in anderen kritischen Hardware-Sektoren längst gegen Hochrisiko-Lieferanten, beim Router jedoch bleibt es untätig. „Mit der 5G-Toolbox existiert ein erprobtes operatives Drehbuch. Die institutionellen Rahmen, die Gesetzgebungsinstrumente und die Koordinierungsmechanismen sind vorhanden“, schreiben die Autoren der Studie. „Was fehlt, ist der politische Wille, der sich auf die konkrete Frage der Router-Sicherheit richtet“, heißt es weiter.

Jan Oetjen, SAFENet-Vorsitzender & CEO von FRITZ!: „Unabhängige und sichere Netzwerktechnologie ist die Basis für eine digitale Souveränität Europas. Nur gemeinsam können wir sicherstellen, dass Europa die Kontrolle über die europäischen Netze behält und seine digitale Zukunft selbst gestaltet.“

Verbraucher vertrauen Europa – ohne es zu wissen

Dieser politische Wille hätte Rückhalt in der Bevölkerung. Eine YouGov-Befragung unter mehr als 16.000 Menschen in der EU zeigt: 58 % der Europäer vertrauen europäischen Routern, während 51 % der Befragten Routern von chinesischen und 63 % Routern von russischen Herstellern misstrauen. Das Problem: Die meisten Europäer wissen gar nicht, woher ihr Router stammt. Wer ein Gerät vom Provider erhält, hält es überwiegend für europäisch, sehr häufig zu Unrecht, denn viele Provider-Router stammen nach wie vor von nicht-europäischen Herstellern.

Die Studie folgert: Transparenz allein würde die politische Dynamik für weitergehende Maßnahmen entfachen.

SAFENet-Allianz fordert: Europa muss jetzt handeln

„Die analytische Beweislage wird von niemandem bestritten, der die Marktdaten, die Bedrohungslage und die rechtliche Exponiertheit ernsthaft prüft“, teilt die SAFENet-Allianz mit, die ein Zusammenschluss führender europäischer Netzwerktechnologie-Unternehmen ist. „Die Router-Sicherheit und -Souveränität wurde und wird in der europäischen Debatte und Regulierung immer wieder verdrängt – von größeren, sichtbareren Herausforderungen. Es ist Zeit, diese Lücke zu schließen.“

Die gute Nachricht: Europa muss dafür weder neue Institutionen schaffen noch bei null beginnen. Die regulatorischen Werkzeuge sind vorhanden, es geht darum, sie gezielt einzusetzen. SAFENet bündelt sie in einem Vier-Säulen-Konzept:

  • Transparenz und Aufklärung, darunter eine verpflichtende, standardisierte Kennzeichnung von Herkunftsland und Rechtsraum für Netzwerkgeräte,
  • Reform der öffentlichen Beschaffung durch klare Sicherheitsanforderungen,
  • Klare Governance und Kontrolle der EU-Lieferketten,
  • Stärkung der europäischen Industriekapazität, damit vertrauenswürdige europäische und verbündete Hersteller in einem von asymmetrischer staatlicher Förderung geprägten Markt bestehen können.

Tags: ChinaEuropaSAFENet
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