Der außergewöhnlich heiße und trockene Juli zeigt die Bedeutung eines resilienten Energiesystems unter den Auswirkungen der beispiellosen Wetterlage.
Die heißen Julitage unterstrichen die Relevanz einer breit aufgestellten, resilienten und diversifizierten Energieversorgung. Mit Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik verfügt Österreich über starke heimische Energieressourcen. Diese erneuerbaren Quellen leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer unabhängigen, sicheren und nachhaltigen Energieversorgung. Gerade in Zeiten außergewöhnlicher Wetterereignisse zeigt sich jedoch, wie wichtig es ist, die gesamte Vielfalt der heimischen erneuerbaren Energien zu nutzen und das Stromsystem ganzheitlich weiterzuentwickeln.
Große Schwankungen bei erneuerbarer Energie
Österreich erlebte im Juli (KW 27 bis 31) einen heißen und trockenen Hochsommer. Das Wettergeschehen war von ausgesprochener Niederschlagsarmut geprägt. Dies spiegelte sich im Energiesystem durch eine um ein Viertel und somit massiv reduzierte erneuerbare Produktion wider. Konnte der Stromverbrauch im Vorjahres-Juli (5.024 GWh) zur Gänze aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden, so lag dieser Wert im heurigen Juli (5.078 GWh) nur bei rund 83 %.
Besonders stark betroffen war die Wasserkraft mit einem Rückgang von 46 %. Während Wasserkraft im Juli 2025 knapp 70 % der erneuerbaren Erzeugung ausmachte, lag ihr Anteil im Juli 2026 nur bei rund 50 %. Die Laufwasserkraft verzeichnete praktisch über den gesamten Monat Juli 2026 täglich saisonale Rekord-Minima. Gegenüber dem Vorjahres-Juli reduziert war auch die Einspeisung aus Windenergie, die aufgrund der windschwachen Wetterlagen 6,4 % niedriger lag. Aufgrund der höheren Anzahl an Sonnenstunden stieg die PV-Produktion hingegen im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 54 %. Ihr Anteil an der erneuerbaren Stromerzeugung erhöhte sich von rund 13 % im Juli 2025 auf knapp 28 % im Juli 2026.
Erneuerbare Energien sind das Fundament unseres künftigen Energiesystems. Der Juli hat allerdings aufgezeigt, wie volatil die dargebotsabhängige erneuerbare Erzeugung ist und welche Komplexität und welche Herausforderungen für das Energiesystem mit diesen Schwankungen in der Produktion einhergehen. Die Energiewende kann nur als Gesamtsystem gelingen: Neben dem weiteren Ausbau von Windkraft und Photovoltaik brauchen wir leistungsfähige Netze und ausreichende Speicherkapazitäten. Nur so können wir den Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energie schaffen und gleichzeitig Versorgungssicherheit, Leistbarkeit und Systemstabilität langfristig gewährleisten.
Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG)
Trockenheit treibt Stromimporte
Auch im grenzüberschreitenden Stromhandel spiegelte sich der Rückgang der erneuerbaren Erzeugung im Juli wider. Nachdem Österreich im Vormonat Juni 2026 erstmals nach neun Monaten wieder Export-Land war, wurde das Land im Juli erneut zum Importeur (751 GWh Import-Saldo im Juli 2026). Lediglich an vier Tagen konnte Strom bilanziell exportiert werden, während Österreich im Juli des Vorjahres 2025 an 22 Tagen bilanziell Strom ins Ausland exportiert hatte.
Die Möglichkeit, vor allem in den Abend- und Nachtstunden Strom aus dem europäischen Strommarkt zu importieren, leistet einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Systems – die enge Einbindung Österreichs in den europäischen Strommarkt spielt somit eine wichtige Rolle für die heimische Versorgungssicherheit.
Engpassmanagement für Netzstabilität
Um den volatilen, erneuerbaren Strom nutzbar zu machen, braucht es ein starkes Stromnetz, das den Strom dorthin transportiert, wo er gebraucht wird. Um Überlastungen im Stromnetz zu verhindern und die sichere Stromversorgung zu gewährleisten, werden Redispatch-Maßnahmen gesetzt und somit Kraftwerke gezielt und kontrolliert eingesetzt.
Der Umfang des erforderlichen Redispatchings bewegte sich etwa auf dem Vorjahresniveau: Im Zuge des Engpassmanagements fielen im Juli 2026 Kosten in der Höhe von 9,3 Millionen Euro an (Vergleich: 9,5 Mil. Euro im Juli 2025). Eingriffe waren im Juli 2026 an 19 Tagen notwendig (Vergleich: 16 Tage im Juli 2025).
Die Entwicklungen im Juli 2026 verdeutlichen, wie komplex das Zusammenspiel von Erzeugung, Verbrauch, Speichern, Netzen und grenzüberschreitendem Stromhandel geworden ist. Erneuerbare Energien, Netze, Speicher und europäische Marktintegration müssen gemeinsam weiterentwickelt und mit einem vorausschauenden Netzmanagement begleitet werden, um auch in Zukunft trotz immer stärker schwankender erneuerbarer Einspeisung und zunehmender Extremwetterereignisse die Netzstabilität sowie eine sichere, leistbare und nachhaltige Stromversorgung zu gewährleisten.
Gerhard Christiner
Mit dem APG Powermonitor ist es der österreichischen Bevölkerung möglich, die effektivsten Stromsparstunden zu sehen und somit einen aktiven Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Systemsicherheit zu leisten.
























