Auf den Elektrofachhandelstagen in Linz war man für den expert 2025 nominiert, daheim bastelt man derzeit am Generationswechsel. ELEKTRO|branche.at hat Stephan und Jakob Oberkofler in Schwaz besucht und über Übergabe, Herausforderungen und neue Chancen gesprochen.
Ein bisserl Routine hat er ja, aber bald ist wirklich Schluss: Spätestens im Mai verabschiedet sich Stephan Oberkofler offiziell in die Pension – nach 50 Jahren im Elektrobereich, 30 davon als Selbständiger. „Dass ich mich danach Senior-Chef nennen darf, daran könnt ich mich gewöhnen“, sagt er mit einem Lachen. Ganz verschwinden werde er freilich nicht. „Dafür habe ich in dieser Branche zu viel erlebt, zu viele Höhen und Tiefen gesehen. Da hängt man nicht einfach den Hut an den Nagel und sperrt die Tür zu.“
Zumindest der „Junior-Chef“ steht längst bereit: Sohn Jakob übernimmt. Seit Juni feilen die beiden an der Übergabe, denn wenn Notare und Anwälte im Spiel sind, ist’s naturgemäß selten unkompliziert. „Aber wir haben jetzt einen Weg gefunden, der passt“, erzählt Stephan. Und bis der Wechsel vollständig vollzogen ist (und freilich auch danach), bleibt er im Hintergrund – „nur halt nicht mehr als Chef“.
Vom Lehrling zum Chef
1976 startete Stephan Oberkofler mit einer Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker bei Elektro Vonbank in die Branche. Nachdem sein damaliger Chef keinen Nachfolger hatte, kaufte er ihm 1996 das Unternehmen kurzerhand ab und wechselte in die Selbständigkeit. 2003 trat man Expert bei, 2008 übersiedelte das Unternehmen an den heutigen Standort in die Dr.-Karl-Psenner-Straße. Ein Standort, der für Frequenz sorgt: Man hat eigene Parkplätze und Shops wie Hofer, Interspar und MPreis sorgen für Laufkundschaft. Außerdem liegt man günstig in einem Wohngebiet: „Unser Einzugsgebiet beträgt rund 20.000 Haushalte. In den vergangenen Jahren konnten wir uns einen großen Kundenstamm aufbauen, der uns als Nahversorger sieht“, erzählt Oberkofler.
Der geschäftliche Schwerpunkt von Expert Oberkofler mit seinen sechs Mitarbeitern liegt klar auf dem Elektrohandel und einer gut ausgelasteten Reparaturwerkstatt – klassische Elektrotechnik bietet man nicht an. Die Aufteilung zwischen Hausgeräten zu UE ist etwa 70:30, wobei man vor allem auf Marken wie etwa Miele, Liebherr, AEG und Siemens setzt. „Man muss hier aber auch preisgünstige Geräte anbieten, da es Kunden gibt, die das brauchen bzw. wollen. So haben wir bei Miele ein extremes Plus, während die Mitte am Markt nachlässt. Wir beobachten generell, dass sich Kunden entweder für höherwertige Geräte oder für sehr preisgünstige Modelle entscheiden. Dazwischen gibt’s immer weniger“, erzählt Stephan. Überhaupt zeigt man sich bei Expert Oberkofler mit dem diesjährigen Geschäftsverlauf sehr zufrieden.
Kleingeräte seien wegen der Lage neben Interspar und Hofer schwieriger: „Für einen Haarföhn um 19,90 Euro gehen viele heute nicht mehr in den Fachhandel. Der wird ganz einfach beim Wochenendeinkauf im Interspar mitgenommen. Damit muss man klarkommen“, weiß der künftige Senior-Chef. „Unsere Stärken liegen jedoch in persönlicher Beratung und umfassenden Dienstleistungen – Aspekte, die gerade bei Weißer Ware besonders wichtig sind. Auch deswegen, und weil es insgesamt ein stabilerer Markt ist, liegt hier seit geraumer Zeit unser Fokus.“
Die junge Generation im Visier
Persönliche Beratung, Dienstleistung und Service sollen das Bild bei Expert Oberkofler auch nach dem Generationswechsel bestimmen. Dafür wird ab Mai Neo-Chef Jakob sorgen, der sich seine ersten Sporen im Außendienst und in der hauseigenen Serviceabteilung verdiente. Dass er aber auch einmal in die Chef-Fußstapfen seines Vaters treten würde, stand dabei nicht von Beginn an fest. Der 22-jährige besuchte zuerst nämlich die HTL für Grafik und Design und absolviert derzeit ein Fernstudium im Bachelor Onlinemarketing.
Sicher habe ich immer nebenbei mitgeholfen, der Wunsch, das Unternehmen auch zu übernehmen ist in mir erst in den vergangenen Monaten gereift. Ich habe gemerkt, dass das eine Chance ist, die zu mir passt – und die ich aktiv nutzen und mit eigenen Ideen gestalten will.
Jakob Oberkofler
Den Vater freuts, zumal mit Jakob jetzt eine Person ans Ruder kommt, der auch die jüngeren Generationen bestens versteht und damit für frischen (Fachhandels-)Wind sorgt. „So sind wir inzwischen mit einem deutlich stärkeren digitalen Auftritt präsent – allen voran auf Social Media – und merken bereits, dass wir seitdem immer öfters auch junge Kunden bei uns begrüßen dürfen. Und das ist ja nicht unbedingt eine Kundengruppe, die wir zuvor besonders angesprochen haben“, freut sich Stephan.

Langweilig wird es dem designierten Junior-Chef aber auch nach dem Studium nicht werden. Im Herbst kommenden Jahres steht für ihn beispielsweise ein Mechatronik-Meisterkurs am Programm – immerhin gilt es, sich auch noch eine Gewerbeberechtigung für die hauseigene Reparaturwerkstätte zu verdienen. „Das ist übrigens ein weiterer Grund, wieso ich nach meiner Pension nicht gleich den ganzen Hut an den Nagel hänge“, ergänzt Stephan Oberkofler.
Fachhandel wird es immer brauchen
Die Zukunft des Elektrofachhandels sehen Vater und Sohn jedenfalls optimistisch. „Harte Zeiten gibt es immer wieder, aber auch da sollte man nicht alles nur negativ sehen und schlecht reden. Händler die gute Dienst- und Serviceleistungen anbieten wird es auch in Zukunft brauchen und mit Veränderungen muss man sowieso leben – ob man jetzt will oder nicht“, so Stephan Oberkofler. „Und wir werden uns auch weiterhin auf unsere Kunden und unsere Stärken bei Beratung und Dienstleistung fokussieren. Denn genau da kann auch der Onlinehandel nicht mithalten“, ergänzt Jakob.






















