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Rumänischer Wirtschaftskrimi: Grazer PV-Firma ist pleite

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
19. Juni 2026
in Elektrotechnik
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Die AL Corporate GmbH ist insolvent

© AdobeStock

Warenlieferungen für über 22 Millionen Euro, dubiose Kanäle und – anscheinend – auch politische Verstrickungen: Die Grazer AL Corporate GmbH schlittert nach einem mutmaßlichen Fördermissbrauch beim EU-Großprojekt „Casa Verde“ in den Konkurs. Während die Behörden wegen Betrugs ermitteln, bleiben 26 Gläubiger auf sieben Millionen Euro Schulden sitzen.

Es klang eigentlich nach der perfekten Wachstumsstory. Die im Jahr 2021 gegründete „AL Corporate GmbH“ mit Sitz in Graz bzw. vormals in Wien hatte sich auf die Entwicklung und Umsetzung von Photovoltaikprojekten im In- und Ausland spezialisiert. Nach einigen erfolgreich abgewickelten Großprojekten auf dem heimischen Markt (etwa eine 5.000 kWp-Anlage bei Magna Heavy Stamping in Albersdorf) folgte der Schritt auf die große internationale Bühne: Die Beteiligung am prestigeträchtigen, EU-geförderten Großprojekt „Casa Verde – RePower EU“ in Rumänien.

Das vertragsgegenständliche Volumen war jedenfalls gigantisch. Lieferungen von Solarzubehör und Dienstleistungen im Gesamtwert von rund 22,4 Millionen Euro wurden vereinbart. Da die Europäische Union derartige Nachhaltigkeitsprojekte mit Förderquoten von bis zu 90 Prozent stützt, schien das finanzielle Fundament auch unerschütterlich gebaut. Doch die Realität holte das steirische Unternehmen auf dramatische Weise ein. Gleichzeitig ist es der Beginn eines handfesten, internationalen Wirtschaftskrimis.

Geldfluss gestoppt – Spur führt in die Politik

Nach einer zunächst vertragsgemäßen Abwicklung und ordnungsgemäßen Zahlungen des ausländischen Projektpartners traten massive Probleme auf. Die vertraglich vereinbarten Zahlungsraten wurden im Projektverlauf schrittweise reduziert und schließlich vollständig eingestellt. Das Ergebnis: Waren im Wert von mehr als 22 Millionen Euro verließen Österreich in Richtung Rumänien, doch nur ein Bruchteil des Geldes – dem Vernehmen nach waren es eher magere 800.000 Euro – kam jemals in der Steiermark an. Der Rest von über 21 Millionen Euro versickerte.

Im Frühling 2025 stellte das Unternehmen die Lieferungen endgültig ein und brachte bei den Behörden – so schreibt jedenfalls der AKV – mehrere Sachverhaltsdarstellungen ein. Seither laufen die Ermittlungen im In- und Ausland auf Hochtouren. Die Europäische Staatsanwaltschaft interessiert sich für den Fall ebenso wie die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Es steht immerhin der schwerwiegende Verdacht des Betrugs und des Fördermissbrauchs im Raum.

Nicht nur schwerwiegend sondern ausgesprochen brisant sind zudem die mutmaßlichen Hintergründe des Liquiditätsabflusses. Ermittler vermuten nämlich, dass die Millionen über verschlungene Pfade und Zwischenhändler direkt in den rumänischen Wahlkampf umgeleitet wurden. Sogar hochrangige Politiker des osteuropäischen Landes könnten tief in den Fall verstrickt sein. Noch vor einem halben Jahr gab sich das Unternehmen optimistisch, dass die Außenstände wieder auftauchen würden. Eine Hoffnung, die sich nun endgültig zerschlagen hat.

Gang zum Insolvenzgericht

Aufgrund der mangelnden Liquidität war eine Stabilisierung oder Fortführung der Gesellschaft nicht mehr darstellbar, weswegen nun am Landesgericht für Zivilrecht in Graz ein Eigenantrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens eingebracht, wie der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) und die Creditreform bekannt gaben. Mit einer zeitnahen Eröffnung des Verfahrens ist zu rechnen. Ein Antrag auf Schließung des Unternehmens wurde vom Geschäftsführer bereits gestellt.

Das finanzielle Desaster lässt sich jetzt an den Zahlen ablesen, die die Gläubigerschutzverbände veröffentlichten. Den massiven Verbindlichkeiten stehen so gut wie keine Werte mehr gegenüber. Das Unternehmen rechnet laut aktuellem Stand auch nicht mehr damit, die offenen Forderungen aus dem EU-Projekt jemals erfolgreich eintreiben zu können. Ebenso wird das Unternehmen zu liquidieren sein.

Daten zur AL Corporate GmbH-Pleite

  • Gesamtverbindlichkeiten (Passiva): 7.224.825,00 Euro
    • davon Bankverbindlichkeiten: ca. 3,9 Millionen Euro
    • davon Lieferantenverbindlichkeiten: ca. 3,3 Millionen Euro
  • Vermögenswerte (Aktiva): ca. 53.000,00 Euro
  • Betroffene Gläubiger: dzt. 26

Die Insolvenz der operativen GmbH zieht nun weite Kreise und wirft Fragen auf. Bereits im Sommer 2025 wurden – wie bereits zuvor erwähnt – von der Geschäftsführung mehrere Sachverhaltsdarstellungen bei den Behörden eingebracht. Details zu den Ermittlungen sickern bisher jedoch kaum an die Öffentlichkeit. Ungewiss bleibt vorerst auch, welche Auswirkungen die Pleite auf das restliche Firmennetzwerk des Jungunternehmers hat, der bereits im Alter von 21 Jahren die „Apfelland Energie“ in seiner Heimatgemeinde gründete. Er betreibt zudem nämlich auch die Dachgesellschaft „Navitas Holding“.

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Tags: InsolvenzPhotovoltaik
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