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EuroSkills 2025: „Machen wir‘s halt!“

Wolfgang Sedlak von Wolfgang Sedlak
28. Oktober 2025
in Panorama
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Florian Steffek (links) und Florian Demelbauer in der offiziellen Bekleidung von Skills Austria

© Sedlak, SkillsAustria

Schon bei den Austrian Skills 2023 war Sieger Florian Demelbauer durch seine Lockerheit aufgefallen. Dahinter verbirgt sich aber starker Wille und Freude an der Elektrotechnik.

Einfach war das vergangene Frühjahr für den Teilnehmer der EuroSkills 2025 vom 9.–13.September in Herning (Dänemark) sicher nicht. Der 22-jährige Mitarbeiter von Tauschek Elektro im oberösterreichischen Peuerbach kannte schon alle Kurs-Termine für die Befähigungsprüfung als er die Einladung erhielt, Österreichs Vertreter bei der Berufs-EM 2025 zu sein. Das notwendige intensive Training für den Wettbewerb musste daraufhin abgestimmt und etwas eingeschränkt werden. Das hat sich aber ausgezahlt. Im Juli bestand er den elektrischen Teil der Befähigungsprüfung. Florian Demelbauer: „Alles auf einmal ging nicht. Aber danach wurde das Training intensiviert.“  

Trainingsplan mit neuem Skills-Experten 

Mit Florian Steffek (Elektro Gottwald) als neuem Experten wurde ein individueller Trainingsplan ausgearbeitet. Steffek: „Da wir uns in der Zeitfindung nach der Meisterprüfung halten mussten, war das Training ursprünglich eher allgemein gehalten.“ So wurde das Hauptaugenmerk auf den Aufbau und diverse Details gelegt. Experte Steffek: „Ich konnte da meine Erfahrungen als Zweiter bei den EuroSkills 2023 weitergeben. Allerdings – umsetzen musste Florian das natürlich selbst.“ 

Florian & Florian – die gemeinsame Analyse der Arbeit beim Training für die EuroSkills ist Grundlage für ein gutes Ergebnis
Florian & Florian – die gemeinsame Analyse der Arbeit beim Training für die EuroSkills ist Grundlage für ein gutes Ergebnis. © Sedlak, SkillsAustria

Einfach war es für Demelbauer sicher nicht, aber als impulsiver und spontaner Typ ging er mit Feuereifer zur Sache: Ich gehe da nach dem Motto vor ‚fangen wir an und tun dann weiter‘. Man muss den Willen dazu haben.“ Und er sieht das ähnlich wie bei der Meisterprüfung: „Ich gebe mein Bestes und am Schluss sieht man, wozu es gereicht hat. Es hilft ja nichts, sich in etwas hinein zu steigern. Mit Krampf auf Biegen und Brechen hat keinen Sinn.“

Wie er mit Problemen umgehen kann, hat er schon bei den Austrian Skills gezeigt, als es bei KNX Probleme mit dem PC gab. „Es gibt Sachen, da feigelts – und es gibt Sachen, die gehen flott“, lacht er in typisch oberösterreichischer Mundart (feigeln = es ärgert, bringt aus der Fassung, Anm.). Aufpassen und sich nicht aus der Fassung bringen lassen, sei auch in der täglichen Arbeit als Elektriker wichtig.  

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Demelbauer1
Zeitgleich mit dem EuroSkills-Training hat Florian Demelbauer auch den ersten Teil seiner Befähigungsprüfung bestanden. © Sedlak, SkillsAustria

Für ein gezieltes Training wird den Teilnehmern von EuroSkills ein spezielles Trainingsprojekt – in der Wettbewerbssprache Englisch – bekanntgegeben. Experte Steffek: „Die Aufgaben sind dem Projekt von 2023 ähnlich. Die Feinheiten sind jedoch unterschiedlich. Vor allem die KNX-Programmierung wird erst vor Ort bekannt gegeben. Und die macht doch 30 Prozent der Gesamtpunkte aus.“

Dank gilt an dieser Stelle auch Signify-Austria-Chef Helmut Maier, der (nach Vermittlung durch Elektrobranche.at) spezielle DALI-Leuchten für dieses Trainings-Projekt organisierte. In diesem Zusammenhang lobte Experte Steffek auch Großhändler Rexel, der als Sponsor die Skills-Aktivitäten in Österreich im Bereich Elektrotechnik unterstützt.  Um dieses Wissen zu intensivieren – vor allem die Schnittstellen von KNX mit einer Siemens Logo! kann sehr spannend sein (O-Ton Steffek) – wurde auch mit dem KNX-Spezialisten Martin Nebenführ trainiert. 

Balance zwischen Technik & Aufbau 

Da aber der Aufbau die restlichen 70 Prozent der Punkte ausmacht, wurde bis Anfang August großes Augenmerk auf die Balance zwischen maßgenauer Installation und Funktionalität sowie dem Zeitbedarf gelegt. Steffek: „Ist man beim Aufbau zu langsam, fehlt die Zeit zum Programmieren. Lieber lass ich bei einer Gehrung zwei Punkte liegen, komm aber dafür zu KNX. Wobei ja auch nicht jede Gehrung bewertet wird – man kann da auch viel Glück haben.“ Zeitgefühl hat sich Demelbauer schon geholt: „Ich bin jetzt bei etwa 15-16 Stunden.“ Eine Zeit, die für den EuroSkills-Experten vernünftig klingt: „Wir sollten bei rund 18 Stunden Wettbewerbszeit auf ca. 15,5 Stunden Arbeitszeit hinkommen.“

Intensives Training im Schweizer Trainingszentrum und Vergleich mit den Nachbarstaaten (von links: Steffek, Demelbauer, die Schweizerin Jana Gander mit ihrem Experten Adrian Sommer, der gleichzeitig EuroSkills-Chefexperte ist und Pascal Büschel aus Deutschland mit seinem Experten Ralf Saßmannshausen)
Intensives Training im Schweizer Trainingszentrum und Vergleich mit den Nachbarstaaten (von links: Steffek, Demelbauer, die Schweizerin Jana Gander mit ihrem Experten Adrian Sommer, der gleichzeitig EuroSkills-Chefexperte ist und Pascal Büschel aus Deutschland mit seinem Experten Ralf Saßmannshausen) © Sedlak, SkillsAustria

Wie schon 2023 wurde auch heuer eine Übungswoche im Schweizer Ausbildungszentrum in Horgen am Zürichsee gemeinsam mit der Schweizer Teilnehmerin und dem deutschen Teilnehmer organisiert. Die beiden Florians waren von diesen Trainingstagen gleichermaßen begeistert: „Es war ein intensives Training das einen guten Vergleich bringt und gleichermaßen Ansporn wie Unterstützung ist.“  

Gute Leistungen besser vermarkten 

In österreichischen Medien bekommen die Berufs-Meisterschaften der Handwerke leider viel zu wenig Aufmerksamkeit. Das gilt auch für den Bereich Elektrotechnik, ohne den heutzutage kaum mehr etwas funktioniert. Skills-Experte Steffek: „Bei den Schweizern haben diese Wettbewerbe noch mehr Wertigkeit – auch wenn es in Österreich immer besser wird und die Unterstützung von Skills Austria, der Innung und von Sponsoren im Lauf der letzten Jahre schon viel besser geworden ist.“

Hier könnte man z.B. die Vorzüge des dualen Systems aufzeigen und Jugendlichen das Handwerk schmackhafter machen: „Wenn junge Menschen zeigen, was sie draufhaben, animieren sie weitere Jugendliche. Nicht nur unsere Branche hat Schwierigkeiten neues, fähiges Personal zu bekommen.“ 

Florian Demelbauers Vater war übrigens auch Elektriker, weswegen er ihn schon in jungen Jahren in den Ferien zur Arbeit begleitete – mit ein Grund, warum er jetzt diesen Beruf mit Begeisterung ausübt: „Ich war der erste in meiner Klasse, der mit 15 Jahren eine Lehre angefangen hat.“ Und die Liebe zu seinem Beruf ist heute noch stärker geworden: „Es ist ein sicherer Beruf. Die KI wird kaum einen guten Handwerker ersetzen können. Da ist man als Fachmann noch mehr gefragt.“

Auszeichnung für das Unternehmen 

Expert Tauschek Elektro in Peuerbach (Oberösterreich) beschäftigt 27 Mitarbeiter, davon vier Lehrlinge, und ist hauptsächlich regional tätig. Inhaber Christian Tauschek war schon nach dem Gewinn der Austrian Skills stolz auf seinen Mitarbeiter: „Florian macht bei uns selbständig tagtäglich Arbeiten, die auch dem Projekt beim Wettbewerb ähneln, etwa Inbetriebnahme von PV-Anlagen, Verteilerbau, teilweise auch Planungen, aber auch Steuerungstechnik. Der bekommt einen Auftrag und wickelt alles selber ab.“

Große Unterstützung des Firmenchefs für den EuroSkills-Teilnehmer (v.l. Skills-Experte Steffek, Teilnehmer Florian Demelbauer, Inhaber Christian Tauschek)
Große Unterstützung des Firmenchefs für den EuroSkills-Teilnehmer (v.l. Skills-Experte Steffek, Teilnehmer Florian Demelbauer, Inhaber Christian Tauschek) © Sedlak, SkillsAustria

Und lobt noch zusätzlich: „Er ist nicht nur in der Elektrotechnik Top sondern auch allgemein handwerklich sehr kreativ mit breit gefächertem Wissen auch in Bereichen die mit Elektrotechnik nichts zu tun haben.“ Vertrauen sei für ein Unternehmen wichtig: „Je mehr Verantwortung ich übergebe, desto mehr versucht ein Mitarbeiter dieser Verantwortung zu entsprechen. Natürlich kann etwas passieren, aber nur dadurch lernen sie dazu.“ Wobei natürlich Erfolgserlebnisse zusätzlich motivieren. 

Natürlich sei die Berufung ins Team Austria eine Auszeichnung für das Unternehmen, aber „durch das Training fehlt er uns schon im Tagesgeschäft“. So hat man einige Arbeiten verschoben, und stellt ihm neben den Räumlichkeiten auch die notwendige Zeit zum Training zur Verfügung. Der Firmenchef ist nicht nur stolz auf seinen Mitarbeiter, er sieht das auch als zusätzliche Motivation für jene, mit denen Florian zusammenarbeitet. Und zusätzlich nutzt man das auch als Möglichkeit, weitere Jugendliche für den Beruf des Elektrotechnikers zu begeistern.

Tags: EuroSkillsFlorian SteffekNachwuchsinitiativeWettbewerb
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