Eine aktuelle Studie im Auftrag von Wertgarantie zeigt, dass für zwei Drittel der Verbraucher:innen Reparaturen im Vergleich zum Neukauf zu teuer sind.
Die neue EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur soll Reparaturen leichter machen und Elektroschrott reduzieren. Sie tritt am 31. Juli in Österreich in Kraft. Doch eine aktuelle Studie im Auftrag von Wertgarantie zeigt: Hohe Kosten bleiben aus Verbrauchersicht die größte Barriere auf dem Weg zu mehr Reparaturen. Rund zwei Drittel der Konsumenten stimmen der Aussage zu, dass Reparaturen im Vergleich zum Neukauf grundsätzlich zu teuer sind. Damit ist der Preis bei Reparaturen das Hauptargument gegen ressourcenschonenden Konsum – noch vor dem Gerätealter.
Teure Reparaturen und günstige Neugeräte
In Österreich wird aktuell rund jedes zweite defekte Elektrogerät, das unter das Recht auf Reparatur fällt, repariert. Die vom IFH Köln im Auftrag von Wertgarantie durchgeführte Studie zu den Auswirkungen des Rechts auf Reparatur zeigt, dass vor allem hohe Kosten bei Reparaturen ausschlaggebend für die Entscheidung gegen eine Instandsetzung sind . So wird befürchtet, dass die Kosten im Zuge der neuen Richtlinie etwa durch erwartete höhere Ersatzteilpreise oder größeren Personalaufwand weiter steigen könnten.
Unsere Untersuchung zeigt klar: Hohe Kosten – besonders im Vergleich zu neuen Geräten – und das Alter des Produkts sind für viele österreichische Konsumenten ausschlaggebend gegen eine Reparatur. Wenn Verbraucher das Gefühl haben, dass sich Reparieren finanziell nicht lohnt, dann verliert das Recht auf Reparatur in der Praxis an Wirkung. Wir müssen den Blick darauf richten, Reparaturen wirtschaftlich attraktiver zu machen – für Konsumenten ebenso wie für den Handel.
Thilo Dröge, Geschäftsführer Vertrieb bei Wertgarantie
Ein großer Teil der Befragten (67 %) gibt an, dass Reparaturen als zu teuer empfunden werden im Vergleich zum Preis eines neuen Geräts. Das Gerätealter ist ein weiterer entscheidender Faktor bei einem Defekt: Ist das Gerät bereits älter, erscheint vielen (32 %) hier eine Reparatur nicht mehr sinnvoll – selbst, wenn sie technisch möglich wäre. Günstige Einstiegspreise bei Elektrogeräten verschärfen das Problem: Wenn ein günstiges Neugerät nur unwesentlich mehr kostet als eine Reparatur des defekten Gerätes, entscheiden sich 17 % der Haushalte gegen die Instandsetzung des Altgeräts.
Die Ergebnisse der Studie belegen, dass es auf Verbraucherseite weiterhin an Informationen über die konkreten Inhalte des Rechts auf Reparatur fehlt. Der Fachhandel ist zwar besser informiert, steht jedoch angesichts der neuen gesetzlichen Regelungen vor der Herausforderung einer praxistauglichen Umsetzung.
Thilo Dröge
Hinzu kommt, dass das kommende Recht auf Reparatur bislang bei weniger als der Hälfte der Bevölkerung bekannt ist: Nur 40 % der Verbraucher haben bislang davon gehört. Dagegen sind bereits rund 60 % der Fachhandelsunternehmen mit den Richtliniendetails vertraut. Falsche Annahmen werden zudem auf Verbraucherseite deutlich: Rund 17 % der Verbraucher, die sich mit dem Gesetz vertraut glauben, gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie Anspruch auf eine kostenlose Reparatur haben. Dennoch überwiegt für Thilo Dröge insgesamt die positive Perspektive.
Das Recht auf Reparatur ist eine große Chance für Österreich, um Ressourcen zu schonen und Elektroschrott zu reduzieren. Entscheidend wird sein, dass Handel, Industrie und Dienstleister eng zusammenarbeiten und tragfähige Strategien entwickeln, um das Ziel ‚Reparieren statt Wegwerfen‘ erfolgreich und nachhaltig umzusetzen.
Thilo Dröge
Über die Studie
Für die Untersuchung wurden in Österreich im März 2026 insgesamt 2.400 Verbraucherinnen und Verbraucher über ein Online-Panel sowie 42 Fachhandelsunternehmen befragt. Die Verbraucherbefragung erfolgte bevölkerungsrepräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland. Die befragten Unternehmen bilden einen Querschnitt der unter Anhang II der EU-Richtlinie fallenden und damit unmittelbar vom Recht auf Reparatur betroffenen Branchen. Die Studie wurde im Auftrag von Wertgarantie vom IFH Köln (Institut für Handelsforschung) durchgeführt.




















