Ziemlich politisch geht’s derzeit im europäischen Elektrohandel zu. Dabei zeigen sich zwei grundlegend unterschiedliche Haltungen: Während Frankreich den Einstieg chinesischer Konzerne bei strategisch relevanten Handelsketten aktiv begrenzt, bleibt Deutschland bei der Übernahme von MediaMarktSaturn durch JD.com bemerkenswert passiv. Der Fall Fnac Darty macht diesen Unterschied jetzt besonders deutlich.
Eines ist jedenfalls klar: Der chinesische Onlinehandelskonzern JD.com verfolgt in Europa kein simples Finanzinvestment, sondern eine klar operative Strategie. Und wie diese aussieht ist auch kein großes Geheimnis: Elektronikhändler sollen als physische und logistische Plattform, um chinesische Sortimente, Eigenmarken und Lieferketten direkt in den europäischen Markt zu bringen.
JD.com denkt in Vertriebsketten
Mit der geplanten Übernahme der Ceconomy und damit von MediaMarktSaturn ist dieses Modell in Deutschland bereits so gut wie durch. Parallel dazu zielte JD.com allerdings auch auf Fnac Darty ab, an dem die übernommene Ceconomy praktischerweise schon knapp 22 Prozent hält – ein strategisch naheliegender Schritt. Genau an dieser Stelle griff allerdings die französische Regierung ein. Sie untersagte JD.com sowohl eine Aufstockung der indirekten Beteiligung an Fnac Darty als auch jede Form operativen Einflusses – inklusive Mandaten im Verwaltungsrat oder Mitwirkung an der Geschäftsführung.
Diese Entscheidung ist natürlich politisch motiviert und folgt einer klaren Logik: Fnac Darty wird als systemrelevanter Akteur im nationalen Einzelhandel betrachtet. Eine Integration in die Expansionsstrategie eines chinesischen Plattformkonzerns wurde von der französischen Regierung politisch nicht akzeptiert.
Europäische Lösung statt China-Zugriff
In der Folge gewinnt jetzt eine europäische Alternative an Dynamik: Der tschechische Milliardär Daniel Křetínský soll über seine Investmentgesellschaft (EP Holding) quasi als Retter einspringen. Dabei stand Křetínský einem Verkauf seiner Unternehmensanteile an JD.com – sehr zur Freude der Chinesen – zuerst durchaus aufgeschlossen gegenüber. Stattdessen hat er nun selbst ein Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses bewertet das Unternehmen mit rund 1,1 Milliarden Euro. Will Křetínský also die Mehrheit übernehmen, müsste er mindestens 230 Millionen Euro investieren.
Für die französische Regierung entscheidend dürfte aber ohnehin weniger die Person Křetínský selbst sein, sondern die Tatsache, dass Fnac Darty nicht in eine außereuropäische Plattformstruktur eingebunden wird – und damit auch nicht zum zusätzlichen Absatzkanal für chinesische Produkte mutiert.
Deutschland verzichtet auf Steuerung
Bemerkenswert ist hier außerdem der Vergleich mit Deutschland. Während Frankreich aktiv reguliert, wurde der Einstieg von JD.com bei MediaMarktSaturn politisch nicht nennenswert begleitet. Eine grundsätzliche Diskussion über Marktmacht, Sortimentssteuerung oder strategische Abhängigkeiten blieb sowieso aus. In ein schiefes Licht gerückt wird diese Tatsache zudem dadurch, dass der jetzige deutsche Digitalminister, Karsten Wildberger, als Ex-Ceconomy-Chef wohl zu den mutmaßlichen Architekten der JD.com-Übernahme zählen dürfte.
Fakt ist jedenfalls, dass das Thema auch für den heimischen Elektrofachhandel kein abstraktes ist: Es betrifft mittelfristig Einkaufsstrukturen, Lieferketten, Margenmodelle und die Frage, welche Hersteller künftig dominant in den Regalen stehen werden.
Der Fall Fnac Darty zeigt, dass staatliche Eingriffe im Handel sehr wohl möglich sind – wenn sie politisch gewollt sind. Frankreich definiert klare Grenzen gegenüber chinesischer Expansion und setzt auf europäische Kontrolle. Deutschland hingegen vertraut auf Marktmechanismen und ausländisches Kapital. Welche dieser beiden Strategien sich langfristig als tragfähiger erweist, wird in vielleicht zwei/drei Jahren im Alltag des europäischen Elektrofachhandels zu sehen sein.





















