Laut einer aktuellen Studie steigerte sich Europas Kaufkraft zwischen 2020 bis 2025 vor allem in Ländern in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.
Die Kaufkraftlandschaft Europas ist in Bewegung. Eine aktuelle Analyse von Regio-Data Research zeigt: Zwischen 2020 und 2025 konnten vor allem Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa kräftig zulegen. Während sich die nominelle Kaufkraft je Einwohner in einigen Märkten innerhalb von fünf Jahren nahezu verdoppelte, fällt die Entwicklung in mehreren traditionell kaufkraftstarken Ländern deutlich schwächer aus. Österreich liegt mit einem Plus von etwa 25 % im Mittelfeld.
Mittel-, Ost- und Südosteuropa
Die stärksten prozentuellen nominellen Kaufkraftzuwächse seit 2020 verzeichnen vor allem Länder, die von einem vergleichsweise niedrigeren Ausgangsniveau gestartet sind. An der Spitze liegen Bulgarien und Serbien, die ihre in Euro gemessene Pro-Kopf-Kaufkraft innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt haben. Auch Kroatien und Polen weisen denselben Trend und eine außergewöhnlich hohe Dynamik auf. Selbst unter Berücksichtigung der Inflation und eventueller Währungseffekte ist das eine bemerkenswerte Entwicklung. Die Zahlen zeigen damit einen deutlichen Aufholprozess innerhalb Europas: Insbesondere mittel-, ost- und südosteuropäische Märkte gewinnen zunehmend an Kaufkraft und eröffnen somit auch Investitionsmöglichkeiten, die im Westen weniger attraktiv sind.
Spitzenreiter:
- Bulgarien + 108 %
- Serbien + 96 %
- Polen + 76 %
- Kroatien + 50
Während Ost- und Südosteuropa besonders hohe Wachstumsraten verzeichnen, fällt die Dynamik in vielen der traditionell kaufkraftstarken Ländern deutlich moderater aus. Besonders sichtbar wird das im Norden: Zwischen 2020 und 2025 stieg die nominelle Kaufkraft in Dänemark nur um rund 20 %, in Norwegen und Finnland um jeweils etwa 23 % und in Schweden um rund 24 %.
Auch in anderen etablierten Wohlstandsmärkten zeigt sich eine vergleichbare Entwicklung. Die Schweiz etwa kommt im selben Zeitraum auf einen Zuwachs von rund 27 %. Damit liegen diese Länder weit hinter den Wachstumsraten der dynamischen Märkte, wie Bulgarien, Serbien und Polen. Die niedrigeren Wachstumsraten bedeuten allerdings keineswegs, dass diese Länder an Kaufkraft verlieren. Vielmehr starten diese bereits von einem vergleichsweise hohen Kaufkraftniveau. Die Entwicklung zeigt jedoch, dass Länder mit bislang niedrigerem Ausgangsniveau deutlich schneller aufholen und sich die Kaufkraftverhältnisse innerhalb Europas langsam verschieben
Neue Dynamik im Kaufkraftgefüge
Österreich erreicht zwischen 2020 und 2025 einen nominellen Kaufkraftzuwachs von rund 25 %. Dieser nominelle Zuwachs wurde jedoch von der Inflation komplett aufgefressen. Real ist die Kaufkraft somit nicht gestiegen. Damit bleibt die Entwicklung deutlich hinter der Dynamik der europäischen Aufholermärkte zurück. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Nachbarland Deutschland, wo die Kaufkraft seit 2020 um rund 26 % gestiegen ist, wobei die Inflation in Deutschland in diesem Zeitraum jedoch deutlich geringer war, so dass real ein kleines Plus bleibt. Für Österreichs Position im europäischen Vergleich bedeutet das: Setzt sich diese Entwicklung wie erwartet fort, wird sich der Kaufkraftabstand zu den dynamisch wachsenden Märkten Europas schrittweise verringern.
Die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre zeigt eine zunehmende Konvergenz innerhalb Europas. Die höchsten prozentuellen Zuwächse finden sich nicht in den ohnehin wohlhabendsten Staaten, sondern vielfach in Ländern mit niedrigerem Ausgangsniveau Noch bestehen erhebliche Unterschiede bei der absoluten Kaufkraft. Während ein durchschnittlicher Einwohner in der Schweiz umgerechnet über € 50.000 pro Jahr beträgt, sind es etwa in Serbien unter € 7.000. Die hohe Wachstumsdynamik in Teilen Mittel-, Ost- und Südosteuropas zeigt jedoch, dass sich die Gewichte langfristig verschieben.
Europas Kaufkraft wächst – aber mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Während etablierte Wohlstandsmärkte teilweise nur moderat zulegen, holen Länder wie Bulgarien, Serbien, Kroatien und Polen mit großen Schritten auf. Die Kaufkraft in Österreich wächst weiter, kann aber mit der Dynamik der europäischen Spitzenreiter keinesfalls mithalten.
Über die Studie
Die RegioData Kaufkraftkennziffern stellen das regionale Wohlstandsniveau eines Landes auf übersichtliche Art und Weise dar. Unter Kaufkraft wird dabei die Fähigkeit einer Person oder eines Haushalts verstanden, innerhalb einer bestimmten Periode mit zur Verfügung stehenden Geldmitteln Güter, Dienstleistungen und Rechte erwerben zu können. Der Index gibt die Abweichungen vom jeweiligen nationalen Mittelwert des Wohlstandsniveaus (fixiert mit 100) an.
Die „Kaufkraft“ ist definiert als die Summe aller Einkunftsarten, darunter unselbständige Einkommen, selbständige Einkommen, Kapitalvermögen, Vermietung, Landwirtschaft, Pensionen, Beihilfen etc. Abgezogen davon werden die Zwangsabgaben, also Steuern und Sozialversicherung. Die Kaufkraft bezeichnet somit das frei verfügbare Einkommen.




















