Ein zentrales Thema, das allerdings immer noch unterschätzt wird, sind passende Versicherungen für PV-Anlagenerrichter. ELEKTRO|branche hat sich mit RA Peter Schöppl über die rechtlichen und finanziellen Risiken unterhalten.
ELEKTRO|branche: Herr Mag. Schöppl, immer mehr Hausbesitzer und Unternehmen setzen auf Solarenergie. Welche Rolle spielt dabei die Versicherung für die Errichter solcher Anlagen?
Peter Schöppl: Die Versicherung ist ein zentrales Thema, das oft unterschätzt wird. PV-Anlagenerrichter tragen ein hohes Maß an Verantwortung, sowohl gegenüber ihren Auftraggebern als auch gegenüber Dritten. Aus der technischen sowie baulichen Komplexität mit denen Anlagenerrichter konfrontiert sind, ergeben sich auch rechtlich viele haftungsrelevante Szenarien. Selbst kleine Fehler können hohe Schäden nach sich ziehen. Eine passgenaue Versicherung ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil der betrieblichen Vorsorge.
Welche Risiken bestehen konkret für ein Unternehmen, das Photovoltaikanlagen errichtet?
Da gibt es eine ganze Reihe. Einerseits Montagefehler, etwa wenn die Unterkonstruktion falsch befestigt wird und anschließend Sach- oder Personenschäden verursacht, für welche der Errichter haftet. Ebenso können Fehler bei der Elektroinstallation auftreten: Kurzschlüsse, Überspannungen oder Brände können entstehen. Aber auch Transportschäden oder Diebstahl während der Bauphase sind häufige Fälle. Dazu kommt die persönliche Haftung, wenn Arbeitnehmer oder Subunternehmer auf der Baustelle verunfallen. Kurz gesagt: Ohne Versicherung bestehen für den Errichter unkalkulierbare Risiken, die schnell schwerwiegende Folgen mit sich ziehen können.
Welche Versicherungsarten sind für PV-Anlagenerrichter in Österreich besonders relevant?
An erster Stelle steht die Betriebshaftpflichtversicherung. Sie schützt vor Ansprüchen Dritter, wenn durch die Tätigkeit ein Schaden entsteht. Sinnvoll kann auch eine Montageversicherung sein, die Schäden an der Anlage während des Aufbaus abdeckt. Für die Zeit nach der Inbetriebnahme ist außerdem eine Betriebsunterbrechungs- oder Ertragsausfallversicherung interessant, insbesondere, wenn der Errichter auch Betreiber der Anlage ist. Nicht zu vergessen ist eine Rechtsschutzversicherung, denn Streitigkeiten mit Auftraggebern oder Lieferanten sind im Baugewerbe leider keine Seltenheit.
Viele Errichter arbeiten mit Subunternehmen oder Kooperationspartnern zusammen. Wie wirkt sich das auf die Versicherung aus?
Das ist ein wichtiger Punkt. Im Grundsatz gilt, dass jeder Unternehmer für seinen eigenen Betrieb einen Versicherungsschutz haben muss. Wer Subunternehmer beschäftigt, sollte mit dem Versicherungsunternehmen vertraglich klar regeln, dass auch diese ausreichend versichert sind. Gleichzeitig kann die eigene Haftung, wenn der Subunternehmer einen Fehler macht, nicht ausgeschlossen werden. In solchen Fällen kann bei einer vorliegenden Haftung auch der Generalunternehmer in Anspruch genommen werden. Deshalb sollte die Betriebshaftpflicht des PV-Anlagenerrichters ausdrücklich Tätigkeiten von Subunternehmern mitumfassen.
Welche Besonderheiten ergeben sich im Vergleich zu klassischen Bauunternehmen?
PV-Anlagenerrichter arbeiten zwar ähnlich wie andere Bauunternehmer, jedoch gibt es einige Besonderheiten, die ihre Tätigkeit unterscheidet. Sie kombinieren Bauarbeiten mit elektrotechnischen Installationen und bewegen sich im Bereich der Energietechnik. Dadurch steigt das Risiko für Folgeschäden erheblich. Ein falsch angeschlossenes Modul kann nicht nur die eigene Anlage, sondern auch das gesamte Stromnetz beeinträchtigen. Außerdem gibt es in Österreich zunehmend rechtliche Vorgaben, wie etwa die neue OVE E 8101 Richtlinie, welche die Vorgaben im Bereich des Brandschutzes und der Dokumentation präzisiert.
Zudem kommt hinzu, dass in einigen Bundesländer, wie etwa in Wien, Niederösterreich oder der Steiermark bereits eine gewisse Art von PV-Pflicht bei Neubauten und Gewerbebauten besteht. Diese rechtlichen Regelungen, erhöhen vor allem die verlangte Genauigkeit, sowie auch den Zeitdruck den Anlagenerrichter ausgesetzt sind, was wiederrum zu einer höheren Fehlerquote führen kann. Wer hier nicht ausreichend versichert ist oder unsorgfältig arbeitet, riskiert hohe Schadenersatzforderungen.
Wie sieht es mit der Versicherung der fertigen PV-Anlage aus?
Das ist ein weiterer Baustein. Der Auftraggeber, also meist der Haus- oder Anlagenbesitzer, kann die fertige Anlage durch eine spezielle Photovoltaikversicherung absichern. Diese deckt meistens Schäden durch Sturm, Hagel, Feuer oder Vandalismus ab.
Viele kleine Betriebe schrecken vor zusätzlichen Versicherungskosten zurück. Lohnt sich der Aufwand wirklich?
Natürlich sind Versicherungen mit laufenden Prämien verbunden, aber man muss die Kosten ins Verhältnis setzen. Ein einziger Schadenfall, etwa ein Dachbrand nach einer fehlerhaften Verkabelung, kann mehrere Millionen kosten. Ohne Versicherung würde das die finanzielle Existenz eines Unternehmens zerstören. Eine auf das Unternehmen zugeschnittene Versicherungslösung ist keine Luxusfrage, sondern gerade im Bereich der Photovoltaik, eine Frage der wirtschaftlichen und finanziellen Vorsorge eines Unternehmens.
Wie geht man als PV-Anlagenerrichter am besten vor, wenn man seinen Versicherungsschutz optimieren möchte?
Ich empfehle eine genaue Analyse des Versicherungsbedarfs. Vor Abschluss einer Versicherung sollte aber Fragen geklärt werden wie: Welche Risiken fallen in meinen Tätigkeitsbereich? Verwende ich Subunternehmer? Wie hoch muss der Deckungsbetrag sein? Und ganz wichtig: Sind die errichteten Gewerke im Rahmen meiner Gewerbeberechtigung abgedeckt. Anhand dieser Basis sollte man mit einem spezialisierten Versicherungsberater oder Anwalt sprechen, um die Risiken individuell zu bewerten. Standardlösungen von der Stange reichen oft nicht aus, um den Bedarf zu decken.
Herr Mag. Schöppl, Ihr Fazit zum Thema?
Photovoltaik ist eine Zukunftstechnologie mit großem Potenzial. Wer als Errichter in diesem Markt tätig ist, sollte jedoch die rechtlichen und finanziellen Risiken nicht unterschätzen. Eine umfassende Versicherungslösung ermöglicht eine Absicherung gegen bestehende Risiken.
PV-Anlagenerrichter in Österreich: Das Wichtigste auf einen Blick
- Welche Versicherungen sind für PV-Anlagenerrichter besonders wichtig?
- Betriebshaftpflicht, Montageversicherung, Rechtsschutz und ggf. Betriebsunterbrechungsversicherung sind essenziell.
- Woran muss sich der Versicherungsschutz eines Unternehmens orientieren?
- Versicherungslösungen sollten immer auch mit dem gewerberechtlichen Umfang übereinstimmen.

Mag. Peter Schöppl
SCHÖPPL | Lehner Anwaltskanzlei OG
www.sl-kanzlei.at, office@sl-kanzlei.at
T.: +43 732 997063
© Schöppl
Lesertipp der Redaktion: In Gesprächen mit Rechtsanwalt Peter Schöppl haben wir bereits zahlreiche rechtliche Fragestellungen rund um die Photovoltaik in Österreich behandelt:
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