Ein trockener April brachte eine Durststrecke für die Wasserkraft und führte so zu einer höheren Abhängigkeit von Stromimporten.
Wasserkraft bildet bekanntlich das Rückgrat der erneuerbaren Stromerzeugung in Österreich, aber auch sie unterliegt wetterbedingten Schwankungen. In Monaten mit geringerer Wasserkraftproduktion steigt das Erfordernis, alternative Quellen nutzen zu können. In Österreich führt der Rückgang meist zu einer Steigerung der Stromimporte. Gerade in solchen Phasen gewinnt ein leistungsfähiges Stromnetz an Bedeutung für die Versorgungssicherheit. Um die Energiewende langfristig nachhaltig und leistbar zu gestalten, braucht es daher ein ganzheitliches Systemverständnis, das über die reine Betrachtung von Erzeugungskapazitäten hinausgeht.
Massiver Rückgang bei Wasserkraft
Wasserkraft verzeichnete im überwiegend trockenen, niederschlagsarmen April (KW 14-18) einen deutlichen Rückgang von 12,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Windkraftproduktion war im Monatsverlauf volatil und um 1,3 % niedriger als im Vorjahres-April; mit Spitzen vor allem zu Monatsanfang und in Kalenderwoche 17. Dagegen konnte die Photovoltaikproduktion im sonnigen April um 18,1 % deutlich zulegen und steigerte sich Woche für Woche. Aufgrund ihrer Produktionscharakteristik im Tagesverlauf ist sie jedoch allein kein echter Ersatz, um die Ausfälle der Wasserkraft auszugleichen. Insgesamt ging die erneuerbare Produktion (4.634 GWh) um 5,1 % im Jahresvergleich zurück.
„Die österreichische Stromerzeugung stützt sich zu mehr als 60 % auf Wasserkraft – doch zunehmende Wetterextreme setzen diesem Fundament spürbar zu. 2025 zählte bereits zu den niederschlagsärmsten Jahren, und 2026 entwickelt sich noch schlechter. Im April lag die Produktion um 12,4 % unter dem Vorjahr. Sinkt die Wasserkrafterzeugung, steigt Österreichs Abhängigkeit von Stromimporten – wie im April. Damit Sonne und Wind die Trockenheit kompensieren könnten, müssten sie abgestimmt mit Netzen und Speichern massiv ausgebaut werden. Ergänzend braucht es eine intelligente Steuerung des Stromsystems, um mit Flexibilitäten – auch von Kundenseite – die Volatilitäten von Wind und Sonne auszugleichen“, sagt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG).
Redispatch auf hohem Vorjahresniveau
Im Zuge des Engpassmanagements fielen kumuliert Kosten in der Höhe von 17,6 Millionen Euro bis Ende April 2026 an (Vergleich: ebenso 17,6 Mil. Euro kumuliert bis Ende April 2025). Eingriffe waren im April an 19 Tagen (Vergleich: 16 Tage im April 2025) notwendig. Durch das Abregeln von erneuerbarer Erzeugung gingen im April 1.448 MWh „verloren“, wobei hauptsächlich Laufwasser abgeregelt werden musste (1.000 MWh) und es sich bei der Restmenge um Wind handelte. Dieses Redispatch-Erfordernis unterstreicht einmal mehr die dringende Notwendigkeit einer kapazitätsstarken Netzinfrastruktur und einer gesamthaften Systembetrachtung.
„Wie der jüngste Rechnungshofbericht bestätigt, ist es dringend erforderlich, der Energiewende eine gesamtsystemische Planung zu Grunde zu legen. Der fundamentale Umbau des Energiesystems, in dem der Ausstieg aus fossilen Erzeugungstechnologien und der weitere Bedarf durch Wind- und Sonnenstrom gedeckt werden sollen, erfordert einen massiven Ausbau der Stromnetze. Mit der Aussage, Wind und Sonne schicken keine Rechnung, hat man nicht die gesamte Dimension der Energiewende kommuniziert. Man hat vergessen dazuzusagen, welche großen Summen für den Ausbau der Stromnetze, der Speicherkapazitäten sowie der Digitalisierung notwendig sind, um den Strom aus Erneuerbaren auch voll nutzen zu können. Es geht nicht mehr nur um Megawatt und Megawattstunden, sondern um ein ganzheitliches Systemverständnis, um die Transformation nachhaltig und leistbar zu gestalten“, betont Gerhard Christiner.
Mit dem APG Powermonitor ist es der österreichischen Bevölkerung möglich, die effektivsten Stromsparstunden zu sehen und somit einen aktiven Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Systemsicherheit zu leisten.






















