Produktionseinbrüche bei der Wasserkraft im Mai verdeutlichten die hohe Relevanz einer diversifizierten erneuerbaren Stromerzeugung und einer kapazitätsstarken Netzinfrastruktur.
Die Produktionseinbrüche bei der Wasserkraft verdeutlichen die hohe Relevanz einer energiewirtschaftlichen Gesamtsystemplanung. Der Mai 2026 (KW 19-22) brachte deutlich mehr Hitzetage. Wie auch bereits in den beiden Vormonaten März und April kam es zu geringem Niederschlag und ausgesprochener Trockenheit. Über den gesamten Monat betrachtet war die Laufwasserkraftproduktion so niedrig wie in keinem anderen Mai-Monat in den letzten 25 Jahren. Dank der im Vergleich zum Vorjahr hohen Wind- und PV-Produktionswerte ergab sich „nur“ ein leichter Rückgang der erneuerbaren Erzeugung um 2,5 %. Es kam zu mehr Sonnenstunden und in Folge zu einer um rund 55 % erhöhten PV-Einspeisung im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gleichzeitig konnte bei der Windkraft ein Anstieg im Ausmaß von rund 31 % verzeichnet werden. Demgegenüber stand ein erheblicher Rückgang um rund 20 % der Wasserkraft.
Der Mai 2026 bestätigt ein weiteres Mal die hohe Relevanz einer ausgewogenen und breit diversifizierten erneuerbaren Stromerzeugung für Österreich. Die historisch niedrige Wasserkrafterzeugung wurde durch deutliche Zugewinne bei Wind- und Photovoltaikstrom nahezu ausgeglichen. Um dies zu ermöglichen, zeigt sich, wie wichtig eine robuste, kapazitätsstarke Stromnetzinfrastruktur ist, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, Engpässe effizient zu managen und die Integration erneuerbarer Energien nachhaltig zu sichern.
Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG)
Wind und PV hilft der Wasserkraft aus
Durch den oben erklärten Ausgleich der geringen Wasserkraft durch die deutlichen Produktionszuwächse bei Wind und PV ergab sich im Mai per Saldo ein relativ geringer Import in der Höhe von 64 GWh (auf Basis der Fahrpläne) in Österreich. An 13 Tagen wurde Strom sogar bilanziell ins Ausland exportiert (Vergleichswerte Mai 2025: Import idHv 106 GWh und an 12 Tagen bilanzieller Stromexport).
Aufgrund des forcierten Ausbaus von Wind- und Solarstrom in den vergangenen Jahren gewannen diese beiden erneuerbaren Quellen an Bedeutung. Um etwaige Produktionsschwankungen bei der Wasserkraft künftig abfedern zu können, bedarf es eines koordinierten Ausbaus von Stromnetzen, ausreichend Speicherkapazitäten und Erneuerbaren. Nur so können volkswirtschaftlich schädliche Kollateralkosten – unter anderem durch das Abregeln von Kraftwerken, Redispatching – mittel- und langfristig vermieden werden.
APG begrüßt das EABG
Das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) wurde am 11. Juni 2026 im österreichischen Nationalrat beschlossen.
Mit dem EABG liegt nun ein entscheidender Hebel vor, um den Ausbau von Erneuerbaren, Netzen und Speichern koordiniert voranzutreiben. Es beschleunigt Genehmigungsverfahren, ermöglicht die erhöhte Auslastung bestehender Infrastruktur und stärkt damit das Stromnetz als Rückgrat der Energiewende. Ein leistungsfähiges Netz ist die Grundvoraussetzung für die Integration weiterer erneuerbarer Erzeugung – es ermöglicht nicht nur eine schnellere Anbindung neuer Erzeugungsanlagen, sondern schafft Zugang zu preisgünstigem Strom für alle Verbraucherinnen und Verbraucher und macht darüber hinaus das gesamte Energiesystem effizienter.
Gerhard Christiner
Redispatch auf hohem Vorjahresniveau
Im Rahmen des Engpassmanagements waren im Mai an elf Tagen (Vergleich: fünf Tage im Mai 2025) Eingriffe auf Anforderung des Regelzonenführers notwendig, um Netzengpässe zu lösen. Durch das Abregeln von Erneuerbarer Erzeugung gingen im Mai 11.841 MWh „verloren“, wobei zum größten Teil (7.020 MWh) Laufwasser davon betroffen war und es sich bei der Restmenge um Wind handelte. Im Zuge des Redispatchings fielen im Mai Kosten in der Höhe von 9,7 Millionen Euro an (Vergleich: 12,4 Mio. Euro im Mai 2025).
Energieaustausch innerhalb Österreichs
Über das regionale Stromnetz der APG wird auch der Energieaustausch innerhalb des Landes ermöglicht. Stromüberschüsse der einzelnen Bundesländer können dadurch österreichweit verteilt und Defizite kompensiert werden. Die Bundesländer Wien (426 GWh) und Kärnten (194 GWh) entnahmen im Mai am meisten Strom aus dem Netz. Das Burgenland (299 GWh) und Niederösterreich (246 GWh) waren die größten Einspeiser innerhalb Österreichs.


Mit dem APG Powermonitor ist es der österreichischen Bevölkerung möglich, die effektivsten Stromsparstunden zu sehen und somit einen aktiven Beitrag zur CO2-Reduktion und zur Systemsicherheit zu leisten.






















