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Unternehmen: Positive Geschäftsentwicklung aber kein Feuer bei Zukunftsthemen

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
26. April 2023
in Branche
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Geschäftsentwicklung KSV1870 Business Check

(c) KSV1870

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen berichten die heimischen Unternehmen von einer positiven Geschäftsentwicklung. Auf der Kostenbremse steht man trotzdem und schenkt zukunftsträchtigen Themen zudem zu wenig Aufmerksamkeit. Zu diesen Ergebnissen gelangt der aktuelle Austrian Business Check des KSV1870, an dem rund 1.300 Betriebe teilgenommen haben.

Mit aktuell 54 Prozent, die die eigene Geschäftslage als „sehr gut“ oder „gut“ bezeichnen, bewegt sich die Wirtschaft in Sachen Geschäftsentwicklung auf Vorjahresniveau – auch wenn ihnen die steigenden Energiekosten, Preiserhöhungen bei Lieferanten und die Inflation zugesetzt haben. Wenig überraschend steht aktuell daher ein hartes Kostenmanagement im Fokus (27 % kontrollieren intensiver, 41 % haben die Kontrollen angepasst) – zulasten strategischer Zukunftsthemen wie ESG oder Cyber-Security. Nur jedes fünfte Unternehmen kümmert sich intensiv um die eigene Cyber-Security. Außerdem ist gerade einmal ein Drittel in punkto Nachhaltigkeit/ESG auf Kurs, obwohl hier neue, komplexe Berichtspflichten auf die Unternehmen zukommen.

Geschäftsentwicklung nicht überall gleich

Die Geschäftsentwicklung bzw. -lage ist in Summe positiv, aber nicht überall gleich. Insbesondere im Handel, wo laut Austrian Business Check lediglich 37 Prozent ihre derzeitige Situation bzw. die Geschäftsentwicklung mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet haben, gestaltet sich die Situation herausfordernd. Ganz im Gegensatz etwa zum Bereich Gastronomie & Beherbergung, wo in Sachen Geschäftsentwicklung ein regelrechter Aufschwung von 38 auf 65 Prozent zu verzeichnen ist. Der grundsätzlich positive Trend bei der Geschäftsentwicklung zeigt sich auch an der Umsatzfront: Bei 55 Prozent haben sich 2022 die Umsätze verbessert und auch für das heurige Jahr rechnen immerhin 33 Prozent mit einer Verbesserung der Geschäftsentwicklung – angesichts der aktuellen Multikrisensituation ein positives Ergebnis.

Ähnlich gestaltet sich die Entwicklung bei der Produktnachfrage, wo 55 Prozent diese als „sehr gut“ oder „gut“ bezeichnen. Obwohl allgemeine Wirtschaftsprognosen für das zweite Halbjahr nach oben zeigen, sind die Betriebe vorsichtig: 36 Prozent erwarten eine stärkere Nachfrage – im Vorjahr waren es noch 49 Prozent. „Wo viel Licht, da auch viel Schatten und dieser kann mit dem Arbeitskräftemangel benannt werden. Fast 60 Prozent sind betroffen. Das führt zu Zusatzbelastungen für bestehende Mitarbeiter, steigende Kosten, um Mitarbeiter zu halten und Umsatzeinbußen bzw. müssen Aufträge sogar abgelehnt werden.

Der Mangel an Mitarbeitern ist ein Thema für die nächsten zehn Jahre – und doch vermisse ich schlagkräftige Konzepte, die dieses Problem adressieren. Bisher höre ich vorrangig, was alles nicht geht“, so Ricardo-José Vybiral, Vorstand der KSV1870 Holding AG, der insbesondere das Thema der „Attraktivierung der Vollzeitarbeit“ als essenziell ansieht.

Großer Aufholbedarf

Wie der Austrian Business Check zeigt, pflegen 35 Prozent der heimischen Betriebe Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen der kritischen Infrastruktur. Bei einem Drittel davon macht der Umsatz mit der kritischen Infrastruktur zwischen 51 und 100 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für sie wird das Inkrafttreten der EU-NIS2-Richtlinie im Herbst 2024 erfolgsentscheidend. Denn bis dahin müssen sowohl Betriebe der kritischen Infrastruktur als auch deren Geschäftspartner nicht nur ausreichend Maßnahmen zum Schutz vor Cyber-Attacken implementiert haben, sondern diese auch nachweisen können. Ist das nicht der Fall, können keine Geschäfte zwischen diesen Unternehmen erfolgen.

„Wenn sich die Unternehmen nicht rechtzeitig um die Implementierung entsprechender Sicherheitsmaßnahmen kümmern, könnte die Nichterfüllung der neuen Richtlinie für zehn Prozent das Aus bedeuten. Hier brennt der Hut lichterloh“, so Vybiral. Umso besorgniserregender ist es, dass aktuell nur 21 Prozent der Unternehmen auf ihre Cyber-Sicherheit fokussieren. Bei rund 60.000 Delikten von Internetkriminalität allein im Vorjahr, wie das Bundeskriminalamt unlängst publiziert hat, ist das ein sicherheitstechnisches Harakiri.

Weiters befassen sich 40 Prozent lediglich „ein wenig“ damit, was im Hinblick auf die potenzielle Cybergefahr deutlich zu wenig ist. Darüber hinaus ignorieren 15 Prozent das Thema konsequent, obwohl sie den Bedarf grundsätzlich erkannt hätten. „Diese Ergebnisse sind im Hinblick auf die neue Richtlinie eine mittlere Katastrophe“, so Vybiral, der an die betroffenen Unternehmen appelliert, schleunigst aktiv zu werden.

ESG: Unternehmen stehen erst am Anfang

Ähnlich wie in Sachen Cyber-Security verhalten sich viele Unternehmen in punkto Nachhaltigkeit. Wie die aktuelle Umfrage zeigt, stellt der Bereich Environmental, Social und Governance (ESG) den Großteil der Betriebe vor massive Herausforderungen, die bis dato eher spärlich angegangen wurden. Denn derzeit scheint nur ein Drittel der heimischen Betriebe auf Kurs zu sein. Laut eigenen Angaben verfügen lediglich 14 Prozent über eine bereits vollständig umgesetzte Nachhaltigkeitsstrategie. Weitere 18 Prozent befinden sich immerhin in der Planungsphase. Hier besteht berechtigte Hoffnung, dass in absehbarer Zeit Vorkehrungen getroffen werden.

Besonders nachdenklich stimmt hingegen, dass jeder fünfte Betrieb (21 %) den eigenen Handlungsbedarf in Richtung einer „grünen Zukunft“ erkannt hat, jedoch keine Strategie in Planung oder gar in Umsetzung hat. „Unabhängig davon, dass je nach Unternehmensgröße viele Betriebe in den kommenden Jahren ihre ‚grünen Aktivitäten‘ offenlegen müssen, wird ESG ein Umdenken für die gesamte Wirtschaft bedeuten. Denn früher oder später wird das Thema der Nachhaltigkeit auch ein zentraler Eckpfeiler in Finanzierungsfragen oder der Kreditvergabe sein“, so Vybiral.

Zur Umfrage:

Im Rahmen des Austrian Business Check befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Österreichs Unternehmen, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bzw. die Geschäftsentwicklung bestellt ist. An der aktuellen Umfrage im März 2023, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben rund 1.300 Unternehmen teilgenommen. 

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Tags: Austrian Business CheckKSV1870
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