Laut aktueller KSV1870-Hochrechnung mussten im ersten Quartal 2026 in Österreich 1.687 Unternehmen (- 6 % gegenüber 2025) Insolvenz anmelden. Das sind im Schnitt fast 19 Betriebe pro Tag. Zu den Insolvenztreibern zählen der Handel, das Baugewerbe und der Sektor Gastronomie/Beherbergung – sie verzeichnen seit Jahresbeginn 44 Prozent aller Firmenpleiten.
Trotz altbekannter Herausforderungen sowie neuer bzw. verschärfter Krisenherde – etwa des Konflikts im Nahen Osten und des anhaltenden Zollstreits zwischen Europa und den USA – ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den ersten drei Monaten 2026 im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. „Die Firmenpleiten liegen weiterhin auf einem hohen Niveau, doch es ist zumindest ein positiver Funke, dass wir heute von einem leichten Rückgang in puncto Fallzahlen sprechen können“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.
Ergänzend fügt Götze hinzu: „Nichts destotrotz ist es deutlich zu früh, von einer Trendumkehr zu sprechen, zumal gerade in den vergangenen Wochen neue Krisenherde aufgetreten sind, die Potenzial haben, negativen Einfluss auf die heimische Wirtschafts- und Insolvenzentwicklung zu nehmen.“ Auf Bundesländerebene verzeichnet Kärnten (+ 29,9 %) den größten Anstieg und Salzburg (- 32,5 %) den deutlichsten Rückgang.
Mehr nicht eröffnete Verfahren
Besonders besorgniserregend ist vor allem eine Entwicklung: Während die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren um rund zwölf Prozent gesunken ist, ist jene der mangels Masse nicht eröffneten Fälle um knapp fünf Prozent gestiegen. Mittlerweile machen die Nichteröffnungen bereits 41 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in Österreich aus. Für den heimischen Wirtschaftsstandort ist es ein Alarmsignal, dass immer mehr Betriebe nicht in der Lage sind, die Kosten in der Höhe von 4.000 Euro für ein ordentliches Insolvenzverfahren aufzubringen.
„Wenn die Zahl der nicht eröffneten Verfahren steigt, steigen die finanziellen Verluste der Gläubiger noch weiter, da eine professionelle Aufarbeitung dieser Fälle nicht mehr möglich ist. Angesichts dieser Entwicklungen ist es wohl an der Zeit, sich konkret darüber Gedanken zu machen, wie man aus gesetzlicher Sicht mit derartigen Fällen in Zukunft umgehen möchte“, so Götze.
Im Rahmen einer etwaigen gesetzlichen Anpassung wird es jedenfalls elementar sein, dass diese nicht wieder zulasten der „gesunden“ Unternehmen des Landes geht, wie dies bereits Anfang des Jahres im Zuge des Betrugsbekämpfungsgesetzes 2026 (BBKG 2026) geschehen ist.
Handel und Bau mit leichter Erholung
Zu Beginn des Jahres verzeichnen mit dem Handel (272 Fälle) und dem Baugewerbe (240) jene Branchen die meisten Insolvenzen, die bereits in den vergangenen Jahren mit besonders hohen Fallzahlen zu kämpfen hatten. Erfreulich ist jedoch, dass es sowohl im Handel (- 10 %), als auch im Baugewerbe (- 14 %) gegenüber dem Vorjahr zu spürbaren Rückgängen gekommen ist.
Darüber hinaus sind auch im Grundstücks- und Wohnungswesen (- 25 %) und im Bereich ‚Herstellung von Waren‘ (- 17 %) die Fallzahlen signifikant gesunken. „Es ist ein positives Signal, dass insbesondere in Branchen mit vielen Arbeitsplätzen zuletzt deutlich weniger Insolvenzfälle zu verzeichnen waren als noch vor einem Jahr“, erklärt Götze.
Die Branche mit der drittgrößten Zahl an Insolvenzen ist wie zuletzt die Gastronomie/Beherbergung mit 226 Fällen (+ 14 %). „Hier hat sich die Lage in den vergangenen Monaten weiter verschärft“, so der Insolvenzexperte. Die Gründe dafür liegen in einem Ursachenmix, der sich vorwiegend aus hohen Betriebskosten (Energie-, Lebensmittel-, Personalkosten), einer schwachen wirtschaftlichen Gesamtlage, wodurch Restaurantbesuche vermehrt reduziert werden, und strukturellen Problemen (geringe Gewinnmargen, starker Konkurrenzkampf) zusammensetzt.
Gleichzeitig müssen vielerorts die Öffnungszeiten der Gastronomiebetriebe verkürzt werden, etwa aufgrund von Personalmangel oder aus wirtschaftlichen Gründen. Dadurch wird es notwendig, dringend benötigte Einnahmen innerhalb einer kürzeren Zeitspanne zu erwirtschaften, was jedoch nicht immer gelingt und mittelfristig in finanzielle Schieflage führt.
Passiva sinken deutlich
Wie die aktuelle KSV1870 Hochrechnung zeigt, steht im Bereich der vorläufigen Passiva* ein deutlicher Rückgang von 23,6 Prozent auf etwa zwei Milliarden Euro zu Buche. Rund die Hälfte der vorliegenden Passiva wird durch den bis dato größten Fall des Jahres verursacht: die Laura Privatstiftung (gegründet von Ingeborg Benko und René Benko) mit vorläufigen Passiva in der Höhe von rund einer Milliarde Euro.
Ohne diesem in der Vorwoche eröffneten Insolvenzfall würden die österreichweiten Passiva nach aktuellem Stand bei rund 933 Mio. Euro (- 64 %) zum Liegen kommen. Darüber hinaus fällt auf, dass es im ersten Quartal des Vorjahres neun Fälle mit Passiva von über 50 Mio. Euro gab – im heurigen Jahr gibt es drei Insolvenzfälle dieser Größenordnung.
Prognose 2026
Zum Ende des ersten Quartals 2026 bleibt festzuhalten: Im Angesicht globaler Spannungen und bestehender wirtschaftlicher Entwicklungen ist eine seriöse Prognose für das heurige Insolvenzjahr zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich. Was aktuell durchaus im Bereich des Möglichen liegt, ist, dass zum Jahresende 2026 das Vorjahrsergebnis bei den Unternehmensinsolvenzen wohl nicht überschritten werden wird.
„Aus heutiger Sicht erwarten wir als KSV1870 im Jahresverlauf keine eklatanten Verschiebungen bei den Fallzahlen der Unternehmensinsolvenzen“, so Götze. Neben den bestehenden und neuen globalen Krisenherden wird auch abzuwarten sein, wie sich die gesetzlichen Anpassungen des Insolvenzwesens im Zuge des im Jänner 2026 seitens der Bundesregierung verabschiedeten Betrugsbekämpfungsgesetzes 2026 (BBKG 2026) auswirken werden und in welcher Form das unverändert hohe Kostenniveau weiterhin Einfluss nehmen wird.





















