Der Linzer ioT-Anbieter Kontron hat seinen Geschäftsbericht präsentiert. Wie das Unternehmen mitteilte, kletterte das Konzernergebnis nach Steuern auf 141,1 Mio. Euro. Wegen der defizitären Umwelttechnologiesparte des Konzerns droht jetzt aber eine Restrukturierung und Stellenabbau von bis zu 500 Mitarbeitern.
In der heimischen Elektrobranche bekannt ist Kontron vor allem als Käufer des damals insolventen PV-Großhändlers Suntastic.Solar bekannt. Das EBITDA des Gesamtkonzerns verbesserte sich um 23,8 % auf 237,4 Mio. und bereinigt um Einmaleffekte auf 220,5 Mio. Euro im Vergleich zu 191,8 Mio. im Vorjahr. Das Konzernergebnis nach Steuern erhöhte sich um 55,6 % deutlich auf 141,1 Mio. nach 90,7 Mio. Euro im Vorjahr.
Software + Solutions ist Kontrons Stärke
Die Umsatzentwicklung ist maßgeblich durch die strategische Entkonsolidierung des COM-Geschäfts sowie von Teilen des IT-Services-Geschäfts geprägt. Operativ zeigt sich hingegen ein robustes Wachstum in den Kernbereichen. Besonders dynamisch entwickelten sich die Divisionen Defense und Transportation, die von steigenden Investitionen in Infrastruktur und Sicherheit profitieren. Der Bereich verzeichnete einen Anstieg des Backlog auf EUR 873 Mio. bei einer Book-to-Bill Ratio von 1,47.
Belastend für den Konzern wirkte hingegen das Umwelttechnologiegeschäft, und hier insbesondere der Solarsektor. Der Umsatz ging von 193 Mio. auf 151 Mio. Euro zurück und führte zu einem negativen EBIT-Beitrag von rund 8 Mio. Euro.
„Suntastic bleibt PV-Vollsortimenter“
Kontron will darauf jetzt mit einer konsequenten Restrukturierung und Fokussierung auf profitable Kernprodukte reagieren. Es ist geplant „dieses Geschäftsfeld auf wenige, aber profitable Produkte zu redimensionieren, um von den Chancen in diesem Bereich profitieren zu können“, heißt es in der offiziellen Aussendung. PV-Großhändler Suntastic soll von den Einsparungen allerdings nicht betroffen sein, erklärt ein Kontron-Unternehmenssprecher auf ELEKTRO|branche-Anfrage. Auch wird Suntastic weiterhin als PV-Komplettanbieter am Markt auftreten: „Das Produkt- und Serviceangebot bleibt unverändert. Lediglich bei den Eigenentwicklungen findet eine Fokussierung auf wesentliche Erfolgsmodelle statt“, so der Kontron-Sprecher.
Mit „Eigenentwicklungen“ sind demnach vor allem Produkte aus den Bereichen Wechselrichtern, Wallboxen oder Ladestationen gemeint – hier werde man sich künftig auf jene Produkte konzentrieren, die auch am Markt den besten Anklang finden. Das heißt: Auf die Großhandelssparte hat diese Entscheidung keine direkte Auswirkung. „Da die Produkte/Services unverändert angeboten werden und es lediglich zu einer Anpassung der internen Produktentwicklung kommt, hat dies auf das Angebot als Komplettanbieter keine Auswirkungen“, präzisiert Investor Relations-Sprecher Leon-Philipp Kleiss.
Sehr wohl wirken sich die Einsparungen aber auf andere Kontron-Standorte aus. Die Linzer gehen aktuell nämlich von einem „gleichzeitig notwendigen Abbau von rund 500 Stellen konzernweit“ aus. Und nach Informationen der Allgäuer Zeitung soll es im deutschen Memmingen bereits zu einer ersten Entlassungswelle gekommen sein. Bei der dort ansässigen Kontron eSystems GmbH (beschäftigt mit der Entwicklung und Fertigung von Hybridwechselrichtern, Wallboxen und Ladestationen) sollen offenbar 130 von 300 Mitarbeitern freigesetzt worden sein. Diese Zahlen wurden vom Unternehmen aber nicht offiziell bestätigt. „Der gesamte Umbau soll bei Restrukturierungsaufwendungen von rund 25 Mio. Euro noch im Jahr 2026 abgeschlossen werden“, heißt es.
Und noch eine vorsichtige Entwarnung für alle Suntastic-Mitarbeiter: „Das Programm bzw. der Stellenabbau betrifft Suntastic de facto nicht“, bekräftigt Kleiss.




















