Die EU steigt bei der Finanzierung bzw. Förderung von Projekten mit chinesischen Wechselrichtern auf die Bremse – und trifft damit einen Nerv der Branche. Das hat auch Österreichs PV-Markt kurzfristig verunsichert. Doch ein genauer Blick zeigt: Nicht jede Förderung ist betroffen.
Die Ansage aus Brüssel klingt nach industriepolitischer Zeitenwende: Künftig sollen Projekte, die mit chinesischen Wechselrichtern umgesetzt werden, von bestimmten EU-Finanzierungen ausgeschlossen werden. Das würde übrigens auch Wechselrichter aus Russland, dem Iran und Nordkorea betreffen – deren Zahl dürfte hierzulande aber recht überschaubar sein. Hintergrund sind jedenfalls wachsende Bedenken hinsichtlich Abhängigkeiten, Cybersicherheit und Wettbewerbsverzerrungen. Was nach strategischer Souveränität klingt, hat jedoch eine unmittelbare Nebenwirkung – Verunsicherung im Markt.
Fakt ist allerdings auch: Wechselrichter „Made in China“ sind kein Nischenprodukt, sie bilden das Rückgrat zahlreicher PV-Anlagen in Europa, nicht zuletzt aufgrund ihrer Preis-Leistungs-Position und hohen Verfügbarkeit. Ein Förderstopp trifft hier also nicht irgendein leicht ersetzbares Bauteil, sondern das operative Herzstück vieler Projekte.
Förderung ist nicht gleich Förderung
Genau an diesem Punkt beginnt die aktuelle Verwirrung – auch in Österreich. Die Befürchtung: Könnte der EU-Vorstoß auch die heimischen PV-Förderungen (EAG) ausbremsen? Eine Sorge, die sich hartnäckig hält, aber so nicht zutrifft. „Leider verursacht die aktuelle Ankündigung einiges an Verwirrung, da die Befürchtung besteht, dass auch die aktuelle PV-Förderung in Österreich davon betroffen ist – was nicht der Fall ist“, stellt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria, klar. Der entscheidende Unterschied liegt nämlich im Finanzierungstopf: Beim aktuellen Förderstopp der EU geht es um EU-Fördergelder, wie sie etwa über die Europäische Investitionsbank oder die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung vergeben werden.
Diese Mittel fließen vor allem in die konkrete Projektfinanzierung – also eher sehr große Vorhaben, häufig mit internationalem Kapitalhebel. Betroffen vom Förderstopp sind dabei allerdings auch EU-Gelder, die über nationale Programme weitergereicht werden. Doch: Die klassischen österreichischen PV-Förderschienen nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) fallen nicht darunter. Sie speisen sich ausschließlich aus nationalem Budget und bleiben somit unangetastet.
Technik trifft Geopolitik
Für die Branche bedeutet das dennoch keine Entwarnung, sondern eher eine neue, recht unübersichtliche Gemengelage. Planer und Errichter müssen künftig genauer hinschauen, aus welchem Topf ein Projekt finanziert wird – und welche Komponenten darin verbaut sind. Was bisher eine rein technische Entscheidung war, bekommt plötzlich eine politische Dimension. Das stellt auch die Beschaffung vor neue Herausforderungen. Europäische Hersteller könnten profitieren, doch die kurzfristige Substituierbarkeit ist begrenzt.
Lieferketten, Preisniveaus und technische Spezifikationen lassen sich halt nicht per Verordnung umstellen. Gerade im gewerblichen und industriellen Bereich, kann das daher zu Verzögerungen oder Mehrkosten führen. Die Lage ist jedenfalls differenziert zu betrachten. Während also großvolumige, international finanzierte Projekte genauer geprüft werden müssen, bleibt das Brot-und-Butter-Geschäft im EAG-System derweilen stabil.




















