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Jede zweite Firmenpleite durch zu hohe Kosten

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
19. Mai 2026
in Branche
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Jede zweite Firmenpleite durch zu hohe Kosten

© KSV1870

Die wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre aber auch Gründerfehler dominieren die Ursachenstatistik bei den Firmenpleiten 2025.

Der anhaltend hohe Kostendruck erwies sich im Vorjahr als massiver Belastungsfaktor für Österreichs Betriebe. Bereits 47,2 % (+ 4,9 gegenüber 2024) aller Firmenpleiten im Jahr 2025 sind auf „operative Ursachen“ zurückzuführen – in der aktuellen Krisenphase ist das ein historischer Höchstwert. Insbesondere Finanzierungsschwierigkeiten, Liquiditätsengpässe und Absatzschwächen spielen eine wesentliche Rolle. Weiterhin allgegenwärtig sind auch Gründungsfehler mit 18,4 %. Strategische Fehlentscheidungen (11,2 %) sowie persönliches Verschulden bzw. Fahrlässigkeit auf Führungsebene (9 %) kommen vor, sind aber gegenüber dem Jahr 2024 vergleichsweise weniger häufig die Gründe für Insolvenzen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle KSV1870 Analyse von rund 3.800 eröffneten Firmenpleiten des Vorjahres.

Kostenberge gipfeln in der Pleite

Die Geschäftslage ist in Österreich seit einiger Zeit schwach. In Zusammenspiel mit der hohen Kostenbelastung führte das zu einer gefährlichen Kombination, die für viele Unternehmen zur unüberwindbaren Hürde wurde. Infolgedessen mussten im Jahr 2025 etwas mehr als 6.800 Betriebe Insolvenz anmelden.

Zwar weisen laut unser jüngsten Austrian-Business-Check-Umfrage in Österreich knapp 70 Prozent der Unternehmen nach wie vor eine solide Finanzstruktur auf, dennoch ist für viele das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie können den Kostenberg nicht mehr bewältigen und müssen Insolvenz anmelden.

Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz

Bei fast jeder zweiten Unternehmensinsolvenz (47,2 %) des Vorjahres sind operative Mängel der Hauptgrund. Dazu zählen insbesondere Finanzierungsschwächen, Liquiditätsengpässe und eine mangelnde Forderungsbetreibung (15,1 %) aber auch Absatzschwächen (12,6 %), eine schlechte Kostenstruktur (10,9 %) und ein mangelhaftes Controlling bzw. Planungsschwächen (8 %). Mit Blick auf die vergangenen Krisenjahre zeigt sich, dass operative Ursachen zuletzt deutlich häufiger in Erscheinung getreten sind als noch vor einigen Jahren (niedrigster Wert in 2022: 29 %).

Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass viele Betriebe aufgrund des anhaltenden Krisenmodus ihre Basisarbeit im Tagesgeschäft vernachlässigen. Daraus resultieren Fehlentscheidungen, die sich im Nachhinein kaum noch korrigieren lassen.

Karl-Heinz Götze

Fehlende Kenntnisse bei Gründungen

Gründungsfehler waren auch im Vorjahr für beinahe jede fünfte Firmenpleite (18,4 %) ursächlich, wenngleich es gegenüber dem Jahr 2024 einen Rückgang von 1,6 % zu verzeichnen gab. Insbesondere fehlendes branchenspezifisches Know-how oder mangelhafte betriebswirtschaftliche Kenntnisse (9,1 %) stehen in dieser Kategorie an erster Stelle. Darüber hinaus ist mitunter zu wenig Eigenkapital bei der Gründung vorhanden oder es fehlt dem Gründer schlichtweg die Fähigkeit, ein Unternehmen zu gründen.

Die aktuelle Marktlage verzeiht keine Wissenslücken rund um eine Gründung. Wer aktuell plant, einen Betrieb aus der Taufe zu heben, sollte über sehr viel Know-how verfügen.

Karl-Heinz Götze

Späte Reaktionen und gebeutelt durch Krisen

Laut vorliegender KSV1870 Analyse sind 11,2 % (2024: 11,5 %) aller Firmenpleiten des Vorjahres auf strategische Ursachen, insbesondere auf eine mangelhafte Antwort auf Marktveränderungen, zurückzuführen. „In diesen Fällen wurde entweder zu spät oder – im schlimmsten Fall – gar nicht auf aktuelle Marktentwicklungen oder auch Krisen reagiert, stattdessen wurde nach dem Prinzip Hoffnung weitergearbeitet“, erklärt Götze. Und weitere neun Prozent (2024: 10 %) der Pleiten wurden durch die Vernachlässigung von klassischen Geschäftsführungsaufgaben sowie strafbare Handlungen herbeigeführt.

Insolvenursachen 2025 Strategische und Persönliche
© KSV1870

Ein weiterer Trend setzte sich zuletzt fort: Nachdem „unbeherrschbare Umstände“ in den vergangenen Jahren teils für mehr als 20 % der Pleiten verantwortlich waren und im Jahr 2022 im Zuge der Corona-Krise mit 28 % einen Höchststand erreicht hatten, zeigte die Entwicklung auch 2025 bereits das dritte Jahr in Folge nach unten. Im Vorjahr waren österreichweit nur noch 7,2 % aller Firmenpleiten auf „unbeherrschbare Umstände“ zurückzuführen. Auffallend ist dabei, dass Krankheiten beziehungsweise Unglücksfälle im persönlichen Umfeld (4,1 %) erstmals seit 2019 häufiger als Insolvenzursache genannt wurden als Naturkatastrophen, Kriegshandlungen oder Pandemien (3,1 %).“

Insolvenursachen 2025 Unbeherrschbare und Externe Umstände
© KSV1870

Tags: FinanzenFirmeninsolvenzenFirmenpleitenInsolvenzstatistikKSV1870
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