Laut einem aktuellen Forschungsprojekt der Montanuniversität Leoben ist die Anzahl der im Restmüll falsch entsorgten Lithiumbatterien in nur zehn Jahren um 300 Prozent gestiegen. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) ruft dazu auf, Produkte mit (versteckten) Lithiumbatterien – wie blinkendes Kinderspielzeug, Einweg-E-Zigaretten oder singende Grußkarten – ausschließlich im Handel oder in Altstoffsammelzentren zu entsorgen und setzt sich gleichzeitig für ein Cashback-System ein.
Acht Lithiumbatterien je Tonne Restmüll, das ist die Bilanz einer neuen Studie der Montanuniversität Leoben. Das entspricht rund 70 Lithiumbatterien pro Sammelfahrzeug, das etwa. 8,5 Tonnen Restmüll laden kann. Die Zahl der Fehlwürfe hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht und bestätigt damit einen gefährlichen Trend: Da immer mehr Lithiumbatterien im Umlauf sind, steigt auch die Zahl der falsch entsorgten potenziellen Brandstifter sowie der Brände in Betrieben der Abfallwirtschaft deutlich.
Die Forschergruppe hat sich über 1.000 öffentlichkeitswirksame Brandereignisse der letzten 18 Jahre angesehen. Thomas Nigl von der Montanuniversität Leoben: „Hochgerechnet beträgt die Anzahl an Lithiumbatterien im Restmüll jährlich rund 17 Millionen Stück. Das ist für die Abfallwirtschaft eine Katastrophe. Besonders auffällig ist der starke Anstieg von Brandereignissen in den letzten zwei Jahren, die deutlich über dem langfristigen Trend liegen. Gleichzeitig zeigen sich neue Extremwerte bei Branddauer, betroffener Abfallmenge und Schadenssummen.“ Der Experte rät daher, rasch dagegenzusteuern.
Fehlentsorgung im Restmüll ist eine tickende Zeitbombe
In Österreich lag der Anteil der in Verkehr gesetzten Lithiumbatterien an allen Gerätebatterien 2024 bereits bei rund 46,5 Prozent, die Sammelquote der Lithiumbatterien betrug allerdings nur rund 13 Prozent. Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB, warnt: „Falsch entsorgte Lithiumbatterien sind eine tickende Zeitbombe für unsere Beschäftigten, für die Umwelt, für den Fortbestand ganzer Betriebe und für die Entsorgungssicherheit in Österreich.“
Der VOEB hat allein im vergangenen Jahr 36 größere Brandereignisse in Betrieben der Abfall- und Ressourcenwirtschaft dokumentiert. Trotz erheblicher Investitionen in Brandschutz durch die Betriebe ist der VOEB überzeugt, dass nur ein Cashback-System bzw. ein finanzieller Anreiz für die korrekte Entsorgung von Lithiumbatterien zu weniger Fehlwürfen und einer höheren Sammelquote führen kann. So oder so muss bis 2030 laut EU-Vorgabe die Sammelquote aller Gerätebatterien auf 73 Prozent erhöht werden – Österreich erreicht derzeit nur rund 53 Prozent. Je höher die Sammelquote, desto besser können in Lithiumbatterien enthaltene Rohstoffe, wie Nickel, Lithium, Kobalt oder Mangan, recycelt und im Kreislauf erhalten werden.
Zusätzliche Maßnahmen für die richtige Entsorgung
Auffällig ist laut Studienautoren die zunehmende Verbreitung fest verbauter Lithium-Ionen-Akkus in Kleingeräten und Konsumprodukten. Besonders häufig wurden Einweg-E-Zigaretten, Spielzeug, elektrische Zahnbürsten, Akkugeräte und kleinere Elektrogeräte mit integrierten Akkus im untersuchten Restmüll gefunden.
Die Ergebnisse zeigen klar, dass die bestehende getrennte Sammlung von Batterien und Elektroaltgeräten derzeit nicht ausreicht, um die steigenden Risiken wirksam zu begrenzen. Ohne zusätzliche Maßnahmen ist aufgrund der weiter steigenden Inverkehrsetzungszahlen von Produkten mit Lithiumbatterien mit einer weiteren Verschärfung der Situation zu rechnen.
Thomas Nigl
Die Empfehlungen der Forscher:innen: die getrennte Sammlung erhöhen, bessere Informationskampagnen, regulatorische Maßnahmen (insbesondere im Umgang mit Einweg-E-Zigaretten), stärkere Einbindung der Hersteller und laufende Risikoüberwachung.
Lithiumbatterien zählen mittlerweile zu den zentralen Sicherheitsrisiken der österreichischen Abfall- und Kreislaufwirtschaft – mit wachsenden wirtschaftlichen Folgen durch steigende Schäden und Versicherungskosten. Ein koordiniertes Vorgehen von Politik, Herstellern, Sammelsystemen und Abfallwirtschaft ist daher unerlässlich.
Thomas Nigl
Tipps zum Umgang mit Lithiumbatterien und -akkus:
- Getrennt entsorgen: Lithiumbatterien/-akkus nie in Restmüll, Altpapier oder Gelbe Tonne entsorgen, sondern zur Problemstoffsammlung der Gemeinde oder in den Handel zu den „Her mit Leer“ Boxen zurückbringen.
- Pole abkleben: Kontakte vor der Rückgabe mit Klebestreifen (besser Isolierband) gegen Kurzschluss sichern; wenn möglich Akku getrennt vom Gerät abgeben.
- Extreme Temperaturen vermeiden: Hitze über ca. +40 °C, Kälte unter ca. –10 °C
- Warnzeichen ernst nehmen: Bei Verformung, Geruch, Verfärbung oder starker Erwärmung nicht verwenden; Akku und Ladegerät prüfen.
- Passendes Zubehör: Nur kompatible / vom Hersteller empfohlene Ladegeräte bzw. Kabel verwenden.
- Lagerung: Lithiumbatterien nicht in der Nähe von brennbaren Materialien lagern.
Über die Studie: Eine Forschungsgruppe der Montanuniversität Leoben (Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft) um Elena Dvorak, Marlene Korn und Thomas Nigl hat die Entwicklung batteriebedingter Risiken – insbesondere durch Lithium-Ionen-Batterien (LIB) – in der österreichischen Abfallwirtschaft analysiert. Die Grundlage bildete ein 18-jähriges Monitoring von Brandereignissen (November 2007 bis Oktober 2025) sowie Sortieranalysen von Restmüllproben aus mehreren Bundesländern. Insgesamt wurden über zehn Tonnen Restmüll aus der Steiermark, Tirol und Vorarlberg untersucht und durch aktuelle Literaturdaten aus weiteren Bundesländern ergänzt.




















