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236-Tonnen-Trafo hat seine neue Heimat in Matrei sicher erreicht

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
3. April 2025
in Elektrotechnik
0
265-Tonnen-Trafo hat seine neue Heimat in Matrei sicher erreicht

© Martin Lugger

Nach jahrelanger Planung und generalstabsmäßiger Organisation erreichte der 236 Tonnen schwere Trafo aus dem Burgenland endlich das Umspannwerk Matrei.

Das Umspannwerk Matrei ist seit 1. April in Besitz seiner wichtigsten Komponente: Der aus dem Umspannwerk Südburgenland stammende 380/110-kV-Umspanner, wie Transformatoren noch genannt werden, wurde gestern im Zuge eines Schwertransports erfolgreich an seinen neuen „Arbeitsplatz“ geliefert. Mit einer Leistung von 200 Megavoltampere (MVA) wird er ab Sommer 2025 das österreichweite APG-Netz mit dem regionalen Verteilernetz von Tinetz verbinden und damit die Stromversorgung Osttirols wesentlich sicherer machen. Außerdem kann vor Ort erzeugter, nicht zur Gänze verbrauchter Strom aus erneuerbaren Quellen weitergeleitet und österreichweit verteilt werden.

Burgenländer-Trafo übersiedelt nach Osttirol

„Die Transformatoren der APG haben eine lange Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren. Manchmal kommt es daher vor, dass die ‚Riesen‘ den Standort wechseln“, sagt Wolfgang Ranninger, der seit zehn Jahren für Österreichs Stromnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) Umspannwerksprojekte managt. Genau das ist gerade der Fall: Im Burgenland, wo Windräder täglich enorme Strommengen produzieren, wurde im Sommer 2024 ein 380/110-kV-Transformator mit einer höheren Einspeisekapazität von 300 MVA installiert. Sein 200 MVA starker Vorgänger passt dafür exakt zu den Anforderungen am neuen Standort in Matrei – die Vorteile Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit liegen auf der Hand.

Wolfgang Ranninger APG-Projektleiter
Wolfgang Ranninger managt seit 10 Jahren Umspannwerksprojekte für APG © Martin Lugger

„Die ersten Überlegungen zur Überstellung starteten bereits 2021“, erinnert sich Ranninger an die Anfänge des generalstabsmäßig geplanten Schwertransports. Dieser erfolgte von 28. bis 30 März zunächst per Bahn ab Oberwart (BGLD) via St. Veit a der Glan (KTN) und Dölsach (T) in das Umspannwerk Lienz in Nußdorf/Debant, das direkt an das Schienennetz der ÖBB angebunden ist. Die letzte Etappe ins neue 380/110-kV-Umspannwerk Matrei, das APG und Tinetz derzeit errichten, führte über die Straße.

„Bei einem derartigen Unterfangen ist es nicht möglich, sich an die normalerweise geltenden Verkehrsregeln zu halten – dem Transport gehen jahrelange Planungs- und Abstimmungsprozesse mit verschiedensten Behörden auf gebietskörperschaftlicher Ebene voraus. Die Route wurde akribisch geprüft und Transportweg-Analysen durchgeführt, Kurvenradien und Brückenüberfahrten vermessen und teilweise sogar digital simuliert.

Wolfgang Ranninger

Reise über Berg und Tal

12 Meter lang, 4 Meter breit, 5 Meter hoch und 236 Tonnen schwer – der Transformator, ein Gigant. Das Gesamtgewicht des Transportzugs war mit 489 Tonnen sogar mehr als doppelt so schwer. Zwei LKWs mit je 630 PS waren nötig, um die Steigungen entlang der Strecke zu überwinden: einer zum Ziehen, einer um zu schieben. Die Ausfahrt aus dem Umspannwerk Lienz dauerte rund 20 Minuten.

Trafo Alpenwanderung passiert Schloss Bruck
Schwertransport passiert Schloss Bruck © Martin Lugger

Mit höchster Präzision wurde das Gefährt vom Logistik-Team aus seinem ,Parkplatz‘ gelotst: Mit 80 Metern Gesamtzuglänge, davon 42 m starre Länge, ist jede Kurve eine Herausforderung – aber die erfahrenen Techniker und insbesondere die Fahrer der Transportfirma wissen, wie man solch scharfe Manöver durchführt.

Wolfgang Ranninger

Im Vorfeld mussten entlang der Draustraße diverse Zäune und Einbauten temporär demontiert sowie eine Kurve befestigt werden. Um 19 Uhr fuhr die gigantische Transporteinheit, eskortiert von 5 Begleitautos, im Schritttempo auf die B100 und weiter Richtung Ortsdurchfahrt Lienz. Auch dort waren Adaptionen der Verkehrsinfrastruktur notwendig, zum Beispiel die Entfernung einiger Verkehrsschilder. Entlang der Strecke verfolgten hunderte interessierte Zuschauerinnen und Zuschauer mit Begeisterung das Spektakel. Bergauf durch das Iseltal galt es schließlich, den Tross auf der B108 sicher über 7 Brücken zu manövrieren.

Trafo findet Publikum im Iseltal
© Martin Lugger

Drei Brücken mussten mittels so genannter ‚Flyover‘, einer mobilen Brückenkonstruktion, die dabei hilft, das Transportgewicht zu stemmen, überfahren werden. Ein echter Drahtseilakt, bei dem der Fahrer diese temporär eingerichtete Brücke sehr langsam und gleichmäßig, ohne Bremsen oder Beschleunigen überquert – nur so kann sich das Gewicht gleichmäßig verteilen. Abrupte Bremsmanöver oder kurzfristige Beschleunigung würden zu ungewollten Belastungen auf der Brücke führen.

Wolfgang Ranninger

Die Auflage und Überquerung aller Flyover dauerte etwa 3 Stunden. Zwischen St. Johann am Walde und Huben wurde daher der Verkehr zwischenzeitlich auf die Kienburger Landesstraße umgeleitet. Abgesehen davon wurden drei andere Brücken in enger Abstimmung mit der Tiroler Landesregierung und Tinetz sogar bautechnisch verstärkt. Um den Fahrplan einzuhalten und die Verkehrsbeeinträchtigungen möglichst gering zu halten, hält das perfekt eingespielte Team permanent über Funk Kontakt und koordiniert jeden Handgriff.

Trafo Brückenüberquerung mit Flyover
Brückenüberquerung mit Flyover © Martin Lugger

Die rund 29 Kilometer lange Fahrt von Lienz nach Matrei mit einer Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h dauerte 7 Stunden. Um 01:30 Uhr fuhr der Transformator schließlich im Umspannwerk ein. Tags darauf dauert es weitere ca. 4 Stunden, bis das Schwergewicht auf seinem wasserdichten Fundament platziert ist. Zuerst wird nötiges Equipment in Position gebracht, um den Trafo vom Transporter abzulassen und auf den Zugschienen zu platzieren. Von zwei hydraulisch angetriebenen Seilzügen wird er dann Zentimeter für Zentimeter auf seinen Bestimmungsort gezogen.

Wolfgang Ranninger

Aus dem Iseltal nach ganz Österreich

„Der Transformator ist das Herz eines jeden Umspannwerks. Ab dem Sommer 2025 wird Osttirol hier in Matrei mit Strom aus dem österreichweiten Netz der APG angespeist. Oder umgekehrt: Ankommender Strom aus Wasserkraft und von Photovoltaikanlagen, der vor Ort nicht zur Gänze verbraucht werden kann, wird transformiert und weitergeleitet. Dorthin, wo er gerade gebraucht wird. Oder zu den großen Speicherkraftwerken“, erläutert Ranninger die Bedeutung der Anlage. Das Bindeglied zwischen dem regionalen 110-kV-Netz von Tinetz auf der einen und den 380kV spannungsführenden APG-Hochspannungsleitungen auf der anderen Seite ist der neue Transformator.

Tansformator erreicht APG Umspannwerk Matrei
Ankunft im APG-Umspannwerk Matrei © Martin Lugger

„Die Möglichkeit, innerhalb Österreichs erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien über weite Strecken zu transportieren, reduziert die Importabhängigkeit aus dem Ausland. Damit schaffen wir einen weiteren Beitrag zur sicheren Stromversorgung für das Iseltal, ganz Osttirol und Österreich insgesamt“, sagt Ranninger. Das Umspannwerk Matrei wird in enger Teamarbeit von den Spezialist:innen von Tinetz und APG geplant und errichtet, insgesamt belaufen sich die Investitionen für das neue Umspannwerk Matrei auf 46,5 Millionen Euro.

65 Transformatoren bis 2034

Projekte wie dieses sind der Schlüssel für die versorgungssichere Dekarbonisierung der Stromversorgung. Der APG-Netzentwicklungsplan sieht bis 2034 die Errichtung weiterer 65 Transformatoren vor. Insgesamt investiert der Netzbetreiber in diesem Zeitraum neun Milliarden Euro in den Aus- und Umbau der Netzinfrastruktur sowie deren Digitalisierung, um zukünftig alle Akteur:innen des Energiesystems für die Betriebsführung (u.a. Flexibilitäten) nutzbar zu machen. Dadurch wird die Versorgungssicherheit für Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie in Österreich erhöht und die Elektrifizierung aller Lebensbereiche sowie die Energiewende ermöglicht.

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Tags: APGStromnetzStromversorgungTrafo
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