Aus Überproduktion wird Ausbildung: Intercable bringt hunderte geprüfte Schraubendreher direkt in Österreichs Berufsschulen – und setzt damit ein praktisches Zeichen für die Nachwuchsförderung. Doch die Tour durch die heimischen Berufsschulen zeigt auch: Die großen Herausforderungen liegen nicht nur im Werkzeugkoffer…
Manchmal braucht es keinen Fördertopf, sondern schlicht ein offenes Auge – und einen Firmenchef, der nicht lange rechnet. Als Vertreter der Bundesinnung bzw. Elektriker Österreich in der Südtiroler Firmenzentrale von Intercable auf eine Überproduktion stoßen, wird aus Lagerware kurzerhand Lehrmittel: 450 isolierte, stückgeprüfte Schraubendreher, geeignet für das Arbeiten unter Spannung, finden jetzt ihren Weg in Österreichs Elektrotechnik-Berufsschulen. Möglich macht das Intercable-Eigentümer und -Chef Kurt Mutschlechner, für den die Investition in den Nachwuchs keine lästige Fußnote, sondern ein wichtiger Teil der Unternehmens-DNA ist. Deswegen zögerte er auch keinen Moment, die zu viel produzierten Schraubendreher dem österreichischen Elektriker-Nachwuchs zur Verfügung zu stellen.
Verteilt werden diese jetzt im Zuge einer Tour durch die heimischen Berufsschulen: In der steirischen LBS Eibiswald beispielsweise mit dabei waren nicht nur Elektriker Österreich-Koordinator Wolfgang Reiter, sondern auch Intercable Österreich-Chef Thomas Farthofer und der steirische Lehrlingsbeauftrage Johnann Hutter. Mit im Gepäck: Nicht nur die besagten Schraubendreher, sondern auch 40 Gürteltaschen und eine klare Botschaft: Wer morgen unter Spannung arbeitet, sollte schon heute mit dem richtigen Werkzeug üben.
Generationswandel
Im anschließenden Gespräch mit dem neuen LBS Eibiswald-Direktor Peter Temmel wurde einmal mehr die Wichtigkeit einer engen Kooperation zwischen Bundesinnung, Berufsschulen und Betrieben betont, um eben eine möglichst praxisnahe Ausbildung sicherzustellen. Dabei soll und muss die Berufsschule als gleichwertiger Partner im dualen System positioniert werden.
Wir sehen uns als Partner der Lehrbetriebe. Wir haben die Leute zwar nur zwei Monate im Jahr bei uns, aber trotzdem arbeiten wir auf ein gemeinsames Ziel hin: Einen guten, jungen Facharbeiter zu formen, der im Betrieb selbständig Arbeiten erledigen kann.
Peter Temmel
Ein zentrales Thema war in diesem Sinne auch die neue Lehrabschlussprüfung (LAP) und die teilweise recht hohen Durchfallquoten. Diese haben ihre Gründe aber oft nicht im fehlenden technischen Wissen, sondern können in sehr vielen Fällen auf das gestiegene sprachliche und textliche Anforderungsniveau (NQR 4) zurückgeführt werden.
Selbst der am besten ausgebildete Elektriker wird scheitern, wenn er die eigentliche Aufgabe nicht versteht und die schriftliche Aufgabenstellung daher nicht umsetzen kann.
Wolfgang Reiter
Generell beobachtet LBS-Direktor Temmel zunehmende sprachliche Barrieren sowie einen allgemeiner Wandel in der Arbeitsmoral jüngerer Generationen hin zu mehr Work-Life-Balance.
Wir können einen deutlichen Unterschied zwischen älteren und jüngeren Generationen festgestellt. Jüngere legen mehr Wert auf Work-Life-Balance und die 4-Tage-Woche, während die Bereitschaft zu Mehrarbeit und ehrenamtlichen Tätigkeiten (z.B. als Prüfer) abnimmt. Daran werden wir verstärkt arbeiten müssen.
Peter Temmel
Bundesinnung bietet breite Unterstützung an
Viel Arbeit wartet auf alle Verantwortlichen auch noch bei der Anpassung der Ausbildungsinhalte und Prüfungsvorbereitungen an die neuen modularen Prüfungsstrukturen. Auch hier wird es in erster Linie auf eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Bundesinnung, Berufsschulen und Betrieben ankommen. Zudem müssen auch die Prüfer intensiv geschult werden, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Klar ist jedenfalls, dass die Bundesinnung den Berufsschulen hierfür schon jetzt ihre vollumfängliche Unterstützung anbietet – etwa durch vergünstigtes Material von Industriepartnern und die Organisation von Kursen und Schulungen. „Bei Bedarf bitte einfach bei uns melden“, appelliert Reiter an die Berufsschulen.





















