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Gewerbe und Handwerk erwartet Aufschwung nach dem Winter

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Gewerbe und Handwerk erwartet Aufschwung nach dem Winter

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
29. Januar 2026
in Elektrotechnik
0
Gewerbe und Handwerk erwartet Aufschwung nach dem Winter

© KMU Forschung Austria

Das Gewerbe und Handwerk konnte die Geschäftsentwicklung 2025 noch nicht ins Positive drehen. Während Österreichs Gesamtwirtschaft im abgelaufenen Jahr laut Wirtschaftsforschern real (mengenmäßig, um Preise bereinigt) um 0,5 Prozent gewachsen sein dürfte, bleibt das Gewerbe und Handwerk mit voraussichtlich real -4,3 Prozent deutlich negativ. Diese Prognose beruht auf der vierteljährlichen Konjunkturbeobachtung von KMU Forschung Austria, deren Ergebnisse am Donnerstag von der WKO-Bundessparte Gewerbe und Handwerk präsentiert wurden.

Die Analyse belegt: Mit Preissteigerungen von 2,4 Prozent war das Gewerbe und Handwerk im abgelaufenen Jahr ein dämpfender Faktor (der Verbraucherpreisindex VPI ist in Österreich 2025 um 3,6 Prozent gestiegen). Das bedeutet aber auch, dass die Betriebe ihre Kosten nicht zur Gänze weitergeben konnten, was zulasten der wirtschaftlichen Substanz geht.

Der Ausblick auf das 1. Quartal 2026 fällt unterkühlt aus. Nur 15 Prozent der Betriebe erwarten Steigerungen ihrer Aufträge bzw. Umsätze. 27 Prozent befürchten weitere Rückgänge – somit ergibt sich ein negativer Saldo (Überhang) von 12 Prozentpunkten.

Die Erwartungshaltung in den investitionsgüternahen Branchen, die überwiegend vom Baubereich abhängig sind, fällt mit einem Saldo von -14 Prozentpunkten deutlich negativer aus als in den konsumnahen Branchen (Saldo -6 Prozentpunkte).

Die Erwartungen zeigen eine geringe Dynamik und sind weiterhin im negativen Bereich. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend ist derzeit noch nicht in Sicht.

Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria
KMU Forschung: Gewerbe und Handwerk Zusammenfassung
© KMU Forschung Austria

Trendwende bei privaten Wohnbaukrediten

„Wir hätten uns eine bessere Entwicklung erhofft, ganz überraschend kommt diese Tendenz aber nicht. Für die konjunkturelle Erholung wäre vor allem ein Anziehen der Bauleistung entscheidend. Und gerade das ist im Winter saisonal schwierig“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. Der sehr kalte Jänner habe dabei wohl auch nicht geholfen: „Wir setzen jetzt auf ein kräftiges Frühlingserwachen. Die deutlich gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten gibt uns Anlass zur Hoffnung.“

Trotz der schwierigen Konjunktursituation will das Gewerbe und Handwerk seine Beschäftigten halten: Die Planung des Personalbedarfs fürs erste Quartal 2026 zeigt (wie schon in den fünf Jahren davor) ein kleines Plus. Langfristig betrachtet ist das saisonal untypisch, denn mit den „kalten Monaten“ geht üblicherweise geringerer Personalbedarf einher.

„Das zeigt zwei Dinge: Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt die Betriebe weiterhin stark. Und es ist ein erfreuliches Indiz, dass unsere Unternehmen den Glauben an den Aufschwung nicht verloren haben“, sagt Spartenobmann Denk.

Mit Blick auf das erste Quartal 2026 gibt es einen Überhang an „Optimisten“ (mehr Betriebe mit positiven als negativen Erwartungen) bei den Personaldienstleistern und im Sicherheitsgewerbe (Saldo +14 Prozentpunkte), bei Kunststoffverarbeitern (+7 Prozentpunkte) sowie bei Fußpflege, Kosmetik und Massage (+4 Prozentpunkte). Negativ sind die Erwartungen vorrangig im Bauhilfsgewerbe (-31 Prozentpunkte), Holzbau (-30 Prozentpunkte) und bei den exportabhängigen Mechatronikern (-30 Prozentpunkte).

KMU-Strategie und Gleichstellung bei Energiepreisen

Wichtig sei es, dass eine Strategie für die produzierende Wirtschaft die vielen Klein- und Mittelbetriebe im Land inkludiert, fordert Denk: „Österreich ist ein KMU-Land. 99,6 Prozent der heimischen Betriebe fallen in diese Kategorie, sie bilden das Rückgrat der Wirtschaft. Wenn Österreich auf die Überholspur gebracht werden soll, müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.“

Dazu zähle auch die Gleichstellung bei den geplanten begünstigten Energiekosten (Stichwort Industriestrompreis). Schließlich sei von der Kostenexplosion jeder Betrieb betroffen; und auch im Gewerbe und Handwerk gibt es besonders energieintensive Branchen, etwa das Lebensmittelgewerbe (Bäcker, Fleischer, Konditoren, Nahrungs- und Genussmittelgewerbe, Müller und Mischfuttererzeuger) oder die Textilreiniger.

Valorisierung der Lehrstellenförderung gefordert

Im abgelaufenen Jahr war das Gewerbe und Handwerk mit 43.965 Lehrlingen in betrieblicher Ausbildung abermals die größte „Talenteschmiede“, mit Respektabstand. Mehr als 45 Prozent der heimischen Lehrlinge werden in Betrieben der Sparte Gewerbe und Handwerk ausgebildet. Der Rückgang um 1.455 Lehrlinge (-3,2 Prozent) ist dennoch schmerzhaft, auch wenn dieses Minus geringer ausfällt als in der Gesamtzahl über alle Sparten (-3,7 Prozent).

Spartenobmann Denk sieht darin ein „alarmierendes Zeichen für die Fachkräftesicherung – weit über das Gewerbe und Handwerk hinaus“. Die Ausbildung verlange den Betrieben einen enormen personellen wie finanziellen Einsatz ab: „Sie ermöglichen jungen Menschen damit eine persönliche wie berufliche Perspektive und tragen maßgeblich zur Integration bei.“

85 Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen ihren Einsatz folglich als Verantwortung gegenüber Branche und Region. Für 82 Prozent ist die Lehrlingsausbildung eine Form gesellschaftlichen Engagements.

Das ist ein Dienst im Interesse der Gesellschaft, der leider weder die angemessene Wertschätzung erfährt noch adäquat honoriert wird.

Manfred Denk

Angesichts der demografischen Entwicklung, der schulischen wie sozialen Defizite vieler jungen Menschen, der steigenden Bürokratiebelastungen und der mittlerweile jahrelangen Rezession sei der steigende Aufwand für viele vor allem kleinere Betriebe kaum noch zu stemmen.

Für den Staat hingegen ist ein Lehrling im Betrieb die mit Abstand günstigste Ausbildungsform. Ein Lehrling verursacht der öffentlichen Hand im Jahr 6.700 Euro Kosten (für Berufsschule und Förderung, abzüglich Rückflüssen aus SV-Beiträgen und Lohnsteuer). Ein Schüler/eine Schülerin einer berufsbildenden Schule (BMS, BHS) schlägt für den Staat hingegen mit 12.000 Euro zu Buche. Und eine Überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS kostet sogar mehr als 23.000 Euro, also mehr als das Dreifache.

Wir fordern deshalb, dass die Lehrstellenförderung als Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe gesehen und jährlich valorisiert wird, so wie das bei den Kosten von Schulen und Universitäten schließlich auch der Fall ist. Eine Kürzung kommt für uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal.

Manfred Denk

Licht und Schatten bei Bürokratie

Ein gemischtes Bild gibt es bei einem Dauerbrenner: Das erste Bürokratie-Abbaupaket, das die Bundesregierung am 3. Dezember 2025 präsentiert hatte, wurde seitens der Sparte begrüßt. Damit werden langjährige Forderungen erfüllt, etwa Erleichterungen bei Betriebsgenehmigungen oder der Errichtung von PV-Anlagen, eine verlängerte „Schonfrist“ bei Betriebsübergaben (Grace-Period) oder höhere Schwellenwerte für die Buchführungspflicht.

„Das kann aber nur der erste Schritt gewesen sein. Bürokratie-Abbau ist keine Momentaufnahme, sondern ein Dauerauftrag“, betont Denk jedoch. Er warnt vor neuen Bürokratiemonstern, die den Betrieben hohen Aufwand verursachen, ohne echten Mehrwert für Beschäftigte zu bringen – beispielsweise die Hitzeschutzverordnung, die am 1. Jänner 2026 in Kraft getreten ist.

Kritisch sieht die Sparte auch die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Diese soll die Einkommen für Beschäftigte einfacher vergleichbar machen. Allerdings gebe es allein in den Kollektivverträgen im Gewerbe und Handwerk ohnehin mehr als 600 Lohn- und Verwendungsgruppen, welche Branchenspezifika bestmöglich abbilden. Denk: „Wir haben in Österreich ein bewährtes und transparentes System. Warum wird das über den Haufen geworfen für ein bürokratisches Modell, das die betriebliche Realität gar nicht erfassen kann?“

Der Obmann erinnert die Bundesregierung an ihr Anfang Dezember getätigtes Versprechen: Damals hieß es, dass es künftig in Österreich kein „Gold Plating“ mehr geben werde. Gemeint ist damit die Absage an das Übererfüllen von EU-Vorgaben.

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Tags: Gewerbe & HandwerkKMU Forschung AustriaKonjunktur
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