Die gemeinsame Informationsoffensive von EAK, BMLUK, WKO und Kommunen soll ein Umdenken der Bevölkerung bei der Entsorgung von Lithium-Akkus bewirken und gleichzeitig vor versteckten Gefahren in Grußkarten oder E-Zigaretten aufklären.
Ob kabellose Kopfhörer, elektrische Zahnbürsten oder singende Grußkarten – moderne Alltagsgegenstände stecken voller leistungsstarker Lithium-Akkus, die oft gar nicht als solche erkannt werden. Die Folgen einer nicht fachgerechten Entsorgung sind jedoch schwerwiegend: Allein im Jahr 2025 verzeichneten heimische Entsorgungsbetriebe rund 36 schwere Brände, die teilweise auf Fehlwürfe im Restmüll und anderen Sammelfraktionen zurückzuführen sind.
Um ein Umdenken in der Bevölkerung zu bewirken und das Bewusstsein für die richtige Entsorgung zu schärfen, luden die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der Österreichische Gemeindebund und die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) zur Präsentation der Informationskampagne „Her mit Leer II“ ein.
Nach dem großen Erfolg der ersten Kampagnenphase (2021–2024) startet nun die bundesweite Fortsetzung mit Werbespots in nationalem und digitalem Radio, TV-Spots und digitalem Bewegtbild, Verkehrsmittelwerbung sowie mit einer umfassenden Social Media- und Online-Kampagne. Das Ziel ist klar definiert: Die Bevölkerung soll noch intensiver für die korrekte Rückgabe sensibilisiert werden, um das Brandrisiko in der Abfallwirtschaft, aber auch im privaten Hausmüll zu minimieren und wertvolle Rohstoffe für den Kreislauf zu sichern.
Schulterschluss von Ministerium, Wirtschaft und Kommunen
„Lithium-Akkus haben in den letzten Jahren einen technologischen Wandel ermöglicht. Doch diese Fortschrittstechnologie birgt bei unsachgemäßer Entsorgung enorme Gefahren“, erklärt Norbert Totschnig, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Ein Blick auf die EU-Daten zeigt Handlungsbedarf: Während die Sammelquote für Altbatterien in Österreich im Jahr 2022 noch etwas unter dem EU-Schnitt lag, konnte durch die erste Kampagnenphase 2023 und 2024 bereits eine deutliche Steigerung erzielt werden. Ein positiver Trend, der nun konsequent verstärkt werden muss.
„2025 verzeichneten wir 36 größere Brandereignisse in der Abfallwirtschaft, bei denen falsch entsorgte Akkus als Ursache vermutet werden. Solche Vorfälle sind ein ernsthaftes Risiko. Sie gefährden Mitarbeitende und die Funktionsfähigkeit unserer systemrelevanten Entsorgungsinfrastruktur und können bis zum Totalausfall ganzer Anlagen führen.“
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat das Ministerium bereits im September 2025 zum „Runden Tisch Batterien“ geladen. „Ein wesentliches Ergebnis dieser Expertendiskussion war die notwendige Wiederaufnahme der erfolgreichen Öffentlichkeitskampagne unter Federführung der EAK. Mit ‚Her mit Leer II‘ wollen wir die Bevölkerung umfassend aufklären und motivieren. Jeder einzelne Beitrag zählt, um die akute Brandgefahr durch Fehlwürfe, etwa von E-Zigaretten im Restmüll, zu bannen. Mein persönliches Anliegen ist es, das Bewusstsein so zu schärfen, dass Österreich bei der Sammelquote nicht nur zum EU-Schnitt aufschließt, sondern eine Vorreiterrolle in der sicheren Kreislaufwirtschaft einnimmt“, so Totschnig weiter.
Brandrisiko in den Gemeinden minimieren
Auch der Österreichische Gemeindebund sieht in der falschen Entsorgung eine wachsende Belastung für die lokale Infrastruktur. „Ich bitte alle inständig, Batterien gesondert zu entsorgen. Denn fast täglich brennt es irgendwo in einer Müllentsorgungsanlage, weil sich Batterien durch mechanische Beschädigungen im Zuge einer Behandlungsanlage entzündet haben“, warnt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. Die Gemeinden erleichtern den Bürger:innen diesen Weg bereits an mehr als 2.000 angebotenen Sammelstellen.
Laut Pressl werden die Brände in der heimischen Abfallwirtschaft zunehmend zur Herausforderung für die Kommunen. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, diese Risiken deutlich zu reduzieren und gleichzeitig für die Wiederverwertung der Rohstoffe zu sorgen. Die Gemeinden stehen bereit, ihren Teil zu leisten. Jetzt gilt es, die Bevölkerung noch stärker mitzunehmen. Denn jede richtig entsorgte Batterie ist ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz und zur Sicherheit in unseren Gemeinden.“
Neue EU-Vorgaben erfordern konsequentes Umdenken
„Die neue EU-Batterieverordnung stellt uns vor ambitionierte Ziele: Während wir in Österreich mit einer aktuellen Sammelquote von 53 % die derzeitige Marke von 45 % übertreffen, wird diese ab 2028 auf 63 % und bis 2031 sogar auf 73 % angehoben“, erklärt Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der EAK.
„Diese verbindlichen Vorgaben sind rechtlich wegweisend, doch die bloße Anhebung der Quote reicht nicht aus, es muss die Berechnungsmethode seitens der EU angepasst werden. Das drängendste Problem sind die gestiegenen Brandereignisse in Recyclingbetrieben, die durch die falsche Entsorgung von Lithium-Akkus im Restmüll und anderen Sammelfraktionen entstehen – eine Gefahr für Mensch und Umwelt, die wir nur durch ein konsequentes Umdenken in den Griff bekommen.“

Fachhandel als zentraler Partner und Rücknahmestelle
„Als flächendeckende Nahversorger und zentrale ‚Touchpoints‘ für die Bevölkerung sehen wir uns im Elektro- und Einrichtungsfachhandel als unverzichtbare Partner für die sichere Rücknahme von Batterien“, betont Robert Pfarrwaller, Obmann des entsprechenden Bundesgremiums in der WKO.
„Wir beobachten die Zunahme von Lithium-Akkus mit großer Sorge, da falsch entsorgte Batterien im Restmüll zur gefährlichen ‚tickenden Zeitbomben‘ für Entsorgungsbetriebe werden. Um schwere Brände zu verhindern, leistet der stationäre Handel eine enorme, oft risikobehaftete Zusatzleistung: Wir nehmen als kostenloses Service auch Altbatterien aus Onlinekäufen in Drittstaaten an und sorgen für deren hochprofessionelle Entsorgung. Mit der Unterstützung von ‚Her mit Leer II‘ appellieren wir eindringlich an die Konsument:innen, Akkus nicht zu Hause zu lagern oder im Hausmüll zu entsorgen, sondern die unkomplizierte Rückgabe direkt beim nächsten Einkauf im Fachhandel zu nutzen. Nur durch diese gemeinsame Kraftanstrengung sichern wir wertvolle Ressourcen und schützen unsere Infrastruktur.“
Plakative Visuals „Hermit & Li-Zifer“
Obwohl das Wissen der Bevölkerung über die richtige Entsorgung von Lithium-Akkus seit 2016 stetig gestiegen ist, stimmt das Bewusstsein oft nicht mit dem tatsächlichen Handeln überein. „Information allein reicht nicht mehr aus – wir müssen eine Verhaltensveränderung herbeiführen. Genau hier setzt ‚Her mit Leer II‘ an. Wir wollen die Menschen direkt in ihrem Alltag erreichen. Nur wenn wir die Rückgabe und die Entsorgung so selbstverständlich und einfach machen wie den Neukauf, können wir die Brandgefahr minimieren und wertvolle Rohstoffe dauerhaft im Kreislauf halten“, erklärt Giehser.
Das Kampagnen-Ziel ist die flächendeckende Sensibilisierung der österreichischen Bevölkerung über alle Alters- und Sozialschichten hinweg. Daher wird die Kampagne mit der wohl bekanntesten Batterie Österreichs, „Hermit“, fortgesetzt und damit eine inhaltliche Wiedererkennung zum Thema erzeugt. Er ist die personifizierte sichere Batterie und praktischer Helfer im Alltag. Allerdings hat Hermit nun ein „zweites“ Gesicht: sein Alter-Ego „Li-Zifer“. Wenn man ihn falsch entsorgt, dann geht es mit ihm durch – und Li-Zifer erscheint.
Hermit und Li-Zifer bilden das einprägsame Key-Visual-Duo und illustrieren als komplementäre Charaktere den schmalen Grat zwischen Alltagsnutzen und Brandgefahr. Ein sicheres Produkt wird erst durch menschliches Fehlverhalten – die falsche Entsorgung – zur Gefahr. Der begleitende Slogan „Sei kein Zündler“ vermittelt die klare Botschaft: „Von Menschen falsch entsorgte Batterien verursachen Brände und schaden Umwelt und Abfallwirtschaft.“
Breit gefächerter Maßnahmen-Mix
Die Kampagne rollt mit April 2026 für eine Dauer von drei Jahren mit einer intensiven Hörfunk-Präsenz in nationalen und digitalen Radios an, um rasch maximale Aufmerksamkeit zu generieren. Zudem sollen auch TV-Spots und digitales Bewegtbild, nationale Out-Of-Home-Werbung und Verkehrsmittelwerbung verstärkt die Gefahr von Lithium-Akkus im Alltag visuell greifbar machen.

Flankierend dazu dient die Landingpage hermitleer.at als zentrale Informationsplattform. Hier finden Konsument:innen in sieben Sprachen Tipps zur Handhabung, Entsorgungshinweise sowie den praktischen Sammelstellenfinder. Um die notwendige Verhaltensänderung tief zu verankern, wird die Kampagne durch eine breit angelegte Social-Media- und Online-Kampagne ergänzt, die den Dialog mit der Bevölkerung fördert.




















