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HV-Studie: Stationärer Einzelhandel erlebt Comeback

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
3. Juni 2026
in Branche
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HV-Studie: Stationärer Einzelhandel erlebt Comeback

© Handelsverband

Die österreichischen Haushalte gaben 2025 insgesamt 80,7 Mrd. Euro für Wareneinkäufe im Einzelhandel (ohne KFZ) aus. Die Einzelhandels-Ausgaben wuchsen damit nominell um 2,6 %. Inflationsbereinigt (real) lag das Wachstum bei +0,8 %. Die Ausgaben im E-Commerce legten mit +4,1 % etwas stärker zu als die allgemeine Preisentwicklung. Das zeigt die aktuelle Analyse „Handel in Zahlen“ von Kreutzer Fischer & Partner (KFP) im Auftrag des Handelsverbands.

„Der stationäre Handel bleibt mit einem Anteil von 87 Prozent der mit Abstand wichtigste Einkaufskanal in Österreich. Heute entscheidet aber nicht mehr die Frage online oder offline über den Erfolg, sondern welcher Vertriebskanal am besten zum jeweiligen Produkt und Konsum-Moment passt. Während manche Branchen weiterhin stark digital wachsen, erleben andere Warengruppen wie Mode oder Sportartikel eine Renaissance des stationären Einkaufs“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des freiwilligen, überparteilichen und unabhängigen Handelsverbands.

„Abseits des Einzelhandels steigen vor allem die Haushaltsausgaben für persönliche Dienstleistungen (+8,8 %), Sportaktivitäten (+8,3 %), Wohnungsaufwand sowie medizinische Behandlungen (je +7,3 %) besonders deutlich“, berichtet Andreas Kreutzer, Studienautor und Geschäftsführer von KFP.

Lebensmittelhandel: weniger Online & Alkohol

Mit 32,1 Mrd. Euro (+2,9 %) entfallen fast 40 % aller Einzelhandels-Ausgaben auf Nahrungs- und Genussmittel. Dabei zeigt die Studie einige bemerkenswerte Verschiebungen im Ausgabeverhalten der der Österreicher:innen: So steigen die Ausgaben für Convenience-Sortimente (also etwa Fertiggerichte und To-Go-Produkte) innerhalb nur eines Jahres um +7,3 %. Alkoholische Getränke verlieren hingegen mit -4,1 % spürbar an Beliebtheit.

Gleichzeitig büßt der Online-Lebensmittelhandel weiter an Bedeutung ein – und zwar bereits das vierte Jahr in Folge. Die Online-Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel sinken im Vorjahr um -4,6 %, der Online-Anteil geht auf nur noch 2,2 % zurück. Besonders stark fällt dieser Rückgang bei alkoholfreien Getränken (-19,3 %) sowie im Convenience-Sortiment (-11,6 %) aus.

Hintergrund: Aufgrund der geringen Margen und nicht zuletzt der Einführung des Einwegpfandes hatten sich im Vorjahr mehrere große Lebensmittelketten aus dem kostenintensiven Zustellgeschäft zurückgezogen.

Wachstumstreiber Gesundheitsmarkt

Einer der größten Wachstumstreiber des Jahres ist hingegen der Gesundheitsmarkt. Die Ausgaben für Medikamente, Drogeriewaren und Kosmetik wachsen um 4,5 %, wobei hier insbesondere Medikamente (+8,6 %) hervorstechen. Aber auch der Bereich der dekorativen Kosmetik sowie Parfüms entwickelte sich sehr erfreulich (+5,1 %). Gleichzeitig wachsen im Segment Medikamente, Drogerie & Kosmetik die Online-Ausgaben deutlich überdurchschnittlich (+13,5 %).

„Gerade bei rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten sehen wir eine massive Digitalisierung des Konsums. Der Preisvergleich, die hohe Verfügbarkeit und die steigende Online-Affinität breiter Bevölkerungsschichten treiben diesen Markt stark an“, so Handelssprecher Rainer Will.

Mode- und Sporthandel wächst

Im Modehandel zeigt sich eine bemerkenswerte Trendwende. Der Gesamtmarkt für Bekleidung und Schuhe legt deutlich um +3,3 % zu, erstmals steigen jedoch die Online-Ausgaben spürbar unterdurchschnittlich um nur +1,7 %. Als Folge sinkt der Onlineanteil an den Ausgaben auf 29,3 %. Damenmode bleibt mit einem Online-Anteil von 32,8 % die am stärksten digitalisierte Fashion-Kategorie, Herren sind beim Modekauf mit einem Online-Anteil von 23,4 % deutlich weniger online-affin. Überraschend stark entwickelt sich der Schuhhandel (+8,3 %). Der Online-Anteil sinkt auch hier leicht auf 28,0 %.

Eine ganz ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den Sportartikeln: Hier steigen die Ausgaben um +3,6 %, während der Online-Anteil auf 14,8 % zurückgeht. Hintergrund hier: Das boomende Verleihgeschäft bei Sportgeräten wie Fahrrädern oder Ski, das um +9,5 % wuchs und bereits für mehr als 700 Mio. Euro Umsatz verantwortlich ist. Das ist bereits mehr als ein Viertel des gesamten Sportmarktes von rund 2,5 Mrd. Euro.

Umbruch im Markt für Haus & Einrichtung

Kaum eine Branche befindet sich derzeit in einem so tiefgreifenden Strukturwandel wie der Einrichtungsmarkt. Sowohl die Ausgaben für Produkte für Wohnbau & Wohnbausanierung (-0,9 %) als auch für Wohnungseinrichtung (-1,1 %) gehen leicht zurück. Gleichzeitig wachsen insbesondere bei der Wohnungseinrichtung die Online-Ausgaben stark (+12,4 %). Hintergrund sind hier einerseits die Krise beim Wohnungsneubau, andererseits die Großinsolvenzen im Möbelhandel, die regional zu Lücken im stationären Einrichtungshandel führten.

„Das schlechte Konsumklima und die wieder anspringende Inflation waren im Vorjahr maßgeblich dafür verantwortlich, dass die privaten Haushaltsausgaben nicht rascher wuchsen und dass man insbesondere bei Investitionen in Haus & Heim auf der Bremse stand“, sagt Andreas Kreutzer.

Handel in Zahlen (Einzelhandel 2025)
© Handelsverband

Höchste Online-Anteile bei Erotik, Buch und Elektronik

Deutlich besser entwickelt haben sich die Ausgaben für Elektro- und Elektronikgeräte (+ 2,8 %), wobei hier insbesondere das überdurchschnittliche Wachstum der Online-Ausgaben (+5,2 %) hervorsticht. Insgesamt liegt der Online-Anteil im Segment Elektro/Elektronik bereits bei 33,6 %. Als größter Gewinner im Elektronikmarkt hat sich die Kategorie Videospiele und Spielcomputer (+14,4 %) herauskristallisiert. Hier liegt der Online-Anteil an den Ausgaben bereits bei 68 % – ein Wert, der innerhalb des gesamten Einzelhandels nur noch bei den Erotikartikeln (82 %; Ausgaben: +8,2 % gegenüber 2024) überschritten wird.

Einen ebenfalls sehr hohen Online-Anteil gibt es im Bereich der Bücher und Zeitschriften. Hier haben sich die Gesamtausgaben im Vorjahresvergleich um +1,5 % gesteigert, der Online-Anteil ist dabei auf 39,1 % gestiegen.

Trend zu Dienstleistungen für Handel nutzen

„2025 war abermals ein Jahr, in dem die Ausgabe für Dienstleistungen stärker zugelegt haben als jene für Wareneinkäufe. Dabei hat sich in der Struktur jedoch einiges verändert. Anders als in den Vorjahren stiegen die Ausgaben für Freizeitaktivitäten, Gastronomie und Urlaub vergleichsweise moderat, jene für persönliche Dienstleistungen und medizinische Behandlungen jedoch deutlich stärker“, resümiert Studienautor Andreas Kreutzer.

„Der Handel entwickelt sich immer stärker entlang konkreter Konsumbedürfnisse. Manche Produkte profitieren von Beratung, Verfügbarkeit und Einkaufserlebnis vor Ort, andere von Komfort und digitaler Vergleichbarkeit. Den Trend in Richtung Dienstleistungsgesellschaft kann sich auch der Handel zunutze machen. Das zeigen die hervorragende Entwicklung bei Convenience-Produkten im Lebensmittelhandel oder das boomende Verleih-Geschäft im Sporthandel“, so Rainer Will abschließend.

Factbox: Die 5 wichtigsten Insights der Studie „Handel in Zahlen“

  • Die Ausgaben der privaten Haushalte im Einzelhandel wachsen im Jahr 2025 mit +2,6 % deutlich unter der allgemeinen Inflationsrate von 3,6 %. Erstmals knacken sie die Marke von 80 Milliarden Euro.
  • Abseits des Einzelhandels steigen vor allem die Haushaltsausgaben für persönliche Dienstleistungen (+8,8 %), Sportaktivitäten (+8,3 %), Wohnungsaufwand sowie medizinische Behandlungen (je +7,3 %) besonders deutlich.
  • Der stationäre Handel behauptet sich mit einem Anteil von 87,5 % an den gesamten Einzelhandels-Ausgaben als weitaus wichtigster Einkaufskanal.
  • Die Online-Umsätze wachsen im Vorjahr um +4,1 %, der Online-Anteil steigt damit von 12,3 auf 12,5 % an den einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben.
  • Mit 32,1 Mrd. Euro (+2,9 %) entfallen fast 40 % aller Einzelhandels-Ausgaben auf Nahrungs- und Genussmittel.

Über die Studie „Handel in Zahlen“

„Österreichs Handel in Zahlen“ ist eine exklusiv für den Handelsverband erstellte Auskopplung der Studie „Private Haushaltsausgaben in Österreich“, die vom Beraternetzwerk Kreutzer Fischer & Partner jährlich erstellt wird und für den freien Verkauf bestimmt ist. Der Report bietet das präziseste Bild der Handelslandschaft und der Konsumentenausgaben in Österreich für die Jahre 2016 bis 2025 und geht tief in die einzelnen Produktgruppen hinein.

Die Studie „Handel in Zahlen 2025“ können Sie hier kostenpflichtig bestellen.

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Tags: EinzelhandelHandelHandelsverbandStudie
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