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PV Austria: Batteriespeicher gegen hohe Strompreise

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
17. Juni 2026
in Elektrotechnik
0
PV Austria empfiehlt Batteriespeicher gegen hohe Strompreise

© PV Austria

Eine Fingreen Analyse im Auftrag von PV Austria zeigt wie Batteriespeicher überschüssige Energie von den PV-Anlagen in die teuren Abendstunden verschieben könnten.

Die Photovoltaik hat sich in Österreich mit rund 15 % Anteil am heimischen Stromverbrauch zur zweitwichtigsten Stromquelle entwickelt. Während an sonnigen Tagen oder Wochenenden mehr Sonnenstrom zur Verfügung steht als unmittelbar benötigt wird, bleibt die Stromnachfrage in den Abendstunden hoch und muss bislang häufig durch teure, fossile Stromimporte gedeckt werden. Eine Analyse von Fingreen im Auftrag der PV Austria zeigt: Der gezielte Ausbau von Batteriespeichern kann heimisch erzeugten Sonnenstrom in die verbrauchsstarken und teuersten Abendstunden verschieben und damit die Strompreise nachhaltig senken.

Gespeicherte Abendstunden

Die Energiewende tritt in Österreich in eine neue Phase: Während der Ausbau der Photovoltaik in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen hat, rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, wie der erzeugte Sonnenstrom optimal genutzt und zeitlich bedarfsgerecht bereitgestellt werden kann. In den letzten drei Jahren waren die Strompreise in den teuersten vier Abendstunden um durchschnittlich rund 70 % höher als in den restlichen Stunden. Mit einem gezielten Ausbau von Batteriespeichern könnte man den heimisch erzeugten Sonnenstrom genau in diese verbrauchsstarken Abendstunden verschieben und damit die Strompreise nachhaltig senken.

Schematische Darstellung Speicherung für Abendstunden scaled
© PV Austria

Batteriespeicher – egal ob klein oder groß – können einen wesentlichen Beitrag leisten, um hohe Strompreise für alle Konsumentinnen und Konsumenten spürbar zu senken. Der große Bonus für Österreich liegt in der Kombination aus netz- und gleichzeitig marktdienlicher Nutzung, statt einer Abregelung von Erzeugungsanlagen in Zeiten mit negativen Strompreisen.

Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender von PV Austria

Könnte Österreich seine aktuelle Batteriekapazität mit einem Schlag verfünffachen, wäre es schon heute möglich, an 60 Sommertagen den teuren Strombedarf in den Abendstunden mit überschüssigem PV-Strom zu decken. Der Strompreis könnte damit in den Abendstunden, wo derzeit regelmäßig hohe Preisspitzen auftreten, deutlich gesenkt werden. Alleine in den Sommermonaten liegt die errechnete Einsparung bei rund 150 Mio. EUR pro Jahr. Notwendig wäre dafür eine Speicherkapazität von bis zu 16 Gigawattstunden (GWh).

Mit dem Ausbau der Photovoltaik in Kombination mit Batteriespeichern können wir die teuren Preisspitzen in den Abendstunden glätten und alleine in den Sommermonaten Kosten in der Höhe von bis zu 150 Mio. Euro im Stromsystem einsparen, wobei hier verringerte Netzausbaukosten und Einsparungen bei den Redispatchkosten noch nicht eingerechnet sind. Diese erstmals verfügbaren Zahlen zeigen sehr deutlich den dringenden Handlungsbedarf auf.

Lukas Stühlinger, Autor der Analyse und Managing Partner bei Fingreen
Entwicklung Batterieleistung scaled
Deckung Abendbedarf durch PV Batterie Anteil Tage scaled
© PV Austria

Unter den richtigen Rahmenbedingungen steht einer schnellen Umsetzung nichts im Wege. So könnten Batteriespeicher auch kurzfristig für eine spürbare Entlastung am Strommarkt, für mehr Energieunabhängigkeit in Österreich und für günstige Preise sorgen.

Herbert Paierl
Batteriekapazität Bedarf
© PV Austria

Batterieprojekt Bulgarien

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Österreich beim Batteriespeicherausbau deutlich zurück. So weisen Bulgarien und Österreich beispielsweise ein vergleichbares Verhältnis von Spitzenverbrauch zu installierter PV-Leistung (wenngleich die absoluten Zahlen in Bulgarien um rund 1/3 niedriger sind) auf. Dennoch verfügt Bulgarien bereits über deutlich mehr – direkt ans Stromnetz angeschlossene – Batteriespeicherleistung im Verhältnis zur installierten PV-Leistung als Österreich.

Bulgarien hat bereits zahlreiche Groß-Batterieprojekte mit mehreren hunderten Megawattstunden umgesetzt. Durch den dortigen Batterieausbau sinken bereits an manchen Tagen die abendlichen Stromspitzen am Day-Ahead- und Intradaymarkt, da die Batterie-Flotte in diesen Stunden ausspeist und teure Stromquellen, v.a. Braunkohle, aus der Merit-Order drängt. Das ist bemerkenswert, da Bulgarien einen deutlich höheren Anteil an fossiler Energie als Österreich hat, aber auch weil das Land stark am hohen rumänischen und griechischen Strompreis hängt.

Raphaela Hein, Power Market Expert Enery und designiertes Vorstandsmitglied von PV Austria

Als Energiemarkt-Expertin ist Hein für den wirtschaftlichen Einsatz von Batterieprojekten in ganz Europa zuständig und kennt daher sehr gut die Vorteile von Batteriespeicher für das Gesamtsystem. Die Hauptrolle für den raschen Speicherhochlauf in Bulgarien spielten einheitliche Netzentgelte, die Speicher nur für die Eigenverluste zahlen, und das derzeitige Marktumfeld. Außerdem halfen staatliche Förderungen und der politische Wille, Netzzugänge in der Nähe von Umspannwerken zu bewilligen, dem zügigen Ausbau.

Fünf Maßnahmen zum Speicherhochlauf

Fingreen analysierte unterschiedlicher Betriebsweisen und leitete darauf aufbauend Maßnahmen für den erfolgreichen Batterieausbau ab. Sehr deutlich wird, dass nun der Regulator an der Reihe ist rasch entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um das Potenzial von Batteriespeichern für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und leistbare Strompreise nutzbar zu machen. Als Kompetenzzentrum für Photovoltaik und Stromspeicherung fordert PV Austria fünf zentrale Maßnahmen:

  1. Ausbau und Vereinfachung der EAG-Investitionsförderung für kleine Batteriespeicher bei neuen und bestehenden PV-Anlagen. Damit kann der Eigenverbrauch optimiert und ein Mehrwert für das Gesamtsystem geschaffen werden.
  2. Erhalt der EAG-Marktprämie für Photovoltaik-Strom, der zwischengespeichert und zeitversetzt ins Netz eingespeist wird. Mit einer raschen Umsetzung der „Technischen und Organisatorischen Regeln (TOR) Messwesen“ können die energiewirtschaftliche Erfassung und Zuordnung der Strommengen klar und praxisgerecht geregelt werden.
  3. Einführung einer Netzentgeltbefreiung für den Strombezug von Batteriespeichern aus dem öffentlichen Netz, um deren Potenzial ganzjährig nutzen zu können. Dies sollte sowohl für Batteriespeicher direkt bei PV-Anlagen als auch für Stand-alone-Lösungen gelten und muss über die Systemnutzungsentgelte-Verordnung eindeutig geregelt werden.
  4. Umfassende Daten und mehr Transparenz bei Netzbetreibern über Flexibilitätsbedarf, Dauer von Netzeinschränkungen und verfügbare Netzkapazitäten schaffen. Dies ermöglicht Planungssicherheit und wirtschaftliche Kalkulierbarkeit.
  5. Österreichweit einheitliche und vereinfachte Regelungen für die Nachrüstung von Batteriespeichern bei bestehenden PV-Anlagen, um bestehende Stromerzeugungsanlagen ökonomisch optimal zu erweitern.

Tags: BatteriespeicherPV AustriaStatistikVersorgungssicherheit
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