Mario Fasching beschäftigt sich mit der Frage nach dem Fachkräftemangel im Reparaturdienst und ob es diese überhaupt gibt.
Wir schreiben das Jahr 2026. In der Industrie folgt eine Kündigungswelle auf die andere. Täglich berichten die Medien über Insolvenzen von Traditionsbetrieben. Seit April 2023 steigen die Arbeitslosenzahlen kontinuierlich.
Haben wir also noch Fachkräftemangel?
Bezüglich der Reparatur von Haushaltsgeräten hat sich an dieser Frage nichts geändert. Es gab nie Fachkräfte und es gibt sie auch heute nicht. Zumindest nicht im klassischen Sinn. Denn das Berufsbild des Hausgeräte-Reparierers existiert nicht. Damit stellt sich die Frage nach dem Fachkräftemangel gar nicht. Reparieren dürfen all jene, die einen elektrotechnische Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Am liebsten sind Reparaturbetrieben Mechatroniker, dicht gefolgt von Elektrotechnikern und anderen „artverwandten“ Berufen. Diese Berufsgruppen sind berechtigt, Geräte zu reparieren, müssen allerdings erst lernen, wie Reparatur wirklich funktioniert.
Und das dauert. Rund drei Jahre lang lernen sie in Reparaturfachbetrieben, wie Hausgeräte funktionieren, wie man Fehler eingrenzt, wie man im Vor-Ort-Service beim Kunden auftritt, wie man sich durch den digitalen Dschungel der technischen Dokumentationen arbeitet, wie man die richtigen Ersatzteile findet und wie man all das am Ende auch noch sauber digital dokumentiert. Das kostet Zeit, Geld und Ressourcen. Machen wir uns also auf die Suche nach denen, die berechtigt sind, Geräte zu reparieren und gleichzeitigt dazu befähigt sind. Da wird die Luft schon dünner, die Gehaltsvorstellungen jedoch umso größer.
Wer bewirbt sich?
Kürzlich sitzt ein sehr netter und fähiger Bewerber vor mir. Nach 20 Jahren Berufserfahrung in der Industrie ist er nun auf Jobsuche. Als wir im Gespräch zum Thema Gehaltsvorstellungen kommen, sagt er: „Geld ist nicht alles“, und konkretisiert: „Ich habe 120.000 Euro plus Boni verdient. Mir ist klar, dass ich das nicht mehr bekomme.“ Nach kurzer Diskussion präzisiert er: „Mit 100.000 komme ich aus.“ Was er dabei übersieht: Beides sind Gehaltsdimensionen, die im Gewerbe undenkbar sind. Sind das also die einzigen Fachkräfte, die uns als Kleinunternehmer überhaupt noch zur Verfügung stehen?
Die Anzahl der Bewerbungen sprechen eine andere Sprache: Es ist noch nicht lange her, da waren wir froh, wenn sich ein oder zwei Kandidaten gemeldet haben. Wenn diese dann noch glaubhaft versichern konnten, sich mit einem Schraubendreher nicht selbst zu verletzen, war das unser Mann oder, zugegeben selten, unsere Frau. Heute kommen zumindest zehn Bewerber auf eine ausgeschriebene Stelle als Kundendiensttechniker. Die Wahrscheinlichkeit steigt also deutlich, dass jemand den Schraubendreher an der richtigen Seite anfasst. Vielleicht ist es gelernte Ignoranz. Vielleicht auch eine durch Erfahrung entstandene Scheuklappe, wenn ich sage: Es gab nie Fachkräfte fürs Reparieren. Es gibt keine Fachkräfte fürs Reparieren. Also haben wir auch keinen Fachkräftemangel.
Mario Fasching, Geschäftsführer der ESECO GmbH
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