2025 war für das Gewerbe und Handwerk in Österreich das sechste Jahr in Folge mit einem realen Rückgang der Geschäftstätigkeit: Das bestätigen die endgültigen Zahlen von KMU Forschung Austria. Das nominelle (wertmäßige) Umsatzminus von 0,6 Prozent und das reale (mengenmäßige/preisbereinigte) Minus von 3,3 Prozent fielen aber weniger negativ aus als zu Jahresbeginn erwartet.
„Wir sehen jetzt zumindest zarte Anzeichen für einen Aufschwung: Erstmals verzeichneten baunahe Branchen zu Jahresbeginn 2026 wieder deutliche Steigerungen im Auftragsbestand. Das könnte ein Vorbote einer Trendwende am Bau sein, die nach und nach in den nachgelagerten Branchen ankommen sollte“, übt sich Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), in Zweckoptimismus.
Zu den Hoffnungsfrohen mit positiven Werten zählen etwa Maler und Tapezierer (+10,7 Prozent Auftragsbestand gegenüber Q1/2025), die Hafner, Platten- und Fliesenleger (+14 Prozent), das Baugewerbe (+15,5 Prozent) oder die chemischen Gewerbe, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (+20 Prozent). Schlimm ist die Situation hingegen bei den Elektro-, Gebäude-, Alarm und Kommunikationstechnikern: Gegenüber dem 1. Quartal 2025 ist der Auftragsbestand um satte 18 % zurückgegangen. Nur die Gärtner und Floristen hat es mit einem Rückgang von 19,8 % noch schlimmer getroffen – das vor allem wetterbedingt.
Einige Fragezeichen bleiben auch abseits der geopolitischen Konfliktherde. Die genannten Auftragssteigerungen gehen nämlich von recht niedrigem Niveau aus. Und unterm Strich stand im Jahresauftaktquartal 2026 bei den Aufträgen der investitionsgüternahen Branchen immer noch ein (geringfügiges) Minus von 1,7 Prozent.
In den konsumnahen Branchen war die Entwicklung im ersten Quartal hingegen stärker negativ: Nur 13 Prozent der Betriebe berichten von Umsatzsteigerungen, 33 Prozent meldeten Rückgänge. Somit bleibt der Saldo mit -20 Prozentpunkten deutlich negativ und ist sogar weiter abgesackt. Noch auf der besseren Seite lagen Fußpfleger, Kosmetiker, Masseure mit einem negativen Saldo von -3 Prozentpunkten, am schwierigsten war die Lage für Fahrzeugtechnik (-34 Prozentpunkte), Berufsfotografie (-33), Mechatronik (-28) und Lebensmittelgewerbe (-21).
Investitionen so tief wie nie
Die große Unsicherheit bildet sich auch in den Investitionen ab – nur 36 Prozent der Betriebe tätigten solche im Jahr 2025. Diese fielen zudem mit 3.100 Euro je Beschäftigten um 10 Prozent niedriger aus als im Jahr davor. „Die Betriebe sind sehr vorsichtig. Das ist der niedrigste Wert seit 2010, seit wir diesen Indikator erfassen. Sogar im Corona-Jahr 2020 lagen die Investitionen mit 3.800 Euro je beschäftigter Person deutlich höher“, erklärt Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria.
Für 2026 wird ebenfalls sehr verhalten geplant: Nur 34 Prozent der Betriebe wollten Investitionen tätigen. Und auch der sonst saisonbedingt hohe Personalbedarf ist mit +7,7 Prozent für ein zweites Quartal unüblich niedrig.
Kosten sind größte Herausforderung fürs Gewerbe
Bei den Herausforderungen, mit denen die Betriebe aktuell zu kämpfen haben, dominieren die Kostenfaktoren. Die Top-Nennungen sind:
- Steuern und Abgaben (von 54 Prozent der Betriebe genannt)
- Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien (50 Prozent)
- Bürokratie und Verwaltung (46 Prozent)
- Arbeitskosten (46 Prozent)
- Preiskonkurrenz (44 Prozent)
- Preissteigerungen bei Energie (43 Prozent)
- Fachkräftemangel (36 Prozent)
- Schwache Kundennachfrage (35 Prozent)
Die Befragung startete kurz vor der Eskalation des Iran-Konfliktes, die stark gestiegenen Energiekosten sind somit nur teilweise abgebildet. „Die Betriebe brauchen jetzt dringend Planungssicherheit und Entlastung von den hohen Energiekosten. Die Lehre aus den vorangegangenen Krisen ist: Wer rasch die Kosten dämpft, verhindert eine Inflationsspirale, die dem Standort abermals massiv schaden würde“, betont Denk.
Er fordert, dass energieintensive Branchen im Gewerbe und Handwerk bei Kompensationszahlungen nach dem Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) ebenfalls berücksichtigt werden. Eine effektive und wirkungsstarke Wettbewerbskontrolle soll national und auf EU-Ebene verhindern, dass Großlieferanten die Krise als Vorwand für Angebotsverknappungen oder Preissteigerungen nützen. Und die strategische Gasreserve in Österreich soll dazu beitragen, Preisspitzen zu vermeiden.
Zu wenig Unterstützung bei Ausbildung
Ein dringliches Thema ist auch die Ausbildung von Lehrlingen. Das Gewerbe und Handwerk war mit knapp 44.000 Lehrlingen Ende 2025 weiterhin der mit Abstand größte Lehrlingsausbilder des Landes. Die Betriebe klagen jedoch über mangelnde Unterstützung, während der Aufwand massiv gestiegen ist – zeitlich, personell, finanziell. Denk weist darauf hin, dass sich die Lehrlingseinkommen in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben. „Die Ausbildungsbetriebe investieren pro Jahr 3 Milliarden Euro in die Lehrlinge. Sie sorgen dafür, dass die Lehre attraktiv bleibt. Es ist der Staat, der sich aus der Verantwortung stiehlt.“
Oftmals sollen die Betriebe in drei Lehrjahren kompensieren, was das staatliche Schulsystem in neun Jahren nicht geschafft hat. Und auch die Unterdeckung bei der Betrieblichen Lehrstellenförderung ist immer noch ungelöst. Die Auszahlung der Förderung – die maximal 15 Prozent der Lehrlingseinkommen abdeckt, den Rest finanzieren die Betriebe – wird weiterhin von Sozial- und Finanzministerium blockiert.
Denk fordert eine nachhaltige und dauerhafte Finanzierung, eine Kürzung der Lehrlingsförderung sei völlig inakzeptabel. Er will ein klares Bekenntnis zur Lehrlingsausbildung von allen, denen die Zukunft junger Menschen in Österreich am Herzen liegt: „Wollen wir, dass unsere Jugend in den Betrieben weiterhin eine klare berufliche Zukunft vor Augen hat? Oder wollen wir, dass sie fürs AMS ausgebildet werden?“






















