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Brandgefährlich: Akkus im Restmüll

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
17. Februar 2026
in Panorama
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© Ernst Derfeser

© Ernst Derfeser

Die EAK, das BMLUK und der Bundesfeuerwehrverband veranschaulichten mit Experimenten in Wien-Inzersdorf die Brandgefahr bei falsch entsorgten Akkus.

Anlässlich des „Tages der Batterie“ (18.2.) luden die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie der Österreichische Bundesfeuerwehrverband zu einem Medientermin der besonderen Art. Auf dem Gelände der Saubermacher Dienstleistungs AG in Wien-Inzersdorf wurde mittels eines Live-Experiments eindrucksvoll demonstriert, welche zerstörerische Kraft in falsch entsorgten Lithium-Akkus steckt. Im Fokus standen dabei die massiven Gefahren für Mensch, Umwelt und die wirtschaftlichen Folgen für Entsorgungsbetriebe.

Vom Alltagsschrott zum Müllbrand

Ob Einweg-E-Zigaretten, Laptops, kabellose Kopfhörer oder elektrische Zahnbürsten – die sehr leistungsstarken und daher sehr praktischen Lithium-Akkus sind aus dem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch bergen sie auch ein enormes Gefahrenpotential: Laut Schätzungen der Montanuniversität Leoben landen in Österreich jährlich rund 3 Mio. Stück Lithium-Batterien im Restmüll statt in der fachgerechten Sammlung – das entspricht rund 2 Stück pro Tonne Abfall. In den nächsten Jahren könnte sich die Anzahl der im Restmüll befindlichen Lithium-Batterien durch immer mehr Altgeräte auf rund 6 Mio. Stück pro Jahr verdoppeln. Laut dem Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) gab es im Jahr 2025 insgesamt 36 größere Brandereignisse in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben, wo in mehreren Fällen falsch entsorgte Lithium-Batterien und -Akkus als Brandursache vermutet werden.

Die Abfallwirtschaft ist eine tragende Säule unseres Wirtschaftssystems, entwickelt sich konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft weiter und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Um die Funktionsfähigkeit dieser wichtigen, insbesondere von regionalen und kleinen Betrieben geprägten Infrastruktur zu gewährleisten, ist die fachgerechte Entsorgung von Batterien von entscheidender Bedeutung.

Norbert Totschnig, Umweltminister

Der Minister hatte bereits im Rahmen des Runden Tisches Batterien am 25. September 2025 zu einer ganzheitlichen, breit getragenen Öffentlichkeitskampagne aufgerufen, um der steigenden Brandproblematik wirksam zu begegnen. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren wurde daraufhin die Fortführung und Weiterentwicklung der Kampagne „Her mit Leer“ als gemeinsamer Schritt vereinbart.

Wir müssen die Brand-Thematik noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern. Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte dazu beitragen, dieses Risiko zu minimieren, indem Batterien und Akkus konsequent an den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden.

Norbert Totschnig

Mangelndes Bewusstsein und steigende Mengen

Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der EAK, legte aktuelle Zahlen vor: Während die Inverkehrsetzung von Lithium-Batterien im Jahr 2024 bereits bei rund 46,5 Prozent aller Gerätebatterien lag, hinkt deren Sammelquote mit 13,3 Prozent aus erklärbaren Gründen deutlich hinterher. Wobei das vor allem auf die hohe Langlebigkeit von Lithium-Batterien von zumindest 5-8 Jahren (bei manchen Geräten, die selten genutzt werden, können sie weit über 10 Jahre halten) zurückzuführen ist, so dass diese Batterien erst deutlich zeitverzögert in den Entsorgungsstrom gelangen.

Inverkehrsetzung und Sammlung Lithium-Batterien & sonstige Gerätebatterien in Tonnen 2024
© EAK

„Das Risiko von Bränden steigt in Recycling-Betrieben und auf Sammelstellen durch den kontinuierlichen Zuwachs der Mengen an, insbesondere aber auch durch Fehlwürfe im Restmüll sowie in Papier- oder Kunststoffbehältern“, so Elisabeth Giehser. „Besonders gefährlich ist das Unwissen darüber, in welchen alltäglichen Produkten diese Akkus verbaut sind. Neben bekannten Altgeräten, wie Powerbanks, Smartphones und Laptops, bergen auch ‚scheinbar harmlosere‘ Gegenstände, wie E-Vapes, blinkende Haarreifen, Earpods und Kinderspielzeug mit verbauten Akkus eine Brandgefahr in sich. Viele enthalten zudem oft noch Restenergie und sind keineswegs ‚leer‘, wenn sie weggeworfen werden. Das zeigen etliche Beispiele von Brandfällen in der Vergangenheit.“

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Sechs Abfallbrände pro Tag

Für die Entsorgungsbetriebe stellen die zunehmenden Fehlwürfe eine wirtschaftliche Herausforderung dar. In Österreich brennt es in der Abfallwirtschaft statistisch gesehen bis zu sechs Mal pro Tag, wobei nicht jeder dieser Brände auf Lithium-Akkus zurückzuführen ist. Zwischen dem Jahr 2012 und 2024 wurde nach Angaben des VOEB eine Verfünffachung der Brandereignisse verzeichnet.

Brand bei Loacker in Götzis Vorarlberg © Dietmar_Stiplovsek_VOL.AT
© Dietmar Stiplovsek VOL.AT
Brand beim Mürzverband
© Helmut Prade, Mürzverband
Brandlöschung mittels Schneekanone
© Land Tirol Christanell

„Die Brandgefahr steigt durch falsch entsorgte Lithium-Batterien/Akkus massiv an. Wenn ein solcher Akku im Müllauto oder in der Sortieranlage zerdrückt bzw. mechanisch beschädigt wird, kann es zum sogenannten ‚thermischen Durchgehen‘ (Thermal Runaway) kommen – einer Kettenreaktion, durch die sich die Temperatur konstant erhöht, bis es zur Selbstentzündung kommt“, erklärt Berthold Kren, Segmentleiter Österreich der Saubermacher Dienstleistungs AG. Im Restmüll finden diese Akkus ideale Brennbedingungen: Leicht entzündliche Stoffe und große Abfallmengen lassen kleine Funken sofort zum unkontrollierbaren Brandherd werden.

EAK Medienevent Elektroschrott
© EAK
Brand beim Elektrische Zahnbürste in Müllmenge © Andreas Zöscher, Mürzverband
© Andreas Zöscher, Mürzverband
Laptop mit defektem Akku
© Fritz Reisinger, Mürzverband

Feuerwehr warnt vor unberechenbarer Gefahr

Wie unberechenbar die Situation für Einsatzkräfte ist, verdeutlichte das Live-Experiment des Bundesfeuerwehrverbandes. Martin Mittnecker, Referatsleiter für vorbeugenden Brandschutz, koordinierte die Vorführung: „Brände dieser Art entzünden gewaltige Abfallmengen. Die Bekämpfung ist langwierig und kann mehrere Tage beanspruchen. Problematisch ist dabei nicht nur der hohe Aufwand an Mannschaft, Gerät und Sonderlöschmittel, sondern auch die erhebliche Schadstoffbelastung in der Luft über einen langen Zeitraum. Zudem stellt das kontaminierte Löschwasser eine zusätzliche Belastung dar, da es aufgefangen und aufwendig entsorgt werden muss.“

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Berthold Kren warnt in diesem Zusammenhang zudem vor den ökonomischen Folgen nach einem solchen Brandfall: „Die Schäden belaufen sich in Österreich bereits auf mehrstellige Millionenbeträge. Das führt zu einem großen Problem mit Versicherungen: Viele Versicherungsanstalten erhöhen die Prämien drastisch oder steigen ganz aus, da die Schadenssummen nicht mehr kalkulierbar sind. Das ist ein enormes Risiko für die gesamte Recycling-Infrastruktur. Saubermacher, österreichweit führend in der Batteriesortierung, hat am Kompetenzstandort Premstätten umfassend in Brandschutzeinrichtungen investiert – zur sicheren Annahme, Sortierung und Lagerung aller Arten von Batterien und zum Schutz der Mitarbeiter:innen.“

Gemeinsame Verantwortung nötig

Um das Risiko nachhaltig zu minimieren und die österreichische Abfallwirtschaft zu schützen, ist ein Bündel an Maßnahmen unumgänglich. Neben einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Gefahren falsch entsorgter Lithium-Batterien braucht es klare regulatorische Rahmenbedingungen, wie beispielweise ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten, das voraussichtlich Ende 2026 in Kraft treten soll.

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„Wir stehen vor einer Herausforderung, die wir nur gemeinsam bewältigen können“, resümiert Elisabeth Giehser. „Es braucht einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft sowie die aktive Mithilfe der Bevölkerung. Nur wenn wir Batterien und Lithium-Akkus als wertvolle, zugleich aber potenziell gefährliche Ressourcen verstehen und konsequent richtig entsorgen, gewährleisten wir einen sicheren Betrieb unserer Entsorgungsinfrastruktur und vermeiden Risiken für Mensch und Umwelt.“, so Bundesminister Totschnig abschließend.

Berthold Kren, Hans Roth, Norbert Totschnig, Elisabeth Giehser, Martin Mittnecker beim EAK-Event
v.l.n.r.: Berthold Kren, Hans Roth, Norbert Totschnig, Elisabeth Giehser, Martin Mittnecker © EAK

Über die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK)

Die EAK führt die administrative Koordinierung der Abholung der gesammelten Elektroaltgeräte und Gerätealtbatterien durch und zeichnet insbesondere für Öffentlichkeitsarbeit, Daten- und Stoffstromanalysen sowie Berichtwesen an das BMLUK (Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft) sowie an die Europäische Kommission verantwortlich. Die EAK ist eine gemeinnützige Gesellschaft, deren Eigentümer sich aus Vertretern der Wirtschaftskammer Österreich sowie den von der EAG-VO und der EU-Batterienverordnung betroffenen Branchenvertretern zusammensetzen.

Tags: AkkuBrandschutzEAKElektromüllTag der Batterie
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