Roman Kmenta spricht über die wertvollste Währung im Betrieb, die Wertschätzung und angebrachtes Lob gegenüber den eigenen Mitarbeitern.
Der Mitarbeiter kommt ins Büro. Er hat gerade einen schwierigen Kunden erfolgreich beraten, einen Zusatzverkauf gemacht, die Reklamation davor souverän gelöst. Kurz: Er hatte einen richtig guten Tag. Der Chef sitzt am Schreibtisch, schaut kurz auf, nickt, widmet sich wieder seinem Bildschirm. Nichts.
Ein Lob für gute Mitarbeiter?
Kein Wort. Kein „gut gemacht“. Einfach nichts. Der Mitarbeiter geht wieder raus. Und denkt sich: Wozu eigentlich? Genau hier verlieren viele Betriebe. Jeden Tag ein bisschen. Nicht lautstark, nicht dramatisch. Leise. Schleichend. Aber verlässlich. Wir reden viel über Personalmangel. Über fehlende Bewerber, über zu hohe Lohnnebenkosten, über die Generation Z, die angeblich nicht mehr arbeiten will. Alles legitime Themen. Aber eines wird dabei konsequent übersehen: Die Mitarbeiter, die man bereits hat, verliert man täglich – weil man vergisst, ihnen zu sagen, dass sie gut sind.
Lob kostet nichts. Kein Budget, keine Genehmigung vom wem auch immer, keine zähe Gehaltsverhandlung. Nichts. Und trotzdem ist es in vielen Betrieben so rar wie ein freier Parkplatz vor dem Geschäft am letzten Samstag vor Weihnachten. Warum? Weil viele Chefs der festen Überzeugung sind: Dafür kriegt er sein Gehalt. „Der weiß doch, dass er das gut macht.“ Vielleicht … oder auch nicht. Nicht, wenn Sie es ihm nicht sagen. Menschen sind keine Gedankenleser. Und Schweigen interpretieren sie nicht als stille Zustimmung – sondern als Gleichgültigkeit.
Das Tückische: Man sieht die Folgen nicht sofort. Der Mitarbeiter kündigt ja nicht am nächsten Tag. Er macht weiter. Aber vielleicht ein bisschen weniger. Ein bisschen gleichgültiger. Die Extrameile? Sicher nicht. Wozu auch – es fällt offenbar ohnehin niemandem auf. Außer das, was nicht funktioniert hat.
Denn das ist die andere Seite dieser Medaille: Kritik wird schnell und laut geäußert. Lob hingegen? Kommt irgendwann. Vielleicht. Beim Weihnachtsessen, zwischen Hendl und Tiramisu. Dabei ist Lob kein Weichspülerthema für Feelgood-Manager. Es ist ein Führungsinstrument – wenn man es richtig einsetzt. Und richtig bedeutet konkret. Nicht „super gemacht“, sondern „wie Sie vorhin diesen verärgerten Kunden abgeholt haben, das war wirklich stark.“ Wer so lobt, signalisiert: Ich sehe dich.
Genau das wollen Menschen. Gesehen werden. Das gilt für Kunden. Und mindestens genauso sehr für Mitarbeiter. Also: Wann haben Sie Ihrem Team zuletzt konkret und ehrlich gesagt, was gut war? Wenn Sie jetzt überlegen müssen – dann wissen Sie, womit Sie morgen früh anfangen.
Roman Kmenta, Preisexperte und Vortragsredner
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