Mario Fasching geht auf 100 Tage Geräte-Retter-Prämie ein und wieso diese ohne eine richtige Zielsetzung keinen Grund zum Feiern hat.
Für alle, die nicht so auf Abkürzungen stehen: GRP = Geräte-Retter-Prämie. Also 100 + ein paar Tage ist sie nun alt. Sie ist die Nachfolgerin des Reparaturbonus. Und? Ziel erreicht? Ganz klar: Nein. Ein Ziel, das nicht definiert ist, kann nicht erreicht werden.
Ziellose Gerätereparatur
Warum die Bundesregierung eine Reparaturförderung aufgelegt, abgesetzt, verlängert, wieder neu wachgeküsst hat, kann man vermuten. Was sie damit bezwecken will, weiß sie vermutlich selbst nicht so genau. Von außen betrachtet, denn Informationen vom innersten Kern dringen mehr oder weniger nicht nach außen, scheint es irrelevant, welchen Zweck die GRP verfolgt. Ob durch diese Reparaturförderung mehr repariert wird, oder gar eine Reparaturkultur als Trendwende und Pendant zur Wegwerfgesellschaft entsteht, interessiert von den ministeriellen Verantwortungsträgern niemanden. Gefeiert wird freilich die große Anzahl der eingelösten Bons. Die Wirkung rückt in den Hintergrund.
Würde einmal jemand objektiv die Marktsituation analysieren und vergleichen, ob vor 2022 tatsächlich mehr oder weniger repariert wurde als heute, wäre schnell klar: Eine Reparaturförderung ist ein, aber eben nur EIN wichtiger Baustein, um – was eigentlich zu bewirken? Hier schließt sich der Kreis. Es fehlt ein klares Ziel, welches es zu erreichen gilt, vielleicht sogar eine Vision, welche man zu verwirklichen versucht.
Mögliche Ziele für den Fachhandel könnten sein: Wir verkaufen hochwertige Geräte, welche auch repariert werden können. Das schafft vertrauen beim Kunden, baut eine Bindung auf und der Kunde, welcher statistisch 0,67-mal pro Jahr ein defektes Elektrogerät zu Hause stehen hat, kommt verlässlich wieder. Und die Reparaturförderung untermauert die These, dass sein Gerät repariert und so kostensparend länger genutzt werden kann. Win-Win für Händler und Kunde. Ein schönes Ziel, oder?
Freilich braucht es noch weitere Bausteine für einen echten Kundendienst. Reparieren ist ja nur EIN Teil davon. Ein wichtiger, wenn auch der kleinere, eingebettet in Administration, Fachwissen, Ausbildung, Einsatz von KI-gestützter IT, Absicherung derselben vor der „bösen“ Cyberwelt und, und, und… Das alles braucht es für die Reparatur, für den Kundendienst. Das aufzubauen und zu betreiben, ist höchste Handwerkskunst. Strategische Partnerschaften helfen dabei. Und wenn jemand im Ministerium einmal ernsthaft darüber nachdenken würde, was man mit einer Reparaturförderung überhaupt erreichen will: Das wäre meine Vision.
Mario Fasching, Geschäftsführer der ESECO GmbH
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