100 Jahre hat man auf dem sprichwörtlichen Buckel, die nächsten 100 erfolgreichen Jahre noch vor sich. ELEKTRO|branche.at hat mit Gebrüder Limmert AG-Vorstand Thomas Canek über die aktuellen Herausforderungen, die Rolle des Großhandels in der heimischen Elektrobranche und die Pläne fürs nächste Jahrhundert gesprochen.
Begonnen hat alles in der Salzburger Schrannengasse – das war 1924. Seitdem ist ein Jahrhundert ins Land gezogen und die Idee der Gebrüder Limmert zur Limmert AG angewachsen – zum nunmehr größten rein österreichischen Elektrogroßhändler. Doch eine glorreiche Vergangenheit bedeutet nicht automatisch auch eine ebensolche Zukunft. Wie die gesamte Elektrobranche, und hier vor allem der Großhandel, steht man derzeit vor großen Herausforderungen. Aber dafür sei man gut gerüstet, sagt Thomas Canek.
ELEKTRO|branche: Ihr habt im Vorjahr ein sehr stolzes Firmenjubiläum gefeiert. Was habt ihr euch da für eure Kunden einfallen lassen?
Thomas Canek: Was das Jubiläum betrifft, sind wir auf unser „100-Jahr-Buch“ sehr stolz. Es war bzw. ist gar nicht so leicht, unsere Unternehmensgeschichte über all die Generationen weiterzugeben. Jetzt haben wir das einmal ordentlich in einem Buch zusammengefasst, sodass auch die nächsten Generationen ein bisschen mehr über das Unternehmen bis hin zur Gründerfamilie erfahren.



Logistisch gesehen haben wir im Vorjahr auf Nachtsprung umgestellt. Bestellungen, die bis 18 Uhr reinkommen, liefern wir jetzt österreichweit am nächsten Morgen aus. Bis dahin waren wir gegenüber unseren Wettbewerbern immer ein bisschen im Nachteil, weil wir mit eigenen fixen Touren gearbeitet haben. Mit der Umstellung tun sich uns jetzt neue Möglichkeiten auf, wobei wir bei regionalen Lieferungen nach wie vor unseren eigenen Fuhrpark einsetzen. Mit diesem decken wir die Salzburger Gaue und das nahe Oberösterreich ab, der Rest von Österreich läuft über Frächter.
Braucht ein Kunde etwas dringend, schieben wir natürlich auch mal eine Extratour ein – das schätzen die Kunden bei einem regionalen Anbieter. Wir würden den Fuhrpark ja gerne ausbauen, aber es ist schwierig, die passenden Fahrer zu finden. Sie müssen nämlich vom Charakter her zu uns passen, weil sie ja auch sehr viel Kundenkontakt haben.
Stichwort Regionalität. Ist es das, was euch von den internationalen Playern unterscheidet oder wo liegt euer USP?
Das stimmt, wir sind sehr regional aufgestellt. In Oberösterreich und Salzburg sind wir am stärksten und die Steiermark, sowie Tirol laufen auch gut. Wir möchten aber auch in anderen Bundesländern jetzt weiterkommen und wachsen. Die Regionalität alleine ist meines Erachtens aber kein USP. Ich würde den eher in der Kombination aus engem persönlichen Kontakt, regionale Logistik und Flexibilität sehen. Und das wiederum ergibt sich in unserer Firmenstruktur.
Ich kann jetzt nicht für andere sprechen, aber ich empfinde uns insgesamt als wendiger. Wir haben flache Hierarchien und können schnell Entscheidungen treffen. Zudem haben wir viele fachkundige Mitarbeiter, die schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten bei uns tätig sind. Der Kunde hat immer denselben Ansprechpartner, wenn er etwas braucht oder vielleicht auch mal ein Problem hat. Wir nehmen uns gerne persönlich dem Anliegen an. Ob das freilich auch in Zukunft so sein wird, werden wir ja in den kommenden Jahren sehen.
Herausforderung KI und Kundennähe
Wie darf man das jetzt verstehen?
Eine Frage der Zukunft wird sein, wie viel Beratung ein Kunde braucht bzw. haben möchte. Ich denke hier wird sehr viel in Richtung KI passieren. Außerdem darf man nicht vergessen, dass nach und nach eine neue Generation als Mitarbeiter in die Unternehmen kommt. Und diese haben in vielen Bereichen einen völlig anderen Zugang. Ich bin mir nicht sicher, ob beispielsweise das traditionelle Feierabendbier zwischen Kunden und Lieferanten in ein paar Jahren noch gefragt sein wird. Die junge Generation wird auch im Geschäftsleben ein anderes Verhalten haben. In jedem Fall wird es in naher Zukunft viele Themen geben, die wir heute noch gar nicht am Radar haben.
Also mehr Digitalisierung?
Natürlich können wir uns der Digitalisierung nicht verschließen. Und das tun wir auch nicht. Wir investieren hier nach wie vor und versuchen, mit den Großen am Markt mitzuspielen. Und wenn man sich beispielsweise unseren Onlineshop ansieht, denke ich, dass uns das auch sehr gut gelingt. Wenn ich ein internationaler Konzern mit Milliardenumsätzen bin, tu ich mir natürlich leichter, den einen oder anderen Euro in Digitalisierung und Automatisierung zu investieren. Klarerweise ist auch KI bei uns ein Thema, wir setzen diese bereits in einigen Bereichen ein. KI wird eine immer wichtigere Rolle spielen, aber der Mensch ist nicht ersetzbar.
Dann bleibt der persönliche Kontakt bei Limmert auch in Zukunft?
Wir sind nicht der größte Player am österreichischen Markt, aber genau dieser Kontakt ist unsere Chance. Wenn jemand ein Thema oder ein Problem hat, bei uns ist immer wer erreichbar und er kann jemanden fragen. Und genau das macht für mich den Unterschied aus. Das Geschäft wird schließlich immer noch zwischen Menschen gemacht. Das Entscheidende für uns ist, wie wir uns in diesem Marktumfeld positionieren und unsere Daseinsberechtigung immer wieder erarbeiten. Unsere Erreichbarkeit, die persönlichen langjährigen Ansprechpartner, das sind alles Punkte, die, so glaub ich jedenfalls, auch der Kunde schätzt. Bei uns muss man nicht zuerst mit einem Chat-Bot telefonieren, um auf einen Rückruf zu hoffen.
Wenn man mit einem Kunden telefoniert, möchte er in erster Linie Verständnis für sein Problem haben und eine Lösung präsentiert bekommen. Bei vielen Hotlines erreichst du allerdings fast nie jemanden, der dir eine ordentliche Auskunft geben kann. Bei uns erreicht man binnen kürzester Zeit einen Mitarbeiter, der sich auch rasch ums Problem kümmert. Und falls er es nicht selbst entscheiden kann, dann weiß er, wenn er fragen muss. Das ist eben diese flache Hierarchie, die ich eingangs erwähnt habe. Das hat auch einen hohen Wert für unsere Kunden.
Nochmals zurück zur Digitalisierung: Wie läufts mit dem Autostore-Lager?
Das Lager ist jetzt seit drei Jahren im Einsatz und wir sind sehr zufrieden damit. Im 1.000 m2 großen Autostore-Lager haben wir insgesamt 27.000 Behälter und können damit auch super österreichweit liefern. Überhaupt sind wir lagertechnisch bestens für die Zukunft gerüstet.
Spannende Jahre im Großhandel
Wie ist bei euch 2024 gelaufen?
Das Vorjahr war sehr durchwachsen. Von der Entwicklung her liegen wir im Branchenschnitt. Da wir bei Limmert einen geringeren PV-Anteil haben, haben uns die großen Verwerfungen bei diesem Thema nicht so schwer getroffen. Unser Kerngeschäft ist das Elektroinstallationsmaterial. Darauf legen wir unseren Hauptfokus.
Und was erwarten Sie sich von 2025?
Ich würde sagen, es wird spannend und sehr herausfordernd. 2025 erwarte ich mir jedenfalls nicht die große wirtschaftliche Erholung, da hoffe ich dann eher auf 2026. Auch in den Lieferantengesprächen hört man unisono die Meinung, dass das heurige Jahr nicht der große umsatztechnische Wurf sein wird. Aber immerhin: Umfragen und das Konjunkturbarometer weisen darauf hin, dass wir die Talsohle offenbar schon durchschritten haben und sich die Stimmung ein bisschen aufhellt.
Jedenfalls steigen die Kosten überall und die Margen kommen immer mehr unter Druck. Das Trügerische dabei ist, dass sich Elektriker derzeit auch nicht über eine fehlende Auslastung beschweren. Spricht man mit ihnen, hat man bis Jahresmitte überhaupt keine Probleme. Allerdings haben die meisten inzwischen auch keine Leiharbeiter mehr und das Fachpersonal fehlt an allen Ecken und Enden. Weniger Mitarbeiter bedeutet gleichzeitig weniger verbautes Material. Und genau das trifft den Großhandel massiv. Eine Thematik die sich übrigens durch die gesamte Branche zieht.
Positiv für uns ist, dass sich der Tourismus gut entwickelt hat. Da wird dann in Hotels investiert und viel Material verbaut – und das eher im hochpreisigen Segment. Andererseits hat in unseren Regionen die Industrie jetzt grobe Probleme. Wenn beispielsweise KTM in Mattighofen wackelt, hängen viele Arbeitsplätze und Wertschöpfung dran. Und das nicht nur bei KTM selbst, sondern auch um Umfeld.
Welche Ziele habt ihr euch gesetzt?
Unser primäres Ziel ist natürlich, ein gutes Geschäftsjahr hinzulegen. Ebenso möchten wir auch außerhalb unseres Kerngebiets besser Fuß fassen. Und wie bereits zuvor erwähnt werden wir weiterhin in unseren Onlineshop bzw. in die Digitalisierung investieren. Wir haben hier einen Plan, den wir unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verfolgen. Als Familienbetrieb sehen wir eben gewisse Dinge anders als ein Konzern. Als Familienbetrieb bist du ein verlässlicher Partner und langfristig orientiert. Das ist und bleibt unser Ziel. Nach jedem Tal geht es wieder bergauf – und dafür wollen wir gut aufgestellt sein.
Die Rolle der Elektriker
Limmert ist seit kurzem Mitglied beim Verein Elektriker Österreich. Was erwartet ihr euch davon?
Wir sind froh, dass unsere Wertschöpfungskette endlich einen einheitlichen Auftritt hat. Ich erwarte mir, dass unsere Branche so positioniert wird, wie wir alle es verdienen. Wir sind ein wesentlicher Player der Energiewende und spielen eine tragende Rolle – ohne Elektriker geht rein gar nichts. Dafür brauchen wir aber auch ein Sprachrohr und ein Netzwerk. Aufgaben, die eben dem Verein zugedacht sind. Klar ist, im Verein wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir müssen gemeinsam das Beste für uns alle rausholen. Und wenn die gesamte Wertschöpfungskette dann sichtbarer wird, können wir auch in der Politik ein gewichtigeres Wort mitreden. Je besser dein Ruf ist, desto genauer werden sie dir zuhören.
Schon jetzt kann ich sagen, dass die Leute, die hier am Werk sind, sich für diese Idee begeistern und auch dahinterstehen. Sie sehen die Plattform nicht als Selbstzweck und wenden sehr viel Zeit dafür auf. Mir gefällt auch die Mischung zwischen Alt und Jung. Die Älteren bringen die Erfahrung mit, die Jungen die Gier etwas zu verändern.
Anfang März steht mit der e-nnovation eine neue Fachmesse am Programm. Welche Erwartungen gibt es von eurer Seite?
Es wäre sehr erfreulich, wenn die erste Ausgabe des neuen Messeformats gut funktioniert. Seitens des Großhandels sind jedenfalls alle maßgeblichen Player dabei. Wir werden jedenfalls alles versuchen, unsere Kunden dorthin zu bringen und ich hoffe, dass meine Kollegen aus den anderen Unternehmen dasselbe tun. Wir bewerben die e-nnovation überall wo es nur geht.