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FEEI: Industrie bleibt weiter in Abwärtsspirale gefangen

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
3. September 2025
in Branche
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FEEI: Industrie weiter in Abwärtsspirale

V.l.n.r.: Ing. Wolfgang Hesoun (FEEI-Obmann), Mag. Marion Mitsch (FEEI-Geschäftsführerin). © FEEI Management-Service/APA-Fotoservice/Juhasz

Die österreichische Elektro- und Elektronikindustrie stand 2024 erneut vor großen Herausforderungen. Eine bereits im Jahr 2023 erkennbare wirtschaftliche Schwächephase setzte sich fort und verstärkte sich im Jahresverlauf. Eine ausbleibende Erholung der internationalen Konjunktur sowie rückläufige Auftragseingänge belasteten die Unternehmen spürbar. Zusätzlich verschärften ungünstige Standortfaktoren die Lage, darunter eine überdurchschnittlich hohe Inflation, stark gestiegene Energie- und Personalkosten sowie zunehmender bürokratischer Aufwand.

Erstmals seit dem Jahr 2020 verzeichneten sämtliche wirtschaftliche Kenngrößen – Produktionswert, Auftragseingänge und Beschäftigtenzahl – Rückgänge. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Produktionswert 2024 um 4,4 Prozent auf 23,43 Mrd. Euro. Die Auftragseingänge brachen das zweite Mal in Folge ein, und zwar um 5,0 Prozent. Besonders deutlich zeigte sich die angespannte Lage bei der Beschäftigung: Gab es 2023 noch ein Beschäftigungsplus, sank die Anzahl der Mitarbeiter:innen 2024 um 2,2 Prozent (Eigenpersonal) – das sind rund 1.600 Beschäftigte weniger als im Vorjahr. Werden Eigen- und Fremdpersonal gemeinsam betrachtet, beträgt die Zahl der 2024 abgebauten Stellen mehr als 2.800.

Der im Ausland erwirtschaftete Umsatz der exportorientierten Elektro- und Elektronikindustrie lag 2024 bei 19,2 Mrd. Euro und damit 3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der EU-Raum bleibt mit 62,2 Prozent der wichtigste Exportmarkt, verzeichnete jedoch einen Rückgang von 4,8 Prozent. Betrachtet man die einzelnen Staaten, ist Deutschland mit 29,2 Prozent der wichtigste Exportpartner der österreichischen EEI, gefolgt von den USA mit 6,7 Prozent. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen lag der Anteil der EEI an den Gesamtausfuhren Österreichs 2024 weiterhin bei 10 Prozent. Damit behauptet die Branche ihre Position als drittgrößte Industriesparte des Landes.

Die Zahlen des ersten Quartals 2025 belegen die anhaltend schwierige Situation: Im März 2025 lag der Produktionswert weiterhin 4,0 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Gesamtumsatz ging um 3,5 Prozent zurück – besonders im Bereich der Auslandsumsätze. Auch die Zahl der Beschäftigten sank um 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einzig die kumulierten Auftragseingänge verzeichneten in den ersten 3 Monaten des Jahres 2025 erstmals steigende Werte (März 2025: +8,0 %). Trotz dieses positiven Signals erscheint eine langfristige Trendwende unwahrscheinlich.

Hohe Inflation und US-Zölle

Als eine Hauptursache der stetig sinkenden Wirtschaftsleistung identifiziert FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun die nach wie vor viel zu hohe und deutlich über dem EU-Schnitt liegende Inflation in Österreich. Diese lag im Juli 2025 bei 3,6 Prozent, während die Eurozone 2,0 Prozent verzeichnete. Hohe Zinsen, teure Energie und steigende Lohnkosten setzen die heimischen Unternehmen mehr und mehr unter enormen Kostendruck.

„2024 sehen wir die Auswirkungen der letzten Jahre deutlich: In der Elektro- und Elektronikindustrie kam es erstmals zu einem merkbaren Stellenabbau. Die Arbeitskosten in Österreich liegen EU-weit an dritter Stelle – nur Belgien und Dänemark sind noch teurer. In Kombination mit äußeren Faktoren wie den kürzlich verhängten US-Zöllen zieht sich die Schlinge weiter zu. Es darf nicht verwundern, dass immer mehr Betriebe aus Österreich abwandern“, sagt Hesoun und verweist auf die bereits einsetzende Deindustrialisierung. Die Anfang August verhängten US-Importzölle von 15 Prozent auf europäische Produkte sowie generell die protektionistische Wirtschaftspolitik der US-Regierung machen der exportstarken Branche zusätzlich zu schaffen.

Forderungen nach Maßnahmen zur Standortstärkung

Um künftig wieder konkurrenzfähig zu sein, Arbeitsplätze im Land zu behalten und den Wohlstand zu sichern, braucht es eine zielgerichtete Industriestrategie, die rasche Entlastung für die heimischen Betriebe bietet – etwa durch den Abbau von Bürokratie, gezielte Investitionsanreize für Unternehmen und das Senken der Lohnnebenkosten. Essenziell sind aber auch Investitionen in Forschung, Technologie und Innovation mit dem Ziel der Erreichung einer 4 % F&E-Quote bis 2030.

Darin liegt ein hohes wirtschaftliches Potenzial: Ein Euro, der in themenoffene FFG-Basisprogramme investiert wird, generiert durchschnittlich acht Euro an zusätzlichen Erträgen für Unternehmen. Die Schwerpunktsetzung muss dabei klar auf Schlüsseltechnologien gelegt werden, wie Mikroelektronik, Quantentechnologie und Künstliche Intelligenz. Die österreichische Bundesregierung arbeitet derzeit in enger Beteiligung der Wirtschaft an der Erstellung einer Industriestrategie. Die Plattform Industrie 4.0, ein Netzwerkpartner des FEEI, übernimmt federführend deren operative Ausarbeitung.

Europe first

Dass die Zusammenarbeit zwischen EEI und Politik gelingen kann, machen Erfolge der letzten Jahre rund um den European Chips Act und den „Made in Europe“-Bonus deutlich. Letzterer zielt nicht nur darauf ab, dass die Energiewende gelingt, sondern setzt auch den Fokus auf europäische Produkte und damit auf europäische Wertschöpfung. Das wiederum stärkt die strategische Autonomie und reduziert Abhängigkeiten von anderen Machträumen.

Die Fokussierung auf den Wirtschaftsstandort Österreich bzw. Europa wird in Zeiten fragiler werdender Handelsbeziehungen und weiter andauernder Konflikte und Kriege immer bedeutender. Auf unseren bisherigen Allianzpartner USA ist kein Verlass mehr – im Gegenteil: Die US-Regierung treibt ihre Handelspartner mit ständig neuen Vorgaben und Androhungen vor sich her. Für die Unternehmen in Europa wird das wirtschaftliche Handeln zunehmend unsicher, unplanbar und unzuverlässig – und damit zeit- und kostenintensiver.

Wolfgang Hesoun

Er verweist auf die Notwendigkeit der Vertiefung des EU-Binnenmarkts.

Weiterhin Fachkräftebedarf

Trotz des punktuellen Stellenabbaus in der Branche bleibt der Mangel an Fachkräften bestehen. „Die Elektro- und Elektronikindustrie ist und bleibt die Branche der Zukunft. Sie liefert Technologien und Produkte, um die Digitalisierung und Dekarbonisierung voranzutreiben. Sie sichert die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur. Sie liefert Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen“, sagt FEEI-Geschäftsführerin Marion Mitsch. Neben Bemühungen zur Entlastung der Unternehmen, zur Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts ist daher der konstante Aufbau qualifizierter Arbeitskräfte mit fundiertem Knowhow essenziell.

Um die Fülle der spannenden Ausbildungen und Jobs in dem Bereich an die Jugend zu vermitteln, hat der FEEI gemeinsam mit Branchenpartnern bereits im Herbst 2023 die Kampagne #JoinTheFuture ins Leben gerufen. Steigende Lehrlingszahlen belegen, dass Aktivitäten wie diese sehr erfolgreich sind und Wirkung zeigen. Gab es 2022 in der Elektro- und Elektronikindustrie 1.156 Lehrlinge, so stieg diese Zahl 2024 bereits auf 1.327, was einer Steigerung von fast 15 Prozent entspricht.

Tags: Elektro- & ElektronikindustrieFEEI
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