Mario Fasching widmet sich der Frage, wer und wie das Wachstum und somit die Zukunft von „Reparatur als Service“ auf dem Markt gebremst wird.
Vom Elektrofachhandel wird die Gerätereparatur nicht als eigenständiges Geschäftsfeld betrachtet. Sie gehört irgendwie zum Tagesgeschäft, teils als Servicegeste oder als Nebenleistung, manchmal auch als Auslastungsmaßnahme für Techniker. Das ist die gewohnte Marktrealität. Gleichzeitig sind sich sämtliche Kooperationen und Verbundgruppen seit Jahren einig, wie wichtig Reparaturen sind, vor allem in Hinblick auf den Servicegedanken. Denn: Der stationäre Handel braucht Leistungen, mit denen er sich vom Onlinegeschäft großer Konzerne abheben kann. Die Gerätereparatur ist ein wichtiger Teil davon. Nun muss sie den Nebenschauplatz verlassen und als das präsentiert werden, was sie ist: eine professionelle Leistung mit einem festen Platz im Lebenszyklus eines Geräts.
Markt mit wenig Ersatzteile und alten Vorurteilen
Derzeit werden dank künstlicher Intelligenz viele standardisierbare Tätigkeiten verändert oder ersetzt. Das Handwerk hingegen bleibt. Die KI kann zwar Diagnosen unterstützen oder Abläufe verbessern, aber sie kann kein Elektrogerät zerlegen und Ersatzteile tauschen. Die KI übernimmt auch keine Verantwortung für die technische Sicherheit eines Geräts. Das macht Reparatur eigentlich zu einem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld. Umso erstaunlicher ist, wie lange sie im Markt strukturell klein gehalten wurde und wird. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Reparatur politisch gewollt ist. Die eigentliche Frage lautet: Wer bremst die Reparatur?
Es sind vor allem die Hersteller, die den Zugang zu Ersatzteilen, technischen Informationen und Qualitätsmaßstäben, nach denen repariert werden darf, kontrollieren. Gleichzeitig hat der Elektrohandel den Konsumenten über Jahrzehnte beigebracht, dass sich Reparatur angeblich nicht lohnt und ein defektes Gerät besser sofort ersetzt wird. Genau darin liegt der Kern des Problems: Ein Recht auf Reparatur allein schafft noch keine funktionierende Reparaturpraxis und noch lange keinen anerkannten Geschäftszweig.
Wer Reparatur stärken will, darf sie nicht romantisieren. Reparatur braucht industrielle Qualität und standardisierte Abläufe, Verlässlichkeit bei Ersatzteilen und klare Zuständigkeiten. Nur dann haben die Kunden das nötige Vertrauen, das die Grundlage jeder Reparatur ist. Und natürlich brauchen wir auch die Fachkräfte für die Durchführung. Lange hat das bestehende System für Hersteller, den Handel und oft auch für die Konsumenten gepasst. Wenn Reparatur künftig mehr sein soll als ein politisches Schlagwort, muss der Markt seine eigene Bequemlichkeit überwinden.
Mario Fasching, Geschäftsführer der ESECO GmbH
Hinweis: Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen




















