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Billig-Plattformen: Schnäppchen mit Schattenseiten

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
17. Juni 2025
in Branche
0
Billig-Plattformen: Schnäppchen mit Schattenseiten

© Marketagent

Temu, Shein, AliExpress oder Wish – Plattformen wie diese stehen sinnbildlich für den Boom des extrem günstigen Online-Shoppings. Doch was bewegt Menschen, dort einzukaufen? Und welche Schatten wirft dieser Trend auf Nachhaltigkeit, Qualität und den lokalen Handel? Eine repräsentative Studie von Marketagent unter 1.000 Befragten zeigt, wie sehr diese Plattformen das Konsumverhalten in Österreich verändern – und wo die Grenzen der Schnäppchenjäger liegen.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Breite Bekanntheit, regelmäßige Nutzung: 96 % der Österreicher:innen kennen Temu (Shein: 81 % | Wish: 78 %). Mehr als die Hälfte hat schon auf zumindest einer dieser Plattformen eingekauft (52 %). Gekauft werden vor allem Kleidung/Schuhe (62 %) und Haushaltswaren (41 %). Jeder vierte Nutzer:in kauft mindestens 1x/Monat auf einer Billig-Plattform ein (27 %). 72 % wollen dies auch weiterhin tun.
  • Hohe Preisattraktivität: 85 % bewerten die Preise auf den Plattformen als sehr oder eher niedrig. Für 76 % sind die Schnäppchen der Hauptgrund für den Einkauf. 68 % haben schon einmal mehr gekauft als geplant –wegen der günstigen Preise.
  • Kritik an Qualität und Nachhaltigkeit: 57 % nehmen eine geringe Qualität der Produkte wahr. 78 % empfinden die Billig-Marktplätze als kaum oder gar nicht nachhaltig.
  • Moralischer Zwiespalt: Fast 4 von 10 hatten nach einem Einkauf auf solchen Plattformen bereits ein schlechtes Gewissen.
  • Bewusste Ablehnung: Nicht-Nutzer:innen lehnen die Billig-Shops vor allem aufgrund von Misstrauen gegenüber der Qualität ab (60 %). 46 % wollen die Plattformen grundsätzlich nicht unterstützen. 89 % wollen sie auch zukünftig (eher) nicht nutzen.
  • Zukunftstrend mit Schattenseiten: 8 von 10 glauben, dass die Nutzung von Temu, Shein & Co. in Zukunft weiter zunehmen wird. Jeweils 6 von 10 erwarten dadurch mehr Müll, Schwächung der lokalen Wirtschaft und Förderung der Wegwerfmentalität.
  • Folgen für stationären Handel: 8 von 10 nehmen in ihrer Umgebung ein Ladensterben wahr. Ebenso viele würden klassische Einkaufsstraßen vermissen, wenn es sie nicht mehr gäbe. Ein niedrigeres Preisniveau (55 %) könnte Menschen motivieren, wieder mehr lokal zu kaufen.

Temu, Shein, AliExpress oder Wish – Plattformen wie diese stehen sinnbildlich für den Boom des extrem günstigen Online-Shoppings. Laut einer aktuellen, repräsentativen Umfrage von Marketagent sind die internationalen Billig-Marktplätze in Österreich längst kein Nischenphänomen mehr: 95 % kennen Temu, 81 % Shein – und mehr als die Hälfte (52 %) hat bereits auf einer dieser Plattformen eingekauft.

Der Reiz liegt klar auf der Hand: 85 % erleben die Preise in diesen – meist chinesischen – Onlineshops als sehr oder eher niedrig, für drei Viertel (76 %) sind sie der wichtigste Grund für den Einkauf. Das verleitet viele zu Impulskäufen: Mehr als zwei Drittel (68 %) der Konsument:innen geben an, auf Temu und Co. schon einmal mehr gekauft zu haben als ursprünglich geplant – allein wegen der niedrigen Preise.

Schnäppchen mit Nebenwirkungen

Die günstigen Angebote führen jedoch nicht nur zu vollen Warenkörben, sondern auch zu moralischen Dilemmata: Fast 4 von 10 hatten nach dem Einkauf bereits ein schlechtes Gewissen (39 %). Wenig überraschend, schließlich ist der Mehrheit der Österreichinnen und Österreicher bewusst, dass der Umweltaspekt bei den Billig-Shops oft ins Hintertreffen gerät. 78 % der Befragten bewerten die Produkte als wenig bis gar nicht nachhaltig.

Was heute als Schnäppchen im Warenkorb landet, wird morgen zum Umweltproblem – denn Overconsumption ist der stille Preis des Billigbooms. Der schnelle Klick spart Geld, aber hinterlässt Spuren – im eigenen Konsumverhalten und in der Umwelt. Unsere Studie zeigt, wie stark der Spagat zwischen Preisbewusstsein und Verantwortungsgefühl geworden ist.

Andrea Berger, Studienautorin

Auch in Sachen Qualität ist die Einschätzung kritisch: Mit einem Durchschnittswert von 3,7 landet die Produktqualität bestenfalls im unteren Mittelfeld – Schulnote 3 minus. Die mangelnde Wertigkeit der Ware ist auch der Hauptgrund für die Nicht-Nutzer:innen, die Billig-Marktplätze zu meiden: 60 % der Ablehner:innen misstrauen der Qualität der Produkte. 46 % wollen die Plattformen grundsätzlich nicht unterstützen und 89 % planen auch künftig (eher) keine Nutzung.

Bewertung der Nachhaltigkeit von Billig-Plattformen
© Marketagent

Ein Trend mit Zukunft – aber auch mit Folgen

Trotz vieler Vorbehalte glaubt das Gros der Österreicher:innen an den anhaltenden Siegeszug der Billig-Plattformen: 8 von 10 rechnen mit einer weiteren Zunahme der Nutzung. Dass diese Veränderung im Shoppingverhalten ihren Preis hat, ist der Mehrheit der Befragten bewusst. 59 % erwarten eine Zunahme von Müll, 58 % eine Förderung der Wegwerfmentalität. Für 59 % ist klar, dass die Online-Plattformen die lokale Wirtschaft schwächen.

Lokale Geschäfte unter Druck

Denn während das Klick-Shopping boomt, zeigen sich im Stadtbild klare Spuren: 62 % der Umfrageteilnehmer:innen nehmen bereits vermehrte Leerstände von Geschäftsflächen wahr. Gleichzeitig bleibt der emotionale Wert klassischer Einkaufsstraßen hoch: 80 % würden diese im Stadtbild vermissen, wenn sie verschwinden würden.

Viele wissen um die Schattenseiten von Temu, Shein und Co. Sie sehen die wachsende Müllproblematik, kritisieren die Wegwerfmentalität und beobachten mit Sorge das zunehmende Ladensterben – und kaufen dennoch weiter auf Billig-Plattformen ein. Diese Widersprüchlichkeit zeigt, wie groß die Versuchung durch billige Preise ist. Der Reiz des Einfachen, Schnellen und Günstigen ist groß – auch wenn wir wissen, dass es langfristig zu einem Verlust lokaler Vielfalt und urbaner Lebenskultur führt.

Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent

Die Marketagent-Studie zeigt deutlich: Der Boom der Billigplattformen ist real. Es braucht Bewusstsein, Alternativen und einen fairen Wettbewerb zwischen globalem Klick und lokalem Geschäft.

Die detaillierten Studienergebnisse stehen hier zum Download bereit.

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Tags: KaufverhaltenOnline-ShopStudie
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