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Erneuerbare vs. Hattmannsdorfer: „Fakten statt populistische Mythen“

Redaktion ELEKTRO|branche.at von Redaktion ELEKTRO|branche.at
20. November 2025
in Elektrotechnik
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Erneuerbare vs. Hattmannsdorfer: „Fakten statt populistischen Mythen“ Symbolbild

© AdobeStock

Die Aussagen von Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer im gestrigen Zeit im Bild 2-Interview haben in der Erneuerbaren-Branche für breite Verwunderung gesorgt. Zahlreiche Behauptungen des Ministers entsprechen weder der Realität am Energiemarkt noch den technischen und regulatorischen Grundlagen des Stromsystems.

Aus diesem Grund nimmt die Branche jetzt einen umfassenden Faktencheck vor – und stellt klar: Populistische Kurzschlussargumente ersetzen keine sachliche Energiepolitik. Stattdessen würden altmodische, fossile Erzählungen aus der Vergangenheit – auch durch Interessenvertretungen – bedient, die längst überholt sind und der Versorgungssicherheit schaden.

Strompreise lassen sich nicht politisch herbeireden

Marktpreise folgen wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten – nicht politischen Parolen. Echte Entlastung entsteht nur durch geringere Abgaben, stabile Rahmenbedingungen sowie den Ausbau heimischer erneuerbarer Produktion und nicht durch kontinuierliche, neue erratische Belastungen und politisches Risiko für die Investitionen. Dauerhaft niedrigere Preise gibt es durch mehr Angebot, effiziente Netze und weniger Importabhängigkeit – nicht durch PRAnsagen oder nationale Aufschläge.

Netzkosten steigen, weil jahrelang zu wenig investiert wurde

Von „explodierenden Netzkosten“ zu sprechen ist sachlich falsch. Der notwendige Ausbau ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionspausen. Die Netzinfrastruktur von heute basiert auf wichtigen Investitionen unserer Eltern und Großeltern im Wissen um den Wert für die Zukunft. Dieses Erbe zu bremsen wäre ein energiepolitischer Fehler: Weder Netz- noch Erneuerbaren-Ausbau dürfen „abgedreht“ werden. Netzkosten sind streng reguliert, müssen genehmigt werden und sind in manchen Netzgebieten sogar gesunken. Alarmismus hilft niemandem – effiziente Netzplanung und moderne Finanzierung sehr wohl.

Erzeuger zahlen bereits jetzt substanzielle Netzkosten

Die Behauptung, Erzeuger würden das Netz gratis nutzen, ist grober Unfug. Anschlusskosten, Infrastrukturbeiträge, Verlustenergie und laufende Entgelte – all das leisten Anlagenbetreiber heute bereits in hohem Umfang. Zudem senkt mehr erneuerbare Erzeugung die Großhandelspreise, wovon Haushalte und Unternehmen profitieren.

Abregelungen sind ein Netzproblem – kein Erzeugerproblem

Wenn Wasserkraftwerke temporär abgeregelt werden, zeigt das nur eines: Der Netzausbau hinkt hinterher. Überproduktion ist ein normales Marktsignal und fördert Investitionen in Speicher und Flexibilitäten. Ursache und Wirkung zu verwechseln, lenkt von den wirklichen Versäumnissen ab. Flexibilisierung und Speicher brauchen mehr Tempo und keine Ideologie.

Physik wird nicht ignoriert – Verfahren sind streng und technisch präzise

Jede erneuerbare Anlage durchläuft detaillierte technische Prüfungen. Niemand baut gegen physikalische Gesetzmäßigkeiten. Das Problem ist nicht eine missachtete Physik, sondern ein zu langsames und zu mühsames Genehmigungssystem – sowie eine Netzinfrastruktur, die der Energiewende hinterherläuft. Österreichs Genehmigungsaufwand und -kosten sind europaweit einzigartig – und ein zentraler Kostentreiber. Dennoch liegen dafür bis heute keine wirksamen Entlastungsmaßnahmen auf dem Tisch.

Blackoutprävention ist europäisch geregelt – nicht politisch erfunden

Netzsicherheit basiert auf europäischen Standards, täglicher internationaler Koordination und modernster Regeltechnik. Kein nationales Gesetz verhindert Blackouts – aber moderne Netze, Speicher und professionelle Netzführung. Die österreichische Netzstabilität ist auf Rekordniveau. Dafür gibt es in Österreich professionelle Akteure, die sich eng mit Erzeugern abstimmen. Hier dürfen keine Ängste geschürt werden.

Fazit: Weniger Schlagzeilen, mehr Substanz

Wer die Energiewende ernst meint, setzt auf Stabilität statt Symbolpolitik. Die Branche fordert daher:

  • verlässliche Regeln und Planbarkeit für Investitionen
  • schnelleren Netzausbau
  • forcierte Speicher- und Flexibilitätslösungen
  • Stärkung heimischer, erneuerbarer Erzeugung
  • Entlastung bei Steuern und Abgaben
  • Mehr Sachlichkeit und Austausch, statt ideologischer Grabenkämpfe

Nur so könne Energie in Österreich langfristig günstiger, sicherer und unabhängiger werden – durch faktenbasierte Politik, nicht durch populistische Mythen.

Den gesamten (ausführlichen) Fakten-Check finden Sie übrigens unter www.pvaustria.at/wp-content/uploads/202511-20-Fakten-Check_ZIB2_Hattmannsdorfer.pdf 

Tags: Erneuerbare EnergiePhotovoltaic Austria
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